18.11.2010

Gut Ding will Weile haben

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Gerhard Eichelmann kam auch mal selber vorbei. "Da haben wir dann den ganzen Keller auf den Kopf gestellt", erinnert sich Georg Bielig. Der Weinkritiker wollte alles probieren, was der Winzer zu bieten hat. Irgendwann zwischen Ende April und Anfang Oktober haben Eichelmann und seine Tester Bieligs Weine auch noch in Blindproben verkostet, wie es üblich ist. Danach stand fest, dass Eichelmann den Schriesheimer Winzer nach seinem Debüt im vergangenen Jahr auch in die nächste Ausgabe seines Standardwerks zum deutschen Wein, "Eichelmann Deutschlands Weine 2011", aufnehmen würde. Und da stehen nur Betriebe drin, die nach Ansicht der Tester überdurchschnittliche Gesamtleistungen in ihren aktuellen Weinkollektionen bieten. Bielig gehört also zu den besten Winzern Deutschlands, wenn man "den Eichelmann" als das Maß der Dinge versteht. Das Buch wurde gestern im "Strahlenberger Hof" in Schriesheim vorgestellt.

Rund 13 000 Weine haben die Eichelmänner für die zwölften Ausgabe ihrer "Einkaufshilfe für Weinfreunde" verkostet; davon haben es 9985 Erzeugnisse aus 944 Betrieben ins Buch geschafft. Eichelmanns Fazit klang gestern nicht gut: "Die Schere zwischen Winzern und Spitzenwinzern geht immer weiter auseinander." Die Guten würden immer besser, die Basis stagniere. Er habe nicht erwartet, in einem relativ unproblematischen Jahrgang wie dem des vergangenen Jahres so viele schwache Weine verkosten zu müssen. Bieligs gehören nicht dazu.

Genau 15 Produkte der Jahrgänge 2003, 2008 und 2009 aus dem Keller des Weinguts in Schriesheims Aussiedlerhöfen werden aufgeführt und alle gut oder sehr gut bewertet. In dem von Eichelmann etablierten Hundert-Punkte-System bekommt Bielig durch die Bank weg 80 und besser. Mit 86 Punkten ist der 2008er Riesling Kabinett trocken vom Dossenheimer Ölberg der Wein mit der höchsten Bewertung. Dieser wird noch dazu als besonders preisgünstig gekennzeichnet - ein Hinweis, der auch noch zwei weitere Bielig-Weine in ihrer Beschreibung im "Eichelmann" begleitet, der die verbraucherfreundlichen Preise des Winzers hervorhebt.

Insgesamt bewirtschaftet Bielig vier Hektar Rebfläche in Schriesheim, Dossenheim und Heidelberg. Die Hälfte davon ist den roten Sorten vorbehalten, wie Spätburgunder, Cabernet Sauvignon oder Dornfelder.

Bei den Weißweinsorten dominiert der Riesling mit einem Hektar, dazu kommen die weißen Burgundersorten, Müller-Thurgau, Silvaner oder Gewürztraminer. Als einziger Schriesheimer Winzer baut Bielig seine Weine selber aus. In Sachen Kellertechnik ist er bekennender Traditionalist.

Außerdem setzt Bielig auf Zeit: "Die braucht der Wein zur Entfaltung." Deswegen ist es Bielig nie ganz wohl dabei, wenn ihn ein mengenarmes Jahr dazu zwingt, einen Wein abzufüllen, der noch nicht in sich ruht, wie er sagt. In sich ruhen, so Bielig, müsse auch der Winzer: "Sonst bringt man die Hektik mit in den Keller. Es bleibt einfach dabei: ´Gut Ding will Weile haben´."

Dass man im Keller alles richten könne und alles machen müsse, was technisch möglich sei, würden immer noch allzu viele Winzer glauben, kritisiert Eichelmann im Vorwort zu seinem neuen Buch. Dass nach der Lese nur noch wenig zu retten sei, sagt auch Bielig: "95 Prozent der Qualität entsteht im Weinberg, bei den übrigen fünf Prozent versucht der Kellermeister Fehler zu vermeiden. Was der Most nicht hat, kann ich auch nicht herausholen." Er könne den Wein im Keller höchstens in eine Richtung lenken, "unter allem anderen leidet der Wein." Und wehtun will Bielig seinen guten Tropfen sicher nicht. Das wissen auch die Kunden zu schätzen.

Seit Bielig im "Eichelmann 2010" erstmals geführt wurde, fuhren bei ihm Weinfreunde vor, "die ich vorher noch nie gesehen hatte." Diese würden aber meistens nur die Weine aus dem Buch kaufen, bedauert Bielig: "Sie probieren einfach nicht weiter." Da sollten sie sich mal ein Beispiel an Gerhard Eichelmann nehmen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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