17.01.2012

Bartsch ist raus aus dem Gewerbezelt

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Es ist eine Zäsur nach Jahrzehnten: Das Weinhaus Bartsch wird dieses Jahr auf der Gewerbeschau des Mathaisemarktes nicht mit seinem Weinstand im Gastrobereich vertreten sein: "Wir haben entschieden, das Weinhaus nicht mehr einzuladen", bestätigte der Organisator der Leistungsschau, Schriesheims Vorsitzender des Bundes der Selbstständigen (BDS), Rolf W. Edelmann, am Montag auf Anfrage der RNZ. "Wir brauchen hier eine Verjüngung und ein anderes Ambiente, um für neue Attraktivität zu sorgen", sagte Edelmann. Für Bartsch übernimmt der Obsthof Jäck den Weinstand.

Bereits im vergangenen Jahr, so Edelmann, habe es einen Vorstandsbeschluss des Schriesheimer BDS gegeben, das Weinhaus in der Sophienstraße nicht mehr zu berücksichtigen: "Doch wir haben noch mal ein Auge zugedrückt", so Edelmann. Das klingt nicht mehr nach der alten Harmonie zwischen dem BDS und der Familie Bartsch, die mit ihrem Weinhaus selbst zum hiesigen Selbstständigenverband gehört.

Mehr noch: Bis 1990 war Seniorchef Jens Bartsch Geschäftsführer im BDS, seine Frau Renate vertrat im Vorstand lange die Winzer - bis vergangenes Jahr. Nach RNZ-Informationen soll es zuletzt in Bezug auf den Weinstand der Gewerbeschau Differenzen um Rechnungen und die Weinqualität zwischen BDS und den Bartschs gegeben haben. Im Weinhaus war zur Sache niemand zu erreichen. Im BDS wollte die Querelen niemand offiziell bestätigen. Fest steht aber, dass die Jäcks als neue Betreiber des Weinstands im BDS-Zelt in den Startlöchern stehen: "Wir wurden schon vergangenes Jahr gefragt", sagte gestern Peter Jäck im RNZ-Gespräch. Eine Fußnote in diesem Zusammenhang: Sein Sohn Maximilian, der in Geisenheim Weinbau und Önologie studiert, ist seit vergangenem Jahr Beisitzer für die Winzer im hiesigen BDS-Vorstand - als Nachfolger von Renate Bartsch.

Mit ihrem Engagement im Gewerbezelt gehen die Jäcks einen weiteren Schritt auf dem Weg zum eigenen Weingut. So sieht es auch Peter Jäck: "Nach der neuen Rechtssprechung dürfen wir uns schon seit vergangenem Jahr Weingut nennen." Zwar wird das Gros der Jäck'schen Weine noch immer im Weingut Adam Müller in Leimen ausgebaut, das aber per Ausbauvertrag. Zudem produzieren die Jäcks im eigenen Keller bereits Kleinmengen. Mit dem Ziel, nach und nach immer mehr Wein im eigenen Hause zu machen. "Ohne Maximilian und Johannes hätten wir den Stand auf der Leistungsschau nicht übernommen", sagte Peter Jäck über seine Söhne. Wenn alles klappe, dann solle es im Jahr 2015 mit dem eigenen Weingut soweit sein. Erst mal soll Maximilian aber fertigstudieren, dann Erfahrungen im Ausland sammeln.

Bei ihrer Premiere im Gastrobereich der Leistungsschau werden die Jäcks Weine, Sekt, Secco und vielleicht auch ein, zwei Schnäpse anbieten. Aus dem Weinsortiment sollen Silvaner, Grau- und Weißburgunder, Riesling sowie Müller-Thurgau zum Ausschank kommen, dazu zwei leckere Rote aus dem Barrique, nämlich Cabernet Dorio sowie Spätburgunder.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung