22.11.2011

Schriesheim gibt sich "spruchreif"

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Über 240 Feste, Sitzungen, Wanderungen, Reisen, Events, Konzerte, Turniere und andere Veranstaltungsarten hatten Schriesheims Vereine dem Rathaus für den Terminkalender 2012 gemeldet. Antje Nicklas, Frau für Vereinsangelegenheiten bei der Stadt, hatte gut zu tun beim Zusammenstellen. Am Montagabend gingen die Vereinsvertreter im Rathaus gemeinsam alles durch - Monat für Monat. Wirtschaftsförderer Torsten Filsinger vertrat die erkrankte Nicklas dabei und hatte noch Einiges in seinen Listen auf spontanen Zuruf nachzutragen.

Es gibt sie natürlich auch nächstes Jahr, die vielen Traditionsveranstaltungen. Aber auch Neues und besonders Bemerkenswertes. Zum Beispiel wird es am 5. Februar in Schriesheim die erste Rotweinwanderung geben, organisiert vom Verkehrsverein. Am 22. Juni wird die Theatergruppe "Die Rebläuse" nach ihrem Neuanfang wieder Premiere auf der Bühne feiern. Und im Juli begeht der Sängerchor Ursenbach sein 100-jähriges Bestehen. Die größten Besuchermassen kommen freilich zum Straßenfest oder zur Weinwanderung im September, zu "Schriesheim jazZt" im Juli und vor allem zum Mathaisemarkt im März.

Dessen Festzug am 4. März 2012 steht unter dem Motto "Spruchreifes Schriesheim". Dominik Morast sagte, man habe sich Mühe gegeben, dieses Mal ein Thema zu wählen, das die Vereine leichter umsetzen können. "Kultur pur", das Motto dieses Jahres, habe zu große Freiräume gelassen, gab Morast zu. Einige Vereine wussten damit einfach nur schwer etwas anzufangen. Das sollte nächstes Jahr besser gehen, glaubte Morast. Jetzt sollen also Redensarten, Sprichworte und Sinnsprüche in kreativen Fußgruppen und Wagen dargestellt werden. Noch vor Weihnachten sollten die Vereine ihre Zugnummern melden. "Das gibt sicher wieder einen schönen Festzug", war Bürgermeister Hansjörg Höfer sicher.

Er ging noch einmal auf die Kontrollen der Lebensmittelüberwachung beim Straßenfest ein. Vereine hatten über die strengen Hygienevorschriften geklagt, bis hin zu den Zutatenlisten von Kuchen. Danach hatte der Ladenburger SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Kleinböck in Stuttgart eine Kleine Anfrage zur Sache gestellt und Antwort aus dem Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz erhalten.

"Es wird alles einfacher", fasste Höfer die schriftlichen Antworten von Minister Alexander Bonde (Grüne) zusammen. Diese lagen für die Vereinsvertreter in Kopie zum Mitnehmen aus. Hygienerechtliche Bestimmungen, heißt es darin, seien "einzelfallbezogen umzusetzen", müssten aber dem Zweck entsprechen, das die Lebensmittel hygienisch einwandfrei in den Verkehr gebracht würden. "Traditionell arbeitende Einheiten" dürften nicht überfordert werden. So gebe es nur wenige konkrete Vorgaben, so der Minister. Seine Behörde habe zudem keine Weisung erteilt, "die Angaben von möglichen Zusatzstoffen in Lebensmitteln auf Vereins- oder Straßenfesten besonders zu überprüfen." Höfer interpretierte das so, dass künftig keine Zutatenlisten für Kuchen mehr nötig seien, höchstens noch Angaben zu den Zusatzstoffen. In Sachen Wasserversorgung wird vom Ministerium lediglich empfohlen, eine zertifizierte "Feste Trinkwasserschlauchleitung" zu verwenden und die Leitungen vor Gebrauch "gründlich durchzuspülen".

Schließlich ging Höfer auf Bodenbeläge unter den Ständen der Straußwirtschaften ein. Nur auf Schotter, Rasen oder Sand müssten die Vereine einen Boden verlegen, nicht aber auf gepflasterten Höfen oder Gehwegen. Das stand zwar nicht in Bondes Antwort auf Kleinböck.

Wohl aber, dass der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband seit Jahren die gleichen Anforderungen für Vereins- und Straßenfeste fordert, die auch Gaststätten einhalten müssen. Schließlich seien die Feste nichts anderes als Konkurrenz für die Gastronomie.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung