28.12.2011

Auch Tunnelbauer dürfen Weihnachten feiern

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Auf der Baustelle des Branichtunnels steht alles still. Auch die Bauarbeiter wollen die Weihnachtstage schließlich bei ihren Familien verbringen. Also war am Donnerstag der letzte Arbeitstag des Jahres für das Mammutprojekt im Landesstraßenbau. Die Pause wird aber nur kurz sein: "Die Arbeiten werden am Montag, 2. Januar 2012, wieder aufgenommen, da der enge Terminplan eine längere Weihnachtspause nicht zulässt", heißt es dazu gestern in einer Presseerklärung des zuständigen Regierungspräsidiums Karlsruhe (RP).

Im Moment leben ständig zwischen 20 und 30 Bauarbeiter unweit ihres Arbeitsplatzes am Westportal in einer kleinen, zweigeschossigen Containerstadt. Diese ist in den vergangenen Wochen aus dem Boden gestampft worden, nur getrennt vom Baugebiet "Nord" durch die tief in den Boden abgesenkte Tunnelzufahrt. Die Bautrupps arbeiten zehn Tage lang am Stück und haben dann vier Tage frei. Wenn irgendwann im nächsten Frühjahr die Sprengungen für die Tunnelröhre beginnen, würden es noch mehr Bauleute werden, die hier schaffen, sagt Uwe Herzel, der Pressesprecher des RP.

Auch sie werden dann in den mit Sanitäranlagen ausgestatteten Wohncontainern zu Hause sein. Daneben stehen die Häuser der Bauleitung. Ein gelbes Holzgebäude hat hier die Firma Ed. Züblin AG hingestellt. Sie baut den Tunnel. In der Hütte schaffen auch die verantwortlichen Ingenieure des RP. Ein anderer Container ist das Domizil der Bauleitung für den Erdbau.

Ebenfalls nicht zu übersehen ist die Werkstatthalle für Reparaturen aller Art. Genau westlich daneben ist eine recht weite Fläche asphaltiert, auf die ein großes "H" aufgemalt ist. Es ist ein Landeplatz für Rettungshubschrauber als Teil des Sicherheitskonzepts für die Bauarbeiten, die dieses Jahr wieder ein Stück vorankamen. Nachdem der zweite Bauabschnitt, der neue Verkehrsknoten der B 3 mit der künftigen L 536, schon vor Wochen freigegeben wurde, haben Anfang November die Vorbereitungen für das Herzstück der Ortsumgehung begonnen, also für die rund 1,8 Kilometer lange Tunnelröhre. Im Bereich des Westportals wird der "Voreinschnitt West" hergestellt. Dabei handelt es sich um eine Baugrube, in der 80 Meter des Tunnels in offener Bauweise sowie das westliche Betriebsgebäude für die Tunneltechnik entstehen werden. Diese Baugrube hat eine maximale Tiefe von 20 Metern und erhält eine Sicherung aus einer Kombination von Spritzbeton und Erdankern. Von hier aus wird später auch der sogenannte "bergmännische Vortrieb" des Haupttunnels starten.

Der Branichtunnel bekommt einen etwa 1,2 Kilometer langen, parallel zum Haupttunnel verlaufenden Rettungsstollen. In diesen münden die im Abstand von maximal 300 Metern angeordneten Notausgänge des Haupttunnels. Der Rettungsweg wird derzeit vom "Voreinschnitt West" aus vorgetrieben.

Aufgrund der geologischen Vorerkundungen geht das RP davon aus, dass es die Bauarbeiter auf den ersten 60 bis 100 Metern im Branich mit einem Löß-Lehm-Gemisch zu tun haben, bevor sie den festeren Granit erreichen. Da die Bodenverhältnisse noch ungünstiger sind als erwartet, hat das RP entschieden, den ersten Teil des Rettungsstollens ohne Unterbrechungen bauen zu lassen, um schneller zum Granit vorzudringen. Das wiederum soll die Gefahr von Einbrüchen im vorderen Stollenbereich minimieren. Aber nicht nur im Westen, auch im Bereich des östlichen Tunnelportals, oberhalb von Kling-Malz, wird schon gearbeitet. Nach großflächigen Rodungen (wir haben berichtet) begann dort die Aufschüttung eines Straßendamms für die provisorische Verlegung der Talstraße. Diese ist nötig, da auch im Bereich des Ostportals eine Baugrube entstehen wird - für etwa 120 Meter des Tunnels in offener Bauweise. Diese Baugrube hat eine maximale Tiefe von 15 Metern und wird dort sein, wo heute die Talstraße verläuft.

Doch das alles wird noch dauern, wie das RP erläutert. So müssen alle Ver- und Entsorgungsleitungen der Anwohner in diesem Bereich neu verlegt werden. Auch die Kanalisation der Talstraße kann nicht in der heutigen Lage bleiben und wird erneuert. Der Weittalbach, der auf Höhe des Hotels "Scheid" die Talstraße quert, muss abgesenkt werden, da die neue L 536 am Ende hier noch rund einen Meter tiefer liegt als die heutige Talstraße.

Auch die Anwohner auf dem Branich hätten teilweise "schon Kontakt mit der Maßnahme" gehabt, schreiben die Karlsruher. Grund ist aber nicht die Bautätigkeit, sondern das Beweissicherungsverfahren am Privateigentum. Das braucht man, um später eventuelle Schäden durch den Tunnelbau feststellen und Schadensersatzansprüche klären zu können. Das ist im Sinne der Bürger gemeint. In das Beweissicherungsverfahren werden zunächst alle Gebäude mit einem Abstand von bis zu 30 Metern zum zukünftigen Tunnel einbezogen.

Im Rahmen der optischen Beweissicherung gebe es eine Begehung sämtlicher Räume eines Gebäudes, einschließlich der Untergeschosse, erklärt das RP in seiner Stellungnahme. Dabei werden alle in und an den Gebäuden vorhandenen Risse, Feuchtigkeits- und ansonsten bautechnisch relevanten Schäden an der Gebäudesubstanz protokolliert. Der Befund wird auch durch Fotografien belegt. Zusätzlich zu den Gebäuden werden Außenanlagen, wie Stützmauern, Treppen, Zuwege und Hofbefestigungen besichtigt.

Die Begehungen der Gebäude gibt es nur mit Einwilligung der Eigentümer und der jeweiligen Mieter. Die betroffenen Branich-Bewohner würden ein Anschreiben bekommen, erklärt das RP. Es bittet die Bürger, dem beauftragten Ingenieurbüro Dr. Spang aus Esslingen einen Termin für die individuelle Bestandsaufnahme zu ermöglichen. Kosten entstünden dadurch weder Mietern noch Vermietern.

Je nach Baufortschritt sollen die ersten Tunnelsprengungen im Branich im ersten Quartal nächsten Jahres beginnen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung