15.12.2010

"Machen wir's den Bayern nach"

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Die Grüne Liste (GL) will der Stadt eine Vorreiterrolle im Kampf gegen das Rauchen geben und beantragt, die Qualmerei schon ab kommendem Jahr auch im Festzelt sowie im Gewerbezelt zu verbieten. Der Gemeinderat soll darüber im Januar beraten. Anders als in Bayern gibt es in Baden-Württemberg noch keine gesetzliche Regelung, die das Rauchen in Zelten auf Volksfesten untersagt. Hier gilt bisher nur das Verbot in öffentlichen Räumen - also auch im Zehntkeller, der der Stadt gehört. Es überrascht nicht, dass der Antrag der Grünen auf Widerstand und Unverständnis beim Bund der Selbstständigen (BDS) sowie bei Festzelt-Betreiber Karl Maier stößt. Bürgermeister Hansjörg Höfer ist nicht dafür, das Rauchverbot schon nächstes Jahr umzusetzen, ab 2012 sei es allerdings denkbar, so der Verwaltungschef.

"Es kommt natürlich darauf an, dass der Gemeinderat das genauso sieht", sagte Höfer, der ein Verbot schon beim nächsten Mathaisemarkt für zu kurzfristig hält: "Schließlich müssten wir die Verträge mit den Betreibern ändern."

Der Bürgermeister wog das Für und Wider ab. Rauchfreie Räume begrüße er grundsätzlich, und schließlich sei in Bayern die Welt auch nicht untergegangen. Andererseits könne er damit leben, wenn im Festzelt und im BDS-Zelt geraucht werde: "Letztlich bleibt es eine Klärung der Sachfragen. Im Festzelt habe ich doch schon Probleme, wenn ich aufs Klo gehe und danach wieder rein will. Bei einem Rauchverbot wäre da ja noch mehr Bewegung drin. Man muss sehen, ob sich der Festzeltwirt darauf einlässt."

Tut er nicht. Karl Maier sagte gestern auf RNZ-Anfrage: "Ich habe Verträge mit der Stadt. Und es würde doch meinem Rechtsempfinden widersprechen, wenn der Gemeinderat drei Monate vor dem Fest etwas beschließen würde, das nicht der Rechtslage entspricht. Ein solcher Eingriff in meine unternehmerische Freiheit wäre ein Novum für mich. Ich sehe auch nicht, warum gerade Schriesheim hier vorauspreschen sollte. Und wer sollte das Rauchverbot im Festzelt durchsetzen? Ich? Mit noch mehr Security? Und wer soll das bezahlen?", fragte Maier.

Wären die räumlichen Verhältnisse auf dem Festplatz andere und die Temperaturen im März höher, sei das Thema ganz anders zu bewerten: "Sonst habe ich neben dem Zelt offene Biergärten, in denen man rauchen kann. Aber in Schriesheim kann ich ja nicht mal einen Toilettenwagen hinstellen vor lauter Enge. So kommt es doch schon jetzt vor dem Zelt zum Chaos, das ich in einigermaßen geordnete Bahnen lenken muss. Gerade freitags und samstags. Man sollte sich mal vorstellen, dass vor dem Zelt Menschentrauben stehen, die noch gar nicht drin waren und rein wollen. Dazu kommen noch diejenigen, die nur kurz auf dem Klo am Festplatz waren und wieder rein wollen. Und dazu jetzt noch mal 1000 Raucher? Ist das den Ärger und das Chaos wert? Mir nicht! Dabei würde ich bei einem Rauchverbot sicher nicht weniger verkaufen", stellte Maier klar. Er ist also dafür, dass alles so bleibt, wie es ist: "Vor allem aufgrund der Gesetzeslage."

Und die sei eindeutig, meinte auch Schriesheims BDS-Chef Horst Kolb und sagt zum GL-Antrag: "Ich kann diesen vorauseilenden Gehorsam nicht nachvollziehen." Zumal das Rauchen im Gewerbezelt gar nicht ins Gewicht falle, behauptete Kolb: "Denn der Rauch zieht nach oben ab. Unser Zelt ist bis zu neun Metern hoch und ist an sich kein geschlossener Raum. Für Belüftung ist immer gesorgt. Da ist der Essensgeruch manchmal stärker." Zudem seien es gar nicht so viele, die im Gastro-Bereich der Leistungsschau rauchen würden.

Grünen-Stadträtin Dr. Barbara Schenk-Zitsch bekräftigte dagegen in einem Schreiben an die RNZ: "Bereits beim Mathaisemarkt 2011 sollen im Festzelt und im Gewerbezelt Kinder, Jugendliche, Schwangere, erwachsene Nichtraucher und das Gastronomiepersonal vor den Schadstoffen des Tabakrauches geschützt werden." Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) habe nachgewiesen, dass sich Schadstoffpartikel von Zigaretten überall festsetzen und selbst dann noch aufgewirbelt werden, wenn es schon nicht mehr nach Rauch riecht. Selbst kräftigstes Lüften oder stärkste Ventilation helfe gegen diesen Tabakfeinstaub nicht. "Wir wollen mit unserem Antrag Sorge tragen, dass die Besucher der Zelte keiner Gesundheitsgefahr durch Passivrauchen ausgesetzt sind", so die Stadträtin. Die Grünen würden dabei vom DKFZ und von Dr. Dieter Alt, dem Vorsitzenden des Vereins "Bewusstsein für Brustkrebs", unterstützt.

Schenk-Zitsch erinnerte schließlich an den bayerischen Volksentscheid vom Juli. Seinerzeit sprachen sich gut 60 Prozent der Wähler dafür aus, Ausnahmeregelungen für Festzelte abzuschaffen und hier das Rauchen zu verbieten: "Machen wir's den Bayern nach", so Schenk-Zitsch.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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