08.09.2009

Selbst das Schriesemer Lied wurde zum Shanty

Selbst das Schriesemer Lied wurde zum ShantyBürgermeister Hansjörg Höfer (vorne links) begrüßte die Gäste aus dem Emsland, und der Vorsitzende des Obst-, Wein- und Gartenbauvereins, Werner Merkel (vorne rechts), erzählte, wie es zum Kontakt mit dem Papenburger Shanty-Chor gekommen war.

Von Carsten Blaue

Rudi Kling hatte sich extra das passende weiße Hemd angezogen. Auf die Brusttasche war ein fröhlicher Fisch gestickt, der zwei Robben mit Wasser bespuckt. Das maritime Outfit des Alleinunterhalters passte zum Musikprogramm des gestrigen Vormittags. Denn zum Frühschoppen im "Weindorf" bekam er die wohlklingende Unterstützung des Papenburger Shanty-Chors.

Dessen Seemannslieder und Evergreens verrauchter Hafenkneipen wurden begeistert beklatscht. Man konnte das Salz in der Luft schier schmecken. Das Publikum versuchte sich fröhlich im Mitsingen des nordischen Dialekts, man schunkelte seitwärts – wahrer Wellengang im sonnendurchfluteten "Weindorf". Der musikalische Ausflug auf die Weltmeere endete erst im Hafen des Schriesemer Liedes, das Kling und der Chor (tapfer vom Blatt) zusammen sangen. "So ein Tag so wunderschön wie heute": Das konnte man so stehen lassen. "So voll war das ,Weindorf’ am Montagvormittag noch nie", konstatierte Bürgermeister Hansjörg Höfer. Zusätzliche Bierbänke mussten her.

Das Stadtoberhaupt begrüßte die "Freunde aus Papenburg, die Seebären aus dem hohen Norden im trockenen Süden" und ließ Werner Merkel berichten, wie es zu dieser Landpartie der Emsländer kam und was der Obst-, Wein- und Gartenbauverein mit der Seefahrt zu tun hat. Die Geschichte hatte dessen Vorsitzender schnell erzählt: Vergangenes Jahr machte der Verein seine Fünftagesfahrt nach Papenburg. Einen Abend lang genoss man den Chorgesang der 25 Shanty-Sänger und kam danach mit ihnen ins Gespräch. Einen Ausflug an die Bergstraße konnte sich der Chor schon vorstellen im Rahmen seiner eigenen alljährlichen Reisen. Allerdings werden die stets mit Auftritten verbunden, wenn es geht. Merkel dachte nach. Im Mathaisemarkt würden selbst Shantys untergehen. Blieb das Straßenfest und hier der Frühschoppen am Montag. Idealer Zeitpunkt, idealer Ort: Die Reise war beschlossene Sache. Höfer dankte Merkel dafür, dass sein Verein den Besuch eingefädelt hatte: "Man müsste den Vereinsnamen glatt durch Schifffahrtsverein ergänzen."

Am Freitag kamen die Gäste aus Niedersachsen jedenfalls in Schriesheim an und sollten gleich in der Kuhbergstube erleben, dass sie es mit einer Weinstadt zu tun haben. Der Norddeutsche an sich ist ja Biertrinker, und hin und wieder darf es auch mal ein Korn sein. Insofern mag es da gewisser Umstellungen bedurft haben. Aber auch Werner Merkel lernte dazu. Nämlich dass die Papenburger Sänger ziemlich viel vertragen. Die Mengen trotzten Merkel ein gewisses Staunen ab. "Die Reise hat sich wirklich gelohnt", lächelte auf Nachfrage der Vorsitzende des Chors, Dr. Bernd König: "Wenn wir gewusst hätten, wie schön es hier ist, wären wir schon öfter gekommen."

Und der Wein? "Wir haben keine Kopfschmerzen bekommen", lobte König die hiesigen Gewächse. Beim kleinen Besuchsprogramm wären schwere Köpfe auch sicher hinderlich gewesen. Samstagnachmittags besuchte man Heidelberg, sonntagnachmittags Speyer. Zuvor genossen die Papenburger Sänger die Gastfreundschaft des GV Liederkranz. Wohl ein rundum gelungenes Wochenende. Und dass man von Reisen immer etwas mitnimmt, schien sich auch hier zu bewahrheiten: "Die nehmen einen Bus voll Wein mit nach Hause", sagte Höfer.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung