06.04.2011

Die neuen Schienen liegen schon bereit

Die neuen Schienen liegen schon bereit

Von Carsten Blaue

Warten auf das zweite Gleis: Auf dem Schriesheimer "OEG-Gelände" lagern die vormontierten Schienen für die Straßenbahn-Linie 5 an der Bergstraße. Von Mai bis September werden sie zwischen Schriesheim und Weinheim verlegt. Foto: Dorn

Bergstraße. Entlang der Bergstraße zwischen Schriesheim und Weinheim erstreckt sich eine einzige, über acht Kilometer lange Baustelle. Kreuzungen sind gesperrt, Umleitungen eingerichtet. Dort, wo noch bis 20. März die Straßenbahnen fuhren, rollen unzählige Bagger. Von einer Schienentrasse ist nichts mehr zu sehen. Gleise, Masten, Kabel: Alles weg. Dafür pendeln jetzt zwischen beiden Städten Ersatzbusse. Erst ab Schriesheim fahren wieder Bahnen nach Heidelberg. An der Bergstraße hat die entscheidende Phase des zweigleisigen Ausbaus für die Linie 5 begonnen, die von der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) betrieben wird.

Bund, Land, Rhein-Neckar-Kreis und die Kommunen an der Strecke investieren insgesamt knapp 60 Millionen Euro für den sogenannten "Ringschluss". Die Rundfahrt auf der Linie 5 zwischen Heidelberg, Mannheim und Weinheim ist fast komplett zweigleisig – bis auf den Abschnitt zwischen Weinheim und Schriesheim. Das wird sich ab Oktober ändern.

Danach fahren die RNV-Bahnen auch in diesem Teilstück im Zehn-Minuten-Takt. Außerdem sollen sie pünktlicher werden. Für einen attraktiveren Öffentlichen Personennahverkehr werden enorme Massen an der Baustelle bewegt (siehe Kasten).

Auch der Zeitplan ist ehrgeizig. Sechs Monate Bauzeit sind nicht viel. "Das ist die Herausforderung", sagt Steffen Magin, Projektleiter Planung und Bau bei der RNV. Er ist guter Dinge, dass alles klappt. Zwei Kolonnen der Firma Leonhard Weiss arbeiten parallel.

Sie haben zunächst die Fahrleitungen und dann die alten Gleise abgebaut. Zurzeit wird das Erdreich des alten Gleisbetts entfernt und meterhoch in Weinheim und Hirschberg-Großsachsen aufgetürmt. Bis Mitte Juni soll der Unterbau für die neuen Schienen fertig sein. Alleine dieser ist eine Wissenschaft für sich.

Zunächst wird der Boden mit einem Zementgemisch tragfähig gemacht. Dann kommt der Unterbau, in den eine Tiefenentwässerung eingebaut werden muss. Erst anschließend wird das Gleisbett aus Erde und Bahnschotter aufgebracht. Der Gleisbau selbst folgt von Mai bis Ende September.

Damit es schneller geht, wurden die Gleise schon auf die Schwellen montiert. Jetzt lagern die Schienen hinter dem Schriesheimer Bahnhof. Jede hat eine Nummer und kann so ihrer genauen Position im Plan der 8200 Meter langen Neubaustrecke zugeordnet werden. Es ist fast wie bei einer Modelleisenbahn: "Wir haben Geraden in verschiedenen Längen, Kurven und geneigte Kurven. Da muss alles passen", sagt Magin. Verbaut wird die Trasse mit Hilfe von GPS-Navigation. Die Toleranzen beim Einbau sind gering.

Während die Gleise verlegt werden, gehen an anderen Stellen die Arbeiten an den Bahnübergängen und den Haltepunkten weiter. Diese werden barrierefrei ausgebaut und später mit dynamischen Fahrgastinformationen ausgestattet, die minutengenau anzeigen, wann die nächste Bahn kommt. Nach und nach werden von Juni bis Oktober schließlich die Fahrleitungen und die Anlagen zur Sicherung der Züge installiert. Dazu gehört ein System, das das Tempo der Bahnen bei der Einfahrt in die Haltestellen überwacht und wenn nötig automatisch drosselt.

Wenn im Herbst das zweite Gleis fertig ist und die erste Bahn über die Neubaustrecke rollt, dann hat auch der Ersatzverkehr mit den Bussen ein Ende, der inzwischen aber reibungslos klappt.

Abgerundet wird der zweigleisige Ausbau durch den Neubau des Schriesheimer Bahnhofs ab November. Der RNV-Bahnhof in Weinheim wird schon in den nächsten Sommerferien modernisiert.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung