21.12.2011

Von der "Piazza" in den "Goldenen Hirsch"

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Albert Kesseler wird Gastronom. Wie bereits gemeldet, hat er das Gasthaus "Zum Goldenen Hirsch" gepachtet, um hier künftig gute, bodenständige und regionale Küche auf hohem Niveau anzubieten: "Aus dem 'Goldenen Hirsch' wurde zu wenig gemacht. Das wollen wir ändern", sagt Kesseler gestern, als er das Konzept vorstellt. Kein gutes Zeugnis für seinen Vorgänger, Domenic Mack, der zum Jahresende aufhört. Kesselers Küchenchef wird jedenfalls Rhett-Oliver Driest, der bisher im Hotel Scheid kochte. Am Freitag, 6. Januar, ist Eröffnung.

Dann begrüßt Kesseler, der Vorsitzende des Kulturkreises (KKS), erstmals seine Gäste. Und das im Rahmen einer Traditionsveranstaltung seines Vereins, der Dreikönigsmatinee. Im Festsaal wird dann ab 11 Uhr unter dem Programmtitel "For or more Flutes" Jazz mit Flöten geboten.

Flötentöne also zum Anfang von Kesselers Gastro-Karriere. Als Genießer kennt man ihn schon. Sei es aus der legendären "Bodega" oder von der "Piazza del Popolo", den Straußwirtschaften des Kulturkreises beim Straßenfest. Doch da war es Hobby. Jetzt wird's ein Fulltime-Job: "Sicher wird das eine Umstellung. Aber ich habe mir das gut überlegt. Ich habe keine Angst", so Kesseler. Eher Vorfreude: "Ich esse gerne und koche gerne. Und es wäre damals mein Traum gewesen, auf eine Hotelfachschule zu gehen." Doch der Vater riet ab. Arbeiten, während andere frei haben? Kesseler wurde Kaufmann. Und jetzt versucht er, wie er sagt, seinen Traum nachzuholen. Peter Bausback gehört das Haus, in dem Kesselers Traum Wirklichkeit werden soll.

Kesseler nutzt die Gelegenheit, um Gerüchte zu zerstreuen. In der Stadt werde geredet, Bausback verlange eine zu hohe Pacht. Selbst das Wort "Halsabschneider" mache die Runde, so Kesseler: "Das stimmt einfach nicht." Zwische ihm um Bausback bestehe eine "wunderbare Verbindung". Die beiden sind befreundet und teilen offenbar die gleiche Philosophie bezüglich des "Goldenen Hirsch", der zunächst nur abends geöffnet sein wird. Dienstags soll Ruhetag sein, und ab Februar soll es einen Mittagstisch geben. Bausback zum Konzept: "Der Gast will heute mehr als Schnitzel mit Pommes. Es fehlt die Badische Küche, sogar die Schriesheimer Küche." Die Lücke will Kesseler schließen.

Er wird 60 Plätze im Gastraum anbieten, dazu 40 im Hof und 150 im großen Festsaal, der künftig über eine Bankettküche bedient werden kann, die zurzeit hinter dem Thekenbereich im Obergeschoss gebaut wird. Zudem will Kesseler die beiden Nebenzimmer im ersten Obergeschoss, quasi gegenüber vom Festsaal auf der anderen Seite der Treppe, für kleinere Gesellschaften nutzen. Hier soll es insgesamt 36 Plätze geben. Auf der Weinkarte findet man Tropfen der Weingüter Teutsch und Bielig sowie von der Winzergenossenschaft (WG). Auch Silvaner und Riesling aus Bausbacks Weinbergen findet man. Ausgebaut werden seine Trauben nach eigenen Angaben bei Georg Bielig oder über die WG beim Badischen Winzerkeller Breisach.

Die Speisekarte macht Lust auf "Reh und Wildschwein aus dem Schriesheimer Revier". Bausback und Driest sind schließlich Jäger. Bäckernudeln will der Küchenchef selber machen - aus Mehl der Hirschberger Mühle, wie es auf der Karte heißt. Hausgemachte Rehmaultaschen oder "Steaks aus den USA" sind hier ebenso zu finden wie mit Handkäse überbackene Majoran-Bratkartoffeln oder Wildbratwurst als Vesper. Lecker klingt's. Dafür, dass es schmeckt, will Driest sorgen. Seine Frau und seine Schwiegermutter bringt er mit in den Betrieb. Beide sind ebenfalls vom Fach.

Driest selbst hat in der damaligen Hauptstadt Bonn seinen Küchenmeister gemacht, wo er in der Bad Godesberger Redoute kochte, dem Haus für Staatsempfänge der Bundesregierung. Zudem ist er gelernter Konditor. Nach zwölf Jahren Selbstständigkeit in seiner Geburtsstadt Speyer kam Driest über Wilhelmsfeld auf die Strahlenburg und danach ins Hotel Scheid. Und am 6. Januar beginnt auch für ihn eine neue Zeit. Ebenso wie für Albert Kesseler.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung