05.03.2011

Frostige Stimmung

Schriesheim. (sk) "Multikulti" heißt das Motto, mit dem der Reit- und Fahrverein am Mathaisemarkt-Festzug teilnimmt. Der Verein will die Sportarten vorstellen, die unter dem Dach der Reithalle ausgeübt werden, also Western- und Englisches Reiten ebenso wie Voltigieren. Unter dem Begriff "Multikulti" versteht man, wenn man ihn positiv besetzt, die friedliche Koexistenz verschiedener Kulturen – ein Zustand, von dem der Verein dieser Tage weiter weg zu sein scheint als je zuvor in seiner Geschichte.

Diesen Eindruck konnte man jedenfalls bei der Jahreshauptversammlung bekommen, die in frostiger wie hitziger Atmosphäre stattfand und das Bild eines zutiefst gespaltenen Vereins abgab. Frostig ging es bei den Reitern deshalb zu, weil es im Vereinsheim bitterkalt war. Die Mitglieder saßen in Winterjacken beisammen und versuchten, sich bei Kerzenschein, heißem Tee oder Glühwein ein wenig warm zu halten. Grund war die Heizung, die kalt blieb, seit einige Tage zuvor das letzte Tröpfchen Heizöl verbrannt war. Und das wiederum gab Anlass zu den hitzigen Debatten, die zum Teil lautstark geführt wurden.

"Wir haben erst im Oktober für 1200 Euro Heizöl gekauft, es kann doch nicht sein, dass das jetzt schon wieder alle ist", ereiferte sich eines der Mitglieder. Nicht wenige gaben dem Westernreitstall von Jörn Tönsmann die Schuld am hohen Energieverbrauch, was der jedoch zurückwies. Auch wenn an diesem Abend nicht geklärt werden konnte, wer für die Kälte verantwortlich war, so hatten doch die Kassenprüfer am Mietvertrag mit Tönsmann Grundsätzliches auszusetzen: "Die Mieteinnahmen decken nicht mal die laufenden Kosten", kritisierte Revisorin Friedel Müller-Heberle. Sie plädierte in der Sitzung zwar für die Entlastung von Schatzmeisterin Rita Haas, der sie korrekte Buchführung attestierte, nicht aber für die Entlastung des übrigen Vorstands. Sie sei sich einig mit Peter Grüber, der ebenfalls die Kasse geprüft hatte, dass sie den Vorstand wegen der schlechten Ergebnisse der Vermietung nicht entlasten könne, so Müller-Heberle. Derweil saß Peter Grüber bei der Vorstellung der Weinhoheiten im Zehntkeller.

"Unter den Umständen halte ich Sie für ungeeignet, das Amt der Kassenprüferin weiter zu übernehmen", bekam Müller-Heberle daraufhin vom Vorsitzenden Jürgen Jakob zu hören, der den Antrag auf Entlastung selbst stellte. Dieser wurde gegen sechs Stimmen und bei zahlreichen Enthaltungen angenommen.

Dass es mit der Vermietung nicht zum Besten steht, gestand auch Jakob zu. Für Unmut sorgten Hallen-Belegungszeiten von neun Stunden für den Verein, denen 28,5 Stunden für den Westernreitstall gegenüber standen. Zum anderen wurde der Zustand eines der Reitplätze moniert, der seit längerem als Materiallager für Boxen dient, die Tönsmann für seine Pferde bauen will. "Auf dem Platz kann man nicht reiten", monierte eine Reiterin.

Weitgehend einig war sich die Versammlung in der Erhöhung der Beiträge, die von 32 auf 40 Euro pro Jahr steigen sollen. Die Beiträge für Kinder und Jugendliche blieben von einer Erhöhung ausgenommen. Einig waren sich die Mitglieder auch in der Änderung der Arbeitsstundenzahl, die die Aktiven im Reitstall abzuleisten haben. Statt wie bisher 30 Stunden pro Reiter fallen jetzt nur noch 15 Stunden pro Jahr an. "Die sollen aber auch wirklich abgeleistet werden, das wollen wir restriktiver handhaben", forderte Jakob. Auch die Möglichkeit, die Stunden finanziell abzugelten, besteht nach wie vor. Neu gewählt wurden schließlich die Kassenprüferinnen Susanne Grüber und Natalie Zubek.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung