11.08.2011

Stille an der Schotterersbrücke

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Am kommenden Samstag aktualisiert die Integrierte Leitstelle in Ladenburg die Software der digitalen Alarmierungen. Sollte an diesem Tag zwischen 8.30 und 15 Uhr Größeres passieren, müsste die Schriesheimer Feuerwehr auf Altbewährtes zurückgreifen, nämlich auf eine Alarmierung durch die sieben Motorsirenen in der Stadt und ihren Ortsteilen. Anlass genug für die Kameraden, gestern am frühen Abend die Funktion der Warngeräte zu testen.

Jährlich wird an den Sirenen der technische Zustand der Empfangseinheiten von einer Spezialfirma kontrolliert, nicht aber die Funktion. Diese ist letztmals im Jahr 2007 überprüft worden. Also wurde es jetzt Zeit. Kommandant Oliver Scherer aktivierte im Haus der Feuerwehr die Meldeempfänger der Sirenen per Funksignal und löste so das laute Zeichen für den Brandalarm aus.

Zuvor hatte er vor jedem Haus, auf dem eine Sirene montiert ist, ein paar Floriansjünger postiert - quasi für einen Test durch Hinhören. Die Kameraden am Wohnhaus an der Schotterersbrücke hörte allerdings gar nichts. Die Sirene auf dem Dach war kaputt und wird nun repariert werden müssen. Es war der einzige Defekt in der Bilanz des gestrigen Funktionstests.

Auch auf dem Kindergarten "Römerstrolche", auf dem Seniorenheim "Edelstein" und auf dem noch stehenden Betriebsbau der OEG am Bahnhof gibt es die lauten Warnmelder. Wenn letzteres Gebäude im Zuge der Neugestaltung des OEG-Areals abgerissen wird, soll auch dessen Sirene ersatzlos weichen. In Altenbach auf der Verwaltungsstelle und in Ursenbach auf dem Dorfgemeinschaftshaus gibt es weitere Anlagen.

Die Sirene im kleinsten Ortsteil hat es besonders in sich, denn ihr Alarmgeber ist digitalisiert und kann über den Brandalarm hinaus auch Katastrophenalarm und Entwarnung geben. Somit erfüllt sie als einzige noch einen ursprünglichen Zweck, der gestern ebenfalls überprüft wurde. Nachdem sich der Bund in den 90er-Jahren aus dem Katastrophenschutz zurückgezogen hat, gingen die Luftschutzsirenen, die oft auf Schulen und Rathäusern montiert sind, in die Zuständigkeiten der Städte und Gemeinden über. Viele Kommunen haben die Sirenen aus Kostengründen abgebaut - die Wartung ist teuer. Inzwischen setzen sie aber wieder auf ein solches Alarmierungsnetz, da es keine effektivere Möglichkeit gebe, die Bevölkerung schnell zu warnen, so Scherer. Etwa auch vor Chemieunfällen oder Naturkatastrophen.

Schriesheim hat seine Sirenen immer behalten - auch als vor über 30 Jahren die sogenannte "stille Alarmierung" eingeführt wurde. In Ursenbach wird die Feuerwehr noch immer mit der Sirene gerufen (in Altenbach geschah das 1999 zum letzten Mal). Daher soll sie im Dorf ab jetzt an jedem ersten Dienstag im Monat ab 18.15 Uhr getestet werden. Eine jährliche technische Prüfung reiche da nicht, sagte Scherer, denn: "Stell' dir vor, es brennt in Ursenbach und keiner bekommt es mit, weil die Sirene nicht funktioniert."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung