05.03.2011

Lehmann geht auf Distanz zu Kraus

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Eines will Alexandra Lehmann am Ende des Gesprächs gestern Nachmittag gerne noch klarstellen: "Ich distanziere mich von den Äußerungen von Dr. Herbert Kraus. Ich stehe überhaupt nicht dahinter." Das hat Brisanz. Denn beide, Lehmann und Kraus, sitzen im Ortschaftsrat für die Freien Wähler. Während diese, und allen voran Kraus, zuletzt damit beschäftigt waren, in Pressekonferenzen die Verwaltung, politische Gegner und Altenbachs Elternbeiräte im Streit um die Neugestaltung des Schulhofs zu beschimpfen, hat sich Lehmann lieber über die Sache Gedanken gemacht. Bei den öffentlichen Rundumschlägen war sie nie dabei. Erst am Dienstag, beim Zusammentreffen der Vertreter der Gemeinderatsfraktionen mit dem Elternbeirat der Altenbacher Grundschule im Schriesheimer Rathaus, muss sie sich zu Wort gemeldet haben. Auf Einladung der Eltern saß auch Lehmann mit am Tisch.

Sie hat eine Idee, die alle Interessen mit etwas Entgegenkommen unter einen Hut bringen könnte, nämlich Parken, Spielen und Feiern. Lehmann schlägt vor, den Schulhof nach der Kerwe Anfang Mai bis Ende Oktober für Autos komplett zu sperren. In dieser Zeit sollen die Kinder uneingeschränkt das Sagen haben und mobile Spielgeräte installiert werden. Für die Wintermonate würden diese dann abgebaut – zugunsten der Autofahrer, die bei Schnee und Eis nicht mehr die steilen Straßen befahren können. Die bisherigen Pläne zur Schulhofgestaltung müsste nicht mal geändert werden. "Das ist der Kerngedanke. Wie man das im Detail löst, müssen wir im Ortschaftsrat besprechen", sagt Lehmann am Telefon. Wie etwa die Frage, wie man die Zeit von März bis zur Kerwe für die Kinder handhabt. Denn bisher ist das Parken auf dem Schulhof schon ab 1. März bis 31. Oktober verboten – allerdings nur in der Zeit von 7 bis 18 Uhr an Werktagen. Die Freie Wählerin wirbt für eine Lösung und um Verständnis – "und zwar für alle Seiten. Es ist gut, dass wir die Eltern einbeziehen." Aus diesem Grund hatte Bürgermeister Hansjörg Höfer das Thema von der Tagesordnung der letzten Gemeinderatssitzung genommen. Der Elternbeirat sollte seine neuen Ideen für Schulhof und Parkplätze in Altenbachs Ortsmitte auch dem Gemeinderat vorstellen können.

Höfer wollte sich gestern Vormittag nicht zu inhaltlichen Details des Gesprächs der Eltern mit den Kommunalpolitikern hinter verschlossenen Türen äußern. Nur soviel: Die Atmosphäre des Gesprächs sei gut gewesen. Sachlich habe man seine Gedanken ausgetauscht. Für die CDU im Gemeinderat waren Paul Stang, Siegfried Schlüter und Karl Reidinger dabei, für die Grünen Christian Wolf, Fadime Tuncer und Wolfgang Fremgen, dazu die Sozialdemokraten Hans-Jürgen Krieger, Karl-Heinz Schulz und Sebastian Cuny sowie Wolfgang Renkenberger (FDP). Die Eltern hatten zudem Ortschaftsrätin Sabine Stern (Grüne) eingeladen. Die Stadträte der Freien Wähler blieben dem Treffen komplett fern.

Höfer verschwieg nicht, dass er an der bestehenden Planung festhalten würde: "Ich finde sie richtig und würde sie so lassen." Gleichwohl möchte er Ortsvorsteher Alfred Burkhardt darum bitten, vor der Gemeinderatssitzung am 23. März den Ortschaftsrat einzuberufen, damit die Eltern ihre Vorstellungen hier auch noch mal öffentlich vortragen können. Vielleicht kommt dann auch die Lehmann-Idee zur Sprache. Höfer sagte: "Der Grundgedanke ist, Altenbach eine Ortsmitte zu geben, wo man sich trifft. Das darf man nicht im Streit planen. Meine Aufgabe als Bürgermeister besteht darin, ausgleichend zu wirken und nicht zu polarisieren. Er müsse Gräben zuschütten, nicht aufreißen: "Und die Zeiten, in denen man auf den Tisch schlug, sind vorbei. Wer einen Ort weiterentwickeln will, schafft das nicht über autoritäres Verhalten."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung