12.01.2012

Nun weichen auch die letzten Gebäude auf dem OEG-Areal. Fotos: Dorn Abbrucharbeiten gehen besser voran als erwartet

on Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Wer mit Bus oder Straßenbahn unterwegs ist, bekommt derzeit noch nicht allzu viel mit vom Abriss der letzten Gebäude auf dem OEG-Gelände. Trotzdem wird hier seit Montag bereits gearbeitet. Die Gleichrichterstation an der Schillerstraße wird von Handwerkern eines RNV-Subunternehmers entkernt. "Die ganze Anlage inklusive Schaltkästen ist erst zehn Jahre alt. Sie wird ausgebaut, eingelagert und später wieder verwendet", erklärt einer der Arbeiter. Die neue Station wurde am anderen Ende des Geländes unterirdisch gebaut und ist bereits seit einigen Wochen in Betrieb.

Schräg gegenüber sieht es chaotisch aus, Kabelstränge liegen auf dem Boden und hängen aus Wänden und Decken: Die große Werkstatthalle wird demontiert. "Es läuft besser als erwartet mit den Abbrucharbeiten. Deshalb fangen wir auch schon jetzt mit der Halle an", sagt Frank Feuchtgruber von der RNV.

Neben der Werkstatt liegt das alte Bürogebäude. Von außen ist dem klotzigen Betonbau noch nicht viel von seiner bevorstehenden Zerstörung anzusehen. Innen dagegen ist die Entkernung schon fortgeschritten: Türzargen und Türen sind bereits entfernt, Bautrupps reißen Beläge von den Böden, entfernen Deckenpaneele und Lampen. Vor einem riesigen Berg grau gefleckter Linoleumplatten steht noch ein Schreibtisch, darauf ein sorgfältig mit Jacken abgedeckter Drucker. In Spitzenzeiten arbeiteten hier um die 30 Angestellte, außerdem gab es Aufenthaltsräume für die Bus- und Straßenbahnfahrer. Zuletzt war hier das Baustellenbüro untergebracht, von dem aus der zweigleisige Ausbau der Strecke geleitet wurde. Immer noch hängen an manchen Wänden Kalender aus dem letzten Jahr, die zeigen, dass hier bis zum Schluss noch gearbeitet wurde.

Daneben, und auch das zeigt sich beim Entkernen, sorgten die Büroangestellten auch immer wieder für kleine Inseln der Entspannung im anstrengenden Büroalltag. So fanden die Bauarbeiter unter einem Haufen zurückgelassener Kleidungsstücke einen ganzen Stapel Pornoheftchen. "Die sind gleich in den Container gewandert", sagt Arbeiter Torsten Seidenfuß mit einem Grinsen. Einzig das Konterfei einer spärlich bekleideten vollbusigen Dame überlebte die Wegwerfaktion. Sie darf bis zum Ende der Demontage von einem Fenster im Erdgeschoss aus zusehen, wie die Arbeiter das Gebäude Stück für Stück auseinander nehmen bis auf die nackten Betonwände und -decken. Im ersten Stock wird es derweil ungemütlich: "Da ist ein Boiler geplatzt, in dem Wasser stand", sagt Seidenfuß. Eine schlammig-braune Brühe ergießt sich in die Sanitärräume, und er und sein Kollege Calogero Rumé fegen Abwasser und Schutt in den Abfluss. Passieren kann nicht viel: Im Gebäude gibt es keinen Strom mehr, das Licht in den düsteren Räumen erzeugt ein brummender Generator, der unten steht. Auch Schadstoffe seien keine gefunden worden, berichtet Seidenfuß: "Das Gebäude wurde daraufhin untersucht." Allenfalls sei beim Demontieren der Deckenverkleidung mit Glaswolle zu rechnen.

Ist die Entkernung abgeschlossen, kann der Bagger anrücken, der im Gebäude Decken und Böden entfernt. Zuletzt sollen die Außenwände fallen, die, so sieht es der Plan vor, wegen der Sicherheit des Schienenverkehrs in Nachtarbeit eingedrückt werden sollen. "Es sind drei Termine vorgesehen, die wir nächste Woche bekannt geben werden", erklärt Feuchtgruber. Als nächstes folgt der barrierefreie Umbau des Bahnhofs, der bis Mai abgeschlossen sein soll.

Zuletzt wird noch ein letztes Teilstück der Strecke zweigleisig ausgebaut und das Gleisbett begrünt, so Feuchtgruber: "Anfang Juli soll die Gesamtmaßnahme abgeschlossen sein." Auf dem alten OEG-Gelände werden Keller und Montagegruben verfüllt. Dann können die Investoren hier ein neues Kapitel Baugeschichte aufschlagen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung