12.08.2009

Mann unter einem Baum vom Blitz erschlagen

Mann unter einem Baum vom Blitz erschlagenVon Carsten Blaue.

In diesen Nussbaum schlug der Blitz ein, der dem 35-Jährigen zum Verhängnis wurde. Foto: Peter Dorn

Schriesheim. Wie immer war Landwirt Werner Morast auch gestern Morgen in aller Frühe auf seinem Hof unterwegs. Doch etwas war anders als sonst. Unter dem großen Nussbaum mit der breiten Krone, der nur etwa 50 Meter südlich seines Anwesens in den Feldern an einem Weg zwischen Schriesheim und Dossenheim steht, lag ein schwarzes Herren-Fahrrad.

"Da musst du mal nachsehen", dachte er sich und fand unter dem Baum einen reglosen Körper. Er habe gar nicht richtig hingeschaut: "Doch mir war klar, dass der Mann tot ist." Morast alarmierte sofort die Polizei.

Neben der Kripo kamen auch der Rettungsdienst sowie die Spurensicherung an den Fundort. Schon die äußeren Anzeichen an der Leiche hätten darauf hingedeutet, dass der Mann vom Blitz erschlagen worden sei, sagte Polizeisprecher Norbert Schätzle später.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der 35-Jährige am Montagabend mit seinem Fahrrad unterwegs war, als er von dem heftigen Gewitter überrascht wurde, das sich über der Metropolregion entlud. Der Deutsche Wetterdienst in Stuttgart registrierte am Montag in der Zeit von 19 bis 21 Uhr insgesamt über 1500 Blitze in diesem Gewitterkomplex, der gegen 21 Uhr in Heidelberg und an der Bergstraße besonders aktiv war. Dazu regnete es wie aus Kübeln.

Die Polizei glaubt, dass der Mann unter dem Baum Schutz suchte. Das wurde ihm zum Verhängnis. Man sah gestern noch deutlich die Stelle, an der der Blitz in den Baum einschlug. Auch die Mutter von Werner Morast erinnerte sich an einen heftigen Knall. Danach waren im Wohnhaus des Landwirts ein Fernseher und ein TV-Empfänger kaputt. Draußen im Unwetter traf der Blitz auch den Mann, und zwar über den Hosenknopf aus Metall, wie Schätzle sagte.

Der Radfahrer sei mit Jeans und T-Shirt sowie schweren Schuhen bekleidet gewesen. Nach RNZ-Informationen stammte er aus Hirschberg, was die Polizei allerdings so nicht bestätigen wollte. Nachdem die Ermittler ihre Arbeiten am Fundort abgeschlossen hatten, wurde der Leichnam in die Leichenhalle in Schriesheim gebracht und später in die Heidelberger Rechtsmedizin überführt. Hier sollte der Tote noch gestern obduziert werden. Allerdings fanden die Experten keine Anzeichen für ein Fremdverschulden. Der Mann sei nach dem Blitzschlag sofort tot gewesen.

Laut Peggy Hofheinz vom Regionalzentrum Stuttgart des Deutschen Wetterdienstes treten bei Blitzeinschlägen Spannungen von 100000 bis zu 100 Millionen Volt auf. Zum Vergleich: Gewöhnliche Überlandleitungen haben normalerweise eine Spannung von etwa 220000 Volt. Schon wesentlich geringere Spannungen führen zum Tode eines Menschen.

VERHALTEN BEI GEWITTER

"Wer draußen von einem Gewitter überrascht wird, sollte in die Hocke gehen, um möglichst niedrig im Vergleich zur Umgebung (etwa Bäumen) zu sein. So schützt man sich vor direktem Blitzeinschlag, aber auch durch Blitzeinschlag in die nähere Umgebung, da dann nur durch die Füße Kontakt zum Erdboden besteht." (Peggy Hofheinz, Deutscher Wetterdienst, Regionalzentrum Stuttgart)

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung