02.08.2003

"Meine Stimme soll gehört werden"

Die 18-jährige Nina Wetter ist Mitglied im Schriesheimer Jugendgemeinderat - Ihrer Meinung nach wird die Politik heute viel zu oft unterschätzt

Schriesheim. In der RNZ-Serie "Jugend auf Zack" geht es heute um die Schülerin Nina Wetter. Sie engagiert sich, neben ihrem Schulalltag im Jugendgemeinderat, will sich aber auf keinen Fall parteipolitisch zuordnen lassen.

Nina, das frisch gebackene Mitglied im Jugendgemeinderat, will in und durch die Politik etwas bewegen.

Die Entscheidung, sich in der Politik zu engagieren kam jedoch eher zufällig. In einem Gespräch mit einem früheren Jugendgemeinderat erfuhr sie, was die Arbeit in einem Jugendgemeinderat ausmacht und wie wichtig ein solcher Rat gerade für die Jugend ist. Es ist für sie keine hohle Phrase, dass die Erwachsenen die Welt von den Kindern nur geliehen haben. Und daher ist es nur folgerichtig, dass Nina sich im Verlauf dieser Unterhaltung spontan dazu entschloss, sich zur Wahl zu stellen.

Nina, die vor kurzem ihren 18. Geburtstag feierte und im nächsten Schuljahr die 12. Klasse im Heinrich Sigmund Gymnasium in Angriff nimmt, hat keine Probleme, Projekte aufzuzählen, für die es wert ist sich einzusetzen. Hierbei geht es um die kleinen Verbesserungen, wie ein Unterstellmöglichkeit für die Schüler am Marktplatz in Schriesheim. "Besonders in der nasskalten Jahreszeit würde dies den Schülern das Warten auf den Bus sehr erleichtern."

Ein großes Ziel ist die Weiterentwicklung des Jugendhausprojektes. Damit dauert es ihr viel zu lange. Ihrer Meinung nach haben die Kinder und die Jugendlichen zu wenig Alternativen und Möglichkeiten. Nina erwähnt hierbei, dass für sie der Ereignishorizont jetzt um ein Vielfaches erweitert wurde, da sie vor kurzem den Führerschein gemacht hat und jetzt durch das Auto unabhängiger ist. Die größeren Städte in der Umgebung rufen.

Doch sie weiß noch gut, wie "öde" es für Jugendliche sein kann, nur an den Ort gebunden zu sein. Daher setzt sie sich unter anderem für Fußball und Basketballplätze ein. Selbstverständlich auch in Altenbach und wohl auch Ursenbach, wo es für Jugendliche noch weniger Abwechslungsmöglichkeiten gibt. Noch viel wichtiger erscheint Nina jedoch die Arbeit im Kontext der politischen Bildung. Die Jugendlichen werden grundsätzlich viel zu selten in die politische Arbeit eingebunden und hätten auch leider oft kaum ein Interesse an der Politik, räumt sie ein. Wobei Nina dies als Teufelskreis bezeichnet, aus dem auszubrechen sich doch lohnen würde.

"Jugend auf Zack"
Schon allein damit die Auswahl der wählbaren Politiker in Deutschland etwas größer wird. Nina hält traurig Ausschau nach "echten Vollblutpolitikern". Weder Schröder noch Merkel sind für sie besonders ansprechende Alternativen. Überall zu viel Partei und zu wenig Politik, könnte einer ihrer Hauptkritikpunkte lauten.

Ein Weg, junge Leute für die Politik zu begeistern, erhofft Nina sich von der Präsentation des Jugendgemeinderates und seiner Arbeit auf dem kommenden Stadtfest. Denn "der Jugendgemeinderat ist ein Weg, Jugendliche für die politische Arbeit zu interessieren und sie an die Politik heranzuführen", so Nina Wetter. Und weiter spricht sie von der völlig unterschätzten Bedeutung der Politik, die unser Leben tief beeinflusst.

Ihr Freund, der Amerikaner Leon Wilson, steht exemplarisch für diesen Einfluss der Politik auf jeden Einzelnen. Er war gerade acht Monate im Irak. "In solchen Momenten muss man aktiv werden und darf nicht schweigen". Sie persönlich lehnte diesen Krieg ab. Ein Weg solche Entwicklungen zu vermeiden sieht sie in verstärkten internationalen Kontakten unter Schülern. "Es müsste vielmehr internationale Austauschprojekte geben, auch mit Ländern mit denen dies bisher noch nicht so üblich ist." Nur über das gegenseitige Kennenlernen kann gegenseitiger Respekt und Achtung vor dem anderen gelebt werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung