23.07.2009

Wo soll Schriesheim im Jubiläumsjahr stehen?

(cab) Bürgermeister Hansjörg Höfer hat die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich an den Diskussionen über die Zukunft Schriesheims zu beteiligen. In seiner Rede zum Beginn der Amtsperiode des neuen Gemeinderats sagte er: "Nur wenn wir alle zusammen unsere Vorstellungen und Ideen einbringen, können wir auch nachhaltige Lösungen und Konzepte für unsere Stadt erarbeiten."

Die jetzt beginnende Amtszeit der Stadträte, so Höfer, sei außergewöhnlich, da sie im Jahr 2014 ende – dem Jubiläumsjahr Schriesheims. Die Stadt wird dann das 1250-jährige Bestehen seit ihrer urkundlichen Ersterwähnung feiern. Mit diesem Anlass verknüpfte Höfer seine Überlegungen in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats am gestrigen Abend: "Lassen Sie uns hinterfragen, wo unsere Stadt in ihrem Jubiläumsjahr stehen soll", sagte das Stadtoberhaupt.

Die gegenwärtigen Umbrüche würden Städte und Gemeinden direkt zu spüren bekommen. Der demografische Wandel verändere die Strukturen der Gesellschaft grundlegend. Im Jahr 2025 würden die über Vierzigjährigen rund zwei Drittel der Schriesheimer Bevölkerung ausmachen. Daraus resultierten für die Stadt wichtige Fragestellungen nach der Form des Zusammenlebens, nach dem Einkaufsverhalten und der Nachfrageentwicklung.

Vor diesem Hintergrund sei auch die Bedeutung von Projekten wie der Bebauung des OEG-Areals zu sehen. Die städtebauliche Attraktivität müsse zudem vorrangig durch Nachverdichtung erreicht werden, hatte Höfer vor allem die Innenstadt im Blick. Sie sei das Zentrum des sozialen und kulturellen Lebens der Stadt.

Hier würden sich Lebensqualität, kulturelle Identität und Wettbewerbsstärke widerspiegeln. Es gelte, die Aufenthalts- und Lebensqualität Schriesheims weiter zu steigern: Nur so biete man ein interessantes, attraktives Umfeld zum Arbeiten und Wohnen. Laut Berechnungen des Statistischen Landesamtes wachse Schriesheims Bevölkerung bis zum Jahr 2025 um etwa 1000 Personen. Ohne Neubürger würde die Bevölkerungszahl im gleichen Zeitraum um 1300 Menschen abnehmen. Schon diese Zahlen würden deutlich machen, in welche Richtung eine zukunftsorientierte Politik gehe: "Wir müssen unsere Stärken herausstellen und mit dem, was wir haben, um neue Mitmenschen werben. Wir sind angewiesen auf den Zuzug junger Familien". Nur so sei eine effiziente Auslastung der städtischen Infrastruktur, der Vereine und des öffentlichen Personennahverkehrs möglich, sagte Höfer. Auch das soziale, kulturelle und sportliche Leben der Stadt werde so gewahrt – und damit die Lebensqualität.

Auch die Ortsteile seien in diese Diskussion einzubinden, betonte der Bürgermeister. Altenbach habe in den vergangenen drei Jahren etwa 130 Bürger verloren. Für Höfer eine beachtliche Größe angesichts von nunmehr 1974 Einwohnern.

Zum demografischen Wandel komme der Klimawandel sowie die Wirtschafts- und Finanzkrise. Wirtschaftliches Handeln bedürfe eines Umdenkens, um dem Prinzip der Nachhaltigkeit wieder gerecht zu werden, so Höfer. Gegenüber diesen Umbrüchen sei man nicht machtlos: "Wir können gerade auf kommunaler Ebene Handlungsstrategien entwerfen, um diese Prozesse aktiv mitzugestalten."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung