07.09.2011

Mit "Helge" in den Herbst

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Die Keltern drehen sich nicht. An der Traubenannahme für die weißen Sorten steht alles still. Doch hinten, am anderen Ende des Kelterhauses, tut sich was, und zwar nicht wenig. "Herr Weiss, wir können dann", sagt Tobias Rell. Harald Weiss, der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft (WG) kommt aus dem Büro und greift zum Refraktometer. Auf der Waage steht ein Edelstahlbottich mit Trauben vom Dornfelder aus den Weinbergen von WG-Aufsichtsratschef Winfried Krämer. Ja, der Herbst der Genossenschaftswinzer beginnt gestern nicht mit Müller-Thurgau, der erst ab morgen dran ist, sondern mit St. Laurent und eben Dornfelder. Menge bei guter Qualität retten ist vielleicht die Devise dieses Herbstes.

Mit beidem ist Weiss gestern zufrieden. Die 7165 Kilogramm Dornfelder mit 13 Bottichen, die gestern aus den Anlagen von Winfried Krämer, Ludwig Mildenberger und Christel Koch angeliefert werden, hat im Schnitt genau 81,6 Grad Öchsle: "Und dieser Durchschnitt ist mir wichtig. Mir graut's vor Superlativen", sagt Weiss. Aus den Trauben wird Grundwein für roten Schriesecco. Und auch heute wird noch mal Dornfelder geerntet. Der St. Laurent, dessen Lese gestern komplett durchgezogen wird, hat ein ähnliches Mostgewicht. Von der Menge her liegt er mit 16 210 Kilogramm gut 2500 Kilo unter der Schätzung vom August. Die Trauben haben wiederum Krämer sowie Karl-Heinz Morast, Karlheinz Spieß, Hartmut Haas, Tobias Heberle und Heiko Jost mit ihren Lesehelfern geerntet. Insgesamt sind es 43 Edelstahlbehälter mit St. Laurent, die gestern gemeinsam mit dem Dornfelder von zwei Lastwagen zum Badischen Winzerkeller in Breisach gebracht werden.

Ein Teil des St. Laurent wird zum "No. 1", der wie immer noch dieses Jahr in den Laden kommt und kein zu voluminöser "Gewaltstropfen" werden soll, so Weiss. Etwa genauso viel ist als Grundwein für Schriesecco eingeplant, der größte Teil aber - der Inhalt von 26 Bottichen - wird für die Maischegährung, beziehungsweise den Ausbau im Barrique gebraucht. Das bekommen die Breisacher für jeden Bottich schwarz auf weiß, und das nicht nur in Papierform, sondern auch elektronisch per Datenübermittlung. "Helge" macht's möglich, die elektronische Leseguterfassung. Tobias Rell sitzt hinter dem Rechner. Alles, was mal mühevolle Schreibarbeit war, geht jetzt in der Erfassung am PC viel schneller.

Die Genossenschaftswinzer mit ihren Mitgliedsnummern sind ebenso abrufbar wie die Flurstücksnummern. Die Lage wird erfasst, die Sorte per Zahlenschlüssel. Der Dornfelder ist zum Beispiel die 52. Schließlich wählt Rell noch die richtige "BKL", also Bewertungsklasse, aus, damit klar ist, was aus den Trauben werden soll. Weiss diktiert Rell nur noch die drei Öchsle-Messungen in die Tastatur. Das durchschnittliche Mostgewicht wird automatisch errechnet und vom Gesamtgewicht der Trauben auf der Waage die Schwere des Edelstahlbottichs abgezogen. Während der fertige Begleitschein aus dem Drucker kommt, lächelt Weiss: "Alle freuen sich, dass es jetzt losgeht."

Und auch die Verpflegung der Kelterhausmannschaft läuft langsam an. Werner Volk bringt Äpfel und Birnen, und von den Kneiers aus Leutershausen gibt es Hausmacher. Überhaupt war der erste Lesetag nicht unerfolgreich. Heute geht es mit Dornfelder weiter und mit der Vorlese von Grau- und Weißburgunder. Dann werden auch die Pressen schaffen und das Kelterhaus mit ihrem sonoren Betriebsgeräusch füllen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung