06.07.2010

Bei der Energie sind Einsparungen von bis zu 74 Prozent drin

Bei der Energie sind Einsparungen von bis zu 74 Prozent drinVon Stephanie Kuntermann

Das Podium der Veranstaltung war bestens besetzt - etwa mit Zimmermann Georg Grüber (Zweiter von rechts) und Architekt Peter Wahl aus Dossenheim (stehend). Foto: Dorn

Schriesheim. "Die Ressourcen werden knapp, daher sollte man sich unabhängig machen von Monopolisten, die die Preise diktieren", bemerkt Fadime Tuncer. Die Grünen-Stadträtin nennt damit ein wichtiges Argument für das Energiesparen. Die Möglichkeiten, Energie sparend zu bauen, sind Thema der dritten von der Grünen Liste organisierten Veranstaltung aus der Reihe "Klima sucht Schutz in Schriesheim".

Mit dem Dossenheimer Peter Wahl meldet sich einer der ersten Architekten zu Wort, die in der Region Passivhäuser bauten. Allerdings spricht er nicht darüber, sondern über das zweite Thema des Abends, die ökologische Stadtentwicklung. Für Zuhörer, die mit Begriffen wie "Agenda 21" nicht vertraut sind, ist der Vortrag allerdings nicht sehr erhellend, kann man sich doch unter Schlagworten wie anderes Politikverständnis, strukturierte planerische Konzepte oder Ampelplan nicht allzu viel vorstellen.

Konkreter wird da schon Kerstin Gattner von der Klimaschutz-und Beratungsagentur (KliBA), die eine Übersicht liefert über Sanierungsmöglichkeiten, aber auch die größten Kostenfaktoren ungedämmter Häuser. So gehen über ein ungedämmtes Dach 30 bis 35 Prozent der Heizenergie verloren, über Außenwände immerhin noch 20 bis 25 Prozent. "Insgesamt sind durch Sanierungen Einsparungen bis zu 74 Prozent möglich", erklärt Gattner. Etwa bei Häusern, die zwischen 1949 und 1959 gebaut wurden. Hier könnte man statt mit 338 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter mit nur 88 Kilowattstunden auskommen.

Auch wenn ein Bauherr nicht immer alle Möglichkeiten der Sanierung ausschöpfen könne, so lasse sich doch auch mit weniger kostspieligen Maßnahmen viel Geld einsparen. Etwa, wenn statt des Daches die oberste Geschossdecke gedämmt werde.

Kredite vergibt die L-Bank von Baden-Württemberg oder die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Letztere gibt auch Zuschüsse, ebenso wie die BAFA, die ihre Förderprogramme ab Juli neu aufgelegt hat.

Brennwertkessel, Erdgas oder Wärmepumpen könnten helfen, Energie zu sparen oder nachwachsende Rohstoffe statt fossiler Brennstoffe einzusetzen. Gerade als die Ölpreise zu Beginn der Wirtschaftskrise einen Höchststand erreichten, sei der Austausch der Heizanlage interessant geworden, führt Philipp Greifenhagen von der Firma Viessmann aus. Zum Schluss hat der Schriesheimer Zimmerermeister Georg Grüber das Wort, der stolz bekannt gibt, dass sein Betrieb seit neuestem mit fünf Sternen zertifiziert sei. "Ich bin zwar kein Grüner", erklärt er gleich zu Beginn seines launigen Vortrags, "aber für das aufgeschäumte Heizöl als Dämmstoff habe ich trotzdem nichts übrig."

So setzt seine Firma statt des Styropors Zellulose-Dämmstoffe und andere biologische Materialien ein: "Das ist zwar etwas teurer, bringt aber im Sommer einen wesentlich besseren Hitzeschutz und sorgt für ein gutes Raumklima." Im Gegensatz zur landläufigen Meinung sei Zellulose auch nicht brennbar. Das demonstriert er, indem er eine Flamme an das Material hält.

Passieren kann trotz der Skepsis von Bürgermeister Hansjörg Höfer nichts, findet die Veranstaltung doch im Feuerwehrhaus statt. Schläuche und C-Rohre können aber an ihrem Platz bleiben, denn das Zellulosematerial kokelt zwar und wird an der Oberfläche schwarz, aber es fängt kein Feuer. So ganz zufrieden ist Grüber trotz seiner kleinen Demonstration an diesem Abend aber nicht: "Es ist ja fast keiner da. Ich hätte mit 100, 150 Leuten gerechnet." Auch, dass außer Tuncer, Robert Hasenkopf, Gisela Reinhard und Christian Wolf kein Schriesheimer Stadtrat anwesend ist, wurmt ihn: "Denn die müssten eigentlich Bescheid wissen über ökologische Baumaterialien, denn sie haben ja auch über energetische Sanierungen abzustimmen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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