04.11.2011

Jetzt geht es an das Herzstück

Jetzt geht es an das Herzstück

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Die zweite Bauphase für den Branichtunnel in Schriesheim ist abgeschlossen. Die Straßenbahnlinie 5 an der Bergstraße und die B 3 sind jetzt Brücken über der künftigen L 536 "neu", dem westlichen Tunnelzubringer. Überhaupt drehte sich seit dem ersten Spatenstich im November 2008 alles um die neue Infrastruktur für den Verkehr außerhalb der Tunnelröhre. Insgesamt fünf Brücken wurden gebaut und der Verkehr an Schriesheims nördlichem Ortsausgang neu geregelt. Sogar Archäologen freuten sich über die Baustelle. Vor zwei Jahren fanden sie hier die Reste einer römischen Villa. Doch jetzt steht dem Herzstück, dem dritten Abschnitt dieses Projekts im Landesstraßenbau, nichts mehr im Wege: dem Tunnelbau selbst.

Die Vorarbeiten für die 1796 Meter lange Röhre laufen bereits. Derzeit wird eine umfangreiche Baustelleneinrichtung im Bereich des Westportals, quasi dem Tor zur Rheinebene, errichtet. Neben Büro- und Unterkunftsräumen werden eine Maschinenhalle und Lagerplätze gebaut. "Diese Arbeiten werden bald abgeschlossen sein", heißt es dazu aus dem Regierungspräsidium Karlsruhe. Daneben gibt es Rodungsarbeiten im Bereich des Ostportals - also im Schriesheimer Tal, wo der Tunnel nach seinem Bau mit der Talstraße verbunden wird.

Die Bauarbeiten, für die die Firma Ed. Züblin AG, Stuttgart, den Auftrag erhalten hat, werden in der ersten Novemberhälfte mit dem sogenannten "Voreinschnitt West" fortgesetzt. Dabei handelt es sich um eine offene Baugrube, in der die ersten 80 Meter der westlichen Tunneleinfahrt zunächst in konventioneller Bauweise hergestellt werden. Hier hat der Tunnel noch einen rechteckigen Querschnitt. Für diesen Teil sind keine Sprengungen erforderlich, da noch kein Felsgestein, vor allem Granit, ansteht. Parallel werden Kanal- und Leitungsverlegungen im Bereich des Ostportals ausgeführt. Je nach Baufortschritt erwartet das Regierungspräsidium die ersten Sprengungen im ersten Quartal des kommenden Jahres.

Der Rohbau des Branichtunnels wird mit einem Investitionsvolumen von rund 57,4 Millionen Euro veranschlagt, einem Plus von etwa 13 Millionen Euro gegenüber der ursprünglichen Kalkulation. Dafür besteht für diese Bauphase eine Preisbindung. Die Risiken erhöhter Ausgaben fallen also der Firma Züblin zu. Insgesamt schnellten die Kostenberechnungen für das Projekt auf 85 Millionen Euro in die Höhe, ein Plus von gut 30 Prozent gegenüber der ursprünglichen Schätzung. Damit ist der Branichtunnel eines der teuersten Einzelprojekte im Landesstraßenbau. Es soll die enge Talstraße entlasten, eine der Hauptverkehrsachsen an der Bergstraße zwischen Vorderem Odenwald und Rheinebene, die mitten durch Schriesheim führt. Regelmäßig geht hier gar nichts mehr voran, vor allem im Berufsverkehr. Begegnen sich hier zwei Lastwagen, dann ist das Millimetersache, wenn es überhaupt reicht. Der zweispurige Tunnel soll Abhilfe schaffen.

Neben der Röhre werden vier Nothaltebuchten, Fluchtstollen mit einer Gesamtlänge von 1260 Metern und fünf Notausgänge in den Branich getrieben, der dem Tunnel seinen Namen gibt. In gut 38 Monaten sollen rund 170.000 Kubikmeter Gestein aus dem Berg gesprengt werden. Danach wird noch die Sicherheitstechnik installiert und die Tunneltrasse für den Verkehr ausgebaut. Doch das ist dann schon Teil der vierten Bauphase. Es dürfte frühestens im Jahr 2016 so weit sein, dass die ersten Fahrzeuge durch den Branichtunnel rollen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung