09.12.2011

"Am Laubelt führt kein Weg vorbei"

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Der Baum hielt den Stürmen nicht stand. Das 15 Meter hohe Gewächs fiel am Mittwoch samt Wurzel um und blockierte mit seiner Krone die Branichstraße (wir berichteten). Die Feuerwehr musste die Zufahrtstraße zum Branich für eine Stunde komplett sperren, um den Baum fachgerecht zersägen zu können. Vom Bauhof wurde das Holz abtransportiert. Für den Verkehr vom und zum Berg ging während des großen Aufräumens gar nichts mehr: "Daran hat man mal wieder gesehen, wie nötig eine ständige zweite Zu- und Abfahrt für den Branich wäre", sagte Isolde Nelles. Die Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) unterstrich: "Am Laubelt führt kein Weg vorbei." Und zwar vor allem für Notfälle und Ereignisse wie am Mittwoch.

Nelles gefällt es nicht, dass der illegale Schleichweg ins Tal noch immer von vielen Branich-Bewohnern regelmäßig genutzt wird - auch ohne Feuerwehrsperrung: "Ich sage bewusst, dass der Laubelt dabei missbraucht wird." Dabei hatte die Verkehrsbehörde des Rhein-Neckar-Kreises in diesem Jahr unmissverständlich klar gemacht, dass sie den Laubelt komplett schließen werde, sollte der Durchgangsverkehr auf dem schmalen, asphaltierten Landwirtschaftsweg nicht drastisch abnehmen.

Der Stadt war aufgetragen worden, dass sie die Strecke zu kontrollieren hat. Zudem wurden Verkehrszählungen angekündigt. Schon drei Mal soll die Menge der Fahrzeuge erfasst worden sein, so Nelles.

Sie will die Ergebnisse der Zählungen bis heute Abend bei der Heidelberger Behörde erfragt haben, um sie den Mitgliedern der IG Branich während der Weihnachtsfeier im "Neuen Ludwigstal" vortragen und erläutern zu können. Dann will sie auch betonen, dass jedes einzelne Auto, das den Laubelt als Abkürzung benutzt, ihre Verhandlungsposition gegenüber der Verkehrsbehörde schwächt: "Ich habe so nämlich gar nichts in der Hand." Immerhin seien am Mittwoch alle recht vorsichtig auf dem Laubelt gefahren während der "Sperrstunde" auf der Branichstraße. Auch die Schulbusse des Heinrich-Sigmund-Gymnasiums kamen hier nicht mehr voran. Schon Ende Oktober hatte Nelles den Bürgermeister der Stadt, Hansjörg Höfer, in einem Brief darum gebeten, die Planung für den Laubelt als rechtmäßiger zweiter Abfahrt vom Branich aufzunehmen (wir haben berichtet).

Inzwischen seien sogar konkrete Pläne dafür im Rathaus eingereicht worden, so Nelles. Diese würden von Architekt Hans-Jörg Goerlach stammen, einem der rund 900 Branich-Bewohner. Dazu die Sprecherin der IG: "Die Pläne für den Laubelt-Ausbau liegen bei Hansjörg Höfer auf dem Schreibtisch." Der Verwaltungschef, der gestern nicht im Rathaus für eine Stellungnahme zu erreichen war, hatte schon im Oktober betont, dass alles eine Frage der Kosten sei. Außerdem gehe es darum, wer das Ganze bezahlt.

Schriesheims Feuerwehrkommandant Oliver Scherer räumte auf RNZ-Nachfrage ein, dass eine einzige reguläre Zufahrtsstraße auf den Branich "natürlich ein Problem" sei. Insofern könne er Nelles verstehen. Aber: "Dieses Problem haben wir in Schriesheim doch an vielen Stellen. Zum Beispiel in Altenbach. Auch in der Strahlenberger Straße sind die Verhältnisse ähnlich", so Scherer.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung