12.01.2011

Die Stimmung ist gut – trotz kleinerer Probleme

Von Carsten Blaue

Schriesheim-Ursenbach. Gute Zeiten erlebt Schriesheims kleinster Ortsteil Ursenbach. Dieses Jahr rückt das Dorf mit seinem 650-jährigen Jubiläum ins Interesse, und im vergangenen Jahr machte es gleich mehrfach von sich reden.

Ortsvorsteherin Rosemarie Edelmann (Foto: Kreutzer) blickt entsprechend zufrieden zurück. Jahrelang hatte der Ortschaftsrat darauf hingearbeitet, dass Ursenbachs Jugend einen eigenen Bolzplatz bekommt.

Margit Edelmann stellte ihr Terrain zur Verfügung, und am 1.August war es dann so weit: Der Bolzplatz wurde eingeweiht.

Das Jux-Spiel, das die Ursenbacher mit 7:3 gegen eine Schriesheimer Auswahl gewannen, war dabei fröhliche Nebensache. "Und selbst jetzt im Winter wird der Platz sogar genutzt", wundert und freut sich Edelmann.

Ebenfalls langfristig angelegt war ein weiteres Projekt, das im vergangenen Jahr zu einem guten Abschluss kam, nämlich die Errichtung eines Gedenksteins für Ursenbachs prominentesten Bürger Helmut Fath.

Am 10. Oktober wurde dem Ehrenbürger und Gespannweltmeister der Jahre 1960 und 1968 vor großer Kulisse ein Denkmal vor dem Dorfgemeinschaftshaus gesetzt. Alte Weggefährten und Zweirad-Fans kamen ins Dorf. Die Witwe der Seitenwagen-Legende, Waltraut Fath, freute sich seinerzeit über die enorme Resonanz.

Selbst Faths legendäre Rennmaschine "Urs" war vor Ort wieder mal zu bewundern gewesen. Das Design des Denkmals hatte der Ortschaftsrat ersonnen. Umgesetzt hat es ein Steinmetz aus Seckenheim, zu dem der Kontakt aus den Reihen des Gremiums hergestellt wurde.

Gemeinsam mit dem Handwerker suchte man den richtigen Findling, der mit einer beschrifteten Sicherheitsglas-Scheibe gestaltet wurde – und mit dem weißen Abdruck eines Bildes, das "Urs" und Fath in Aktion zeigt.

Diese beiden Einweihungen stehen exemplarisch für die Stimmung im Dorf, und die sei gut, wie Edelmann sagt. Zwar gebe es auch mal kleine Probleme, doch die werden von außen in den Ort getragen – wenn etwa mal wieder der Bus in Schriesheim an der Haltestelle ein kleines Ursenbacher Schulkind vergisst, weil dieses sich zwischen den Bussen, die ins Schriesheimer Tal fahren, nicht orientieren kann und den richtigen verpasst.

Auch die Ortsentwicklung macht Edelmann manchmal Sorgen. Gerade, was die Bevölkerungszahl angeht: "Sicher ist die Lage schwierig. Unsere Bürger werden auch älter, und es kommen eher weniger Jüngere nach." Dennoch: Auch Ursenbach hat durchaus Zuzüge zu verzeichnen.

Gerade vergangenes Jahr. So pendelt sich die Bevölkerungszahl im Moment bei um die 150 Personen ein: "Wir haben aber weniger Spielraum in der Entwicklung als Altenbach", sagt Edelmann. Vielmehr hänge man am Nachbarortsteil etwas dran – vor allem, was die Grundschule und das Kinderhaus angehe.

Nicht ganz unterschreiben wollte sie den Eindruck von Bürgermeister Hansjörg Höfer, dass Ursenbach politisch in Frauenhand sei. Zumal im Ortschaftsrat neben den drei Frauen Rosemarie Edelmann, Imke Felden und Inge Pfrang genau drei Männer sitzen, nämlich Edelmanns Stellvertreter Rolf Pranner, Heinz Sommer und Leonardo Papandrea: "Wir brauchen unsere Männer im Ortschaftsrat", sagt Edelmann.

Für sie liegt die kommunalpolitische Harmonie des Dorfs eher in der Art und Weise, wie das Miteinander funktioniert. Jeder hat seine Aufgaben, seine Nischen, die er dem Gremium zugutekommen lässt.

So brachte der Ortschaftsrat im vergangenen Jahr auch die neue Theatergruppe auf den Weg, die alle zwei Wochen mittwochs probt. Eine spontane Idee, so die Ortsvorsteherin, die man bei der Kerwe im Ort gehabt habe. Unvergessen ist der Auftritt des kleinen Ensembles bei der Weihnachtsfeier des Gemeinderats im Dezember. Der Sketch "Dinner for Orscheboch" kam prima an. Wie sich überhaupt Ursenbachs kulturelles Engagement sehen lassen kann. Der Sängerchor hatte gerade in der Weihnachtszeit ein üppiges Programm – zum Beispiel mit Veranstaltungen im Ort oder Auftritten in den Alten- und Pflegeheimen. In Bezug auf das ehrenamtliche Engagement sei die Löschgruppe von Ursenbach nicht vergessen.

Sie wird auch dieses Jahr wieder gemeinsam mit dem Sängerchor bei der Vorbereitung der Kerwe gefordert sein. Auch dann wird man im Ort auf die urkundliche Ersterwähnung vor 650 Jahren anstoßen. Aus diesem Anlass soll es eine Matinee geben, die zurzeit in Planung ist. Der Gemeinderat wird im Dorf am 13. Juli zu Ehren des Jubiläums tagen, auf das der Ortschaftsrat bereits in seiner Zugnummer beim diesjährigen Mathaisemarkt-Festzug hinweisen möchte.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung