14.01.2011

An der Zufahrt begann ein echter Kraftakt

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. An der Zufahrt zum Branichtunnel wird seit Wochenbeginn wieder gebaut. "Heute aber nicht mehr lange", sagt Bauleiter Michael Trees gestern morgen skeptisch beim Blick auf den Dauerregen. Von der Zufahrtsbrücke zu den Baucontainern blickt man auf eine Menge Matsch und schlammig braune Pfützen, weshalb bei der Firma Leonhard Weiss denn auch bald die Bagger abgestellt werden.

Hier finden die ersten Arbeiten an der zweiten Bauphase statt, die neben einem Wirtschaftsweg im Bereich des Friedhofs und der L 536 West auch die Unterführung von B3 und OEG-Schienen umfasst.

Letzteres wird etwa ein halbes Jahr Bauzeit in Anspruch nehmen und hört sich zunächst an wie Routine. Bautechnisch handelt es sich nicht um eine, sondern eigentlich um zwei Unterführungen, die den jeweils unterschiedlichen Belastungen an der Oberfläche angepasst sind. "Es ist eben ein Unterschied, ob Autos und Lkw oder Züge mit einer Achslast von 12 Tonnen über die Unterführung fahren", bemerkt Trees. Im Hinblick auf die Kosten gebe es praktisch keine Unterschiede. Baulich sollte die Strecke eine exakte Kopie der bereits vorhandenen Unterführung werden.

Mit einem Unterschied, der in letzter Konsequenz aus dem Bauwerk einen technischen und logistischen Kraftakt macht. Im Bereich der B3 soll die Straße nämlich nicht aufgerissen werden. Die elf Meter tiefe Baugrube wird darunter gegraben – eine technisch hochkomplexe Angelegenheit. "Denn wir müssen sicherstellen, dass sich die Bahnschienen oben keinen Millimeter bewegen", so Trees. Die eigentliche Unterführung besteht aus einer fünfeckigen Röhre, einem gigantischen Bauwerk aus knapp 1500Tonnen Stahlbeton, das ein Stück von seinem späteren Standort entfernt gebaut wird.

Wenn sie Mitte des Jahres fertig ist, soll die Röhre über eine Verschub-Plattform in die Baugrube geschoben werden. Über ein Schwerlast-Transportsystem, mit dem die beauftragte Firma "Stahl Konecranes" bereits Brücken mit einem Gewicht von 3500 Tonnen bewegt hat, wird die Röhre transportiert. "Eine Sache von zwei bis zweieinhalb Stunden", so Trees. Aber auch nichts weniger als ein "Meilenstein".

Anschließend soll der Anschluss der neuen Straßenbahnschienen erfolgen. Das, so Trees, habe nichts mit dem zweigleisigen Ausbau der OEG zu tun. Da hier zwei verschiedene Bauherren an der Arbeit sind, könnte man sich im Vorfeld allerdings an einen Tisch setzen, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Jedenfalls wird, um den Anschluss der Schienen zu legen, für die OEG eine 72-stündige Sperrpause nötig sein, während der Busse verkehren. Mit Rücksicht auf den Mathaisemarkt werde diese Pause auf keinen Fall während der Dauer des Volksfestes erfolgen, versichert der Bauleiter.

Unterdessen laufen die Vorbereitungen zum eigentlichen Tunnelbau weiter. Die Ausschreibung, die das Regierungspräsidium europaweit vornahm, ist mittlerweile abgeschlossen. Firmen aus Deutschland und den Alpenländern hätten sich beworben, so Trees. Eine von ihnen erhält am Ende des Vergabeverfahrens vom Umweltministerium als vorgesetzter Dienststelle des Regierungspräsidiums den Auftrag zum Tunnel-Rohbau, dem Bau von Fluchtstollen, einer Tunnel-Innenschale, den notwendigen Straßenbauarbeiten und zur Errichtung der Betriebsgebäude. Über das Auftragsvolumen wolle er sich derzeit noch nicht äußern, bemerkt Trees. Sollte keiner der unterlegenen Mitbewerber eine Vergabe-Rüge erheben, könnte das beauftragte Unternehmen im Frühjahr feststehen.

"Und wenn die Unterführung fertig gestellt ist, könnte eigentlich am nächsten Tag mit dem Tunnelbau begonnen werden", so Trees. Hier will er noch einmal eventuelle Bedenken zerstreuen: Gesprengt werde kontrolliert und "gebirgsschonend". Zudem werde mit dem Sprengvortrieb erst ab einer Tunnel-Länge von 80 bis 100 Metern begonnen. Denn die Löss-Lehm-Schicht, die vor dem harten Granitgestein liegt, kann auch mit Baggern abgetragen werden.

Auch wenn durch das Sprengen später Erschütterungen messbar würden, so seien sie nicht immer auch fühlbar. "Wir bemühen uns, die Anwohner so gut wie möglich vor Immissionen zu schützen", versichert Trees, "wir sind ja auch froh, in Schriesheim auf eine so verständnisvolle Bevölkerung zu treffen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung