29.08.2009

Solaranlage auf dem Hallendach?

(kaz) Im Dachgeschoss geht’s nicht nur an die belegten Brötchen, sondern auch ans Eingemachte: Themen sind das komplizierte Steuersystem, die Staatsfinanzen und die Rolle des Mittelstandes in der Wirtschaft. Fritz Kuhn, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, ist in Schriesheim zu Gast – und das zum zweiten Mal binnen 14 Tagen. Eine Station auf dem Rundgang ist der Elektro-Betrieb Sommer, der damit wirbt, für Wasser, Wärme und Strom zu sorgen. Den im Jahr 1948 gegründeten Familienbetrieb in der Heidelberger Straße 9 übernahm 2006 Markus Sommer als Meister für Zentralheizungs- und Lüftungsbau sowie Gas- und Wasserinstallation.

Markus Sommer ist zwar kein Grüner, aber mit dem, was diese sich auf die Fahnen geschrieben haben, hat er quasi täglich zu tun. Zum Beispiel mit regenerativen Energien. Und doch muss er momentan noch darum kämpfen, auf dem eigenen Dach eine Solaranlage installieren zu dürfen. Noch immer gelten die Gestaltungsvorgaben der Altstadtsatzung, nach der die Dächer von Schriesheim einem besonderen Schutz unterliegen. Damit der dörfliche Charakter mit Fachwerkhäusern und Scheunen auch von oben erhalten bleiben möge – etwa, wenn man von der Strahlenburg runterschaut.

Fritz Kuhn hätte da eine andere Idee. Wenn Solaranlagen auf den Dächern gestattet würden, würde man seiner Ansicht nach nicht nur auf eine schöne, alte Stadt schauen, sondern "auf eine schöne, alte Stadt, die was für den Klimaschutz tut." Grünen-Stadträtin Gisela Reinhard fällt auf, dass auf die Turnhalle der Strahlenberger Grundschule auch ganz gut eine Solaranlage passen würde. Derweil ist von Markus Sommer zu erfahren, dass die Auftragslage betreffs dieser Technik nach einem "Hoch" in Zeiten explodierender Ölpreise erst mal einen Einbruch erlebte. Genau wie Pellet-Heizungen. Doch so langsam stabilisiere sich die Lage wieder, sagt er.

In seinem Anwesen, das seinen Ursprung im Jahr 1634 hat, ist der ehemalige Weinkeller zur Lagerfläche umfunktioniert. Auch eine Ebene höher wird Material gelagert, etwa jede Menge Kabel. Nur für die "Einsatzfahrzeuge" der Firma Sommer ist mitten in der Altstadt kein Platz. Kuhn geht davon aus, das im Öko-Bereich locker eine Million neuer Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Auch wenn er dem angekündigten Aufschwung noch nicht so recht traut und den angekündigten Steuersenkungen anderer Parteien erst recht nicht. Sie wären seiner Meinung garantiert mit einem Abbau sozialer Leistungen verbunden. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer lehnt er in der gegenwärtigen Situation kategorisch ab.

Seine Partei habe zwar schon mal über die Erhöhung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 45 Prozent nachgedacht, diese Überlegung aber wieder verworfen, weil das vergleichsweise wenig Mehreinnahmen gebracht hätte. Was den Klimaschutz angeht, muss er natürlich mit gutem Beispiel vorangehen und ist deshalb Betreiber einer Photovoltaikanlage. Allerdings nicht auf dem eigenen Hausdach (da hätten zwecks Sonneneinstrahlung nämlich Bäume fallen müssen, und das geht bei einem prominenten Grünen natürlich gar nicht), aber auf dem Stadiondach in Freiburg. Dort haben sich auch andere Bürger "eingemietet".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung