29.10.2011

Verkehrsbehörde nimmt Laubelt ins Visier

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Momentan kommt man weder rauf, noch runter. Der Schleichweg vom Branich über den Laubelt bis ins Tal ist noch bis 8. November komplett gesperrt, weil hier die Vorbereitungen zum Bau des Branichtunnels im Gange sind. Doch danach dürfte es wieder regen Durchgangsverkehr auf der Strecke geben, auf der eigentlich kein Auto fahren dürfte. Isolde Nelles sieht das nicht gerne. Die Vorsitzende der IG Branich fürchtet, dass sich der Branich auf diese Weise selbst seiner "Notabfahrt" vom Berg beraubt. Nelles' Befürchtungen sind nicht unbegründet. Denn die Verkehrsrechtsbehörde des Rhein-Neckar-Kreises habe nach einem Termin vor Ort unmissverständlich klargemacht, dass der Laubelt "von heute auf morgen" geschlossen werde, wenn der tägliche Durchgangsverkehr nicht gravierend abnehme, so Nelles. Im Landratsamt stehe man einer Schließung näher als einer weiteren Duldung, warnt sie.

Bürgermeister Hansjörg Höfer sagte gestern auf Anfrage, dass ihm noch nichts Schriftliches von der Verkehrsbehörde vorliege: "Aber wir werden auf jeden Fall schärfer kontrollieren müssen." Die Heidelberger Beamten hätten zwar das Problem erkannt, dass der Branich nur eine legale Zufahrt habe - nämlich über die Branichstraße in die Talstraße. Dennoch dürfe der enge Laubelt, auf dem zwei Autos nebeneinander keinen Platz haben, nur eine Notzufahrt bleiben: "Mit der Betonung auf 'Not'", wie Höfer unterstrich. "Und dafür haben wir zu sorgen." Die Sachlage scheint klar: Der Schleichweg vom Berg wird illegal genutzt, ist er doch höchstens für den landwirtschaftlichen Verkehr frei. Das erkannte auch der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause. Doch die Stadträte zeigten auch Verständnis für die Branichbewohner. Oft ist die Talstraße verstopft. Da geht dann nichts mehr. Eine Umleitung über den Friedhof sollte Abhilfe schaffen, um die Fahrerei vom Laubelt über die Odenwaldstraße zu unterbinden. "Eine Verlagerung des Problems", erkannte seinerzeit SPD-Stadtrat Sebastian Cuny, dessen Fraktion den Schleichwegbeschluss nicht mittrug. Auch die Verkehrsbehörde halte den Kompromiss für alles andere als rechtmäßig, räumt Nelles ein. So könne die Abfahrt über den Friedhof auch nur eine vorübergehende Lösung sein. Das schreibt Nelles in einem Brief an die Branichbewohner, der der RNZ vorliegt.

Sie appelliert an die Vernunft und bittet darum, Fahrten über den schmalen Laubelt zu vermeiden - gerade um ihn als Notabfahrt möglichst lange zu halten. Doch sie kennt ihre Pappenheimer: "Da gibt es immer Unverbesserliche. Die scheren sich nicht mal um Strafzettel." Dabei weist auch sie darauf hin, dass die Verkehrsbehörde verstärkte Kontrollen und unangekündigte Verkehrszählungen verlangt. Auf dem Landratsamt würden schon "Massen von Anzeigen" liegen. Nelles warnt davor, dass die Durchfahrer sogar fotografiert würden, so dass keiner mehr leugnen kann, die Strecke benutzt zu haben.

Gleichwohl besteht die Vorsitzende der Branich-Interessengemeinschaft auf einer zweiten Zufahrt zum Berg. Der Bedarf dafür sei "unbedingt gegeben" in einem "Fast-Stadtteil von der Größe des Sechsfachen von Ursenbach". Das schreibt Nelles in einem Brief an den Bürgermeister und die Fraktionen. Darin bittet sie die Stadt, in die Planungen einer rechtmäßigen, zweiten Abfahrt einzusteigen. Das könnte nur ein Ausbau des Laubelt sein. Zudem ersucht Nelles um eine Aufstellung der Kosten dafür. "Wir werden das untersuchen", so Höfer: "Der Punkt ist aber, wie man das bezahlt."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung