22.11.2011

Schrottklau kann als Hausfriedensbruch geahndet werden

Schrottklau kann als Hausfriedensbruch geahndet werden

Der Schrott war extra gekennzeichnet - geklaut wurde er in Teilen trotzdem. Foto: Dorn

Schriesheim. (nam) Der Schriesheimer ist sauer: Er hat die AVR, die Abfallverwertungsgesellschaft des Rhein-Neckar-Kreises, bestellt, um Schrott abzuholen, hat diesen auf seinem eigenen Grundstück deponiert, mit rot-weißem Absperrband umringt und einem Schild versehen, das die AVR als einzigen und alleinigen Abholer auswies. Gebracht hat es nichts: Wenige Stunden, nachdem Lötlampen und Kupferreste auf der Straße standen, waren sie weg.

"Das ist jetzt das zweite oder dritte Mal, dass mir was geklaut wird," beschwert er sich. Am Ende befürchtet der Schriesheimer, dass die AVR die Gebühren für die Abholung des Schrotts anheben wird. Das ist momentan zwar noch kein Thema, wie Katja Deschner, Prokuristin der AVR, auf Anfrage erklärt. Allerdings entstehen der Abfallverwertungsgesellschaft durchaus finanzielle Verluste durch die schnelleren Schrottsammler: "Der Schrott hat ja einen Wert und wird von uns weiterverkauft. Das kommt dann wiederum dem Gebührenhaushalt zugute." Was fehlt, muss anderweitig ausgeglichen werden. Und die Menge der Lieferungen hat drastisch abgenommen: 2001/2002 sammelten die Fahrzeuge der AVR über 2000 Tonnen Schrott ein, heute pendelt die Menge zwischen 500 und 700 Tonnen. Das Gewicht von Elektroschrott wie Herden oder Waschmaschinen sank von 1300 auf 200 bis 300 Tonnen.

Was angemeldet wird, holt die AVR ab, auch wenn es nur Reste sind, weil ein Großteil vorher abgegriffen wurde. "Wir haben häufiger deswegen Beschwerden und auch dagegen gesteuert," so Deschner. Vor zwei Jahren wurde die sogenannte "verdeckte Abfuhr" eingeführt: Die genauen Termine wurden nicht mehr veröffentlicht. Geholfen hat das nichts. Die Schrottklauer durchschauten die Systematik der Abholungen und waren schneller als die AVR. Im nächsten Jahr sollen die Abholtermine nun wieder im Serviceheft veröffentlicht werden.

Ein weiterer Versuch war laut Deschner, Termine zu vereinbaren, um den Schrott direkt aus der Wohnung oder dem Keller abzuholen. "Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass nicht gewünscht wird." Viel Handhabe hat die Gesellschaft also nicht. Zwar gebe es Anzeigen bei der Polizei, doch die würden oft wieder eingestellt. Norbert Schätzle von der Heidelberger Polizeidirektion spricht auch nicht von übermäßig vielen: "Vielen ist es egal, wer den Schrott abholt." Häufiges Ärgernis ist ihm zufolge, dass nach der Erstauswahl der Schrottklauer der Restestapel und sein Umfeld oft aussehen wie ein Schlachtfeld. Er empfiehlt, auf die Kennzeichen der Abholer zu achten: Im schlimmsten Fall begehen diese nämlich Hausfriedensbruch und Diebstahl.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung