17.01.2012

Fath steht nach wie vor zur Sperrung

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Auf der Homepage der Stadt Schriesheim ist die Mehrzweckhalle noch so abgebildet, wie sie vor der Sanierung aussah: mit tristen grauen Betonwänden, einer verwitterten Beschriftung und einem Eingangsbereich im Stil der siebziger Jahre. Doch durch die energetische Sanierung blieb hier im übertragenen Sinne kein Stein auf dem anderen, das Gebäude hat mittlerweile einen völlig neuen Charakter. Und das liegt keineswegs nur am laubfroschgrünen Anstrich der Fassade. Gestern wurde das Gebäude nach einer umfassenden energetischen Sanierung offiziell wieder seiner Bestimmung übergeben. Tatsächlich ist die Halle bereits seit Ende der Winterferien wieder in Gebrauch.

Während der knapp einjährigen Bauzeit ruhte hier alles, Schüler und Vereine mussten auf die Schulturnhalle und die KSV-Hallen ausweichen, die der Verein bereitwillig zur Verfügung stellte. "Die Sperrung war richtig, wir stehen nach wie vor dazu", sagte Stadtbaumeisterin Astrid Fath. Zwar habe es, wie sie im RNZ-Gespräch bemerkte, durchaus auch Kritik an der Schließung gegeben: "Es ging aber nicht anders, in der Halle lag zum Teil zentimeterdick der Staub."

Bürgermeister Hansjörg Höfer verwies zudem auf die Unfallgefahr: "Glücklicherweise ist niemand zu Schaden gekommen, nur einmal gab es einen kleinen Brand." Insgesamt "knapp unter 2,1 Millionen Euro" habe die Sanierung gekostet, erklärte Höfer weiter. Ursprünglich waren Gesamtkosten von 1,8 Millionen Euro veranschlagt, der Gemeinderat bewilligte im März 2010 einen Eigenanteil von 800 000 Euro. Der Ausgleichsstock des Landes fördert diesen Eigenanteil prozentual, dazu kamen 1,2 Millionen aus dem Investitionspaket zur energetischen Erneuerung (IVP). "Wir hatten im Planansatz Einnahmen von 1,4 Millionen Euro durch Zuschüsse", erklärte Stadtkämmerer Volker Arras.

Teurer wurde der Umbau dann aber durch einige böse Überraschungen. So war die Dach-Isolierung im Eingangsbereich komplett durchnässt und von Ungeziefer befallen. "Eine eklige Sache", erinnerte sich Fath. "Alles musste heruntergerissen und komplett neu aufgebaut werden", bemerkte Höfer.

Damit sollen künftig die Eimer der Vergangenheit angehören, die jahrelang das Bild des Eingangsbereichs prägten: Bei jedem Regenfall kam das Wasser hier durchs Dach.

Ohnehin hat sich im Foyer einiges geändert: Wände und Deckenverkleidungen erhielten einen weißen Anstrich, und der Eingang bekam neue Türen und wurde komplett neu verglast. Der alte "Glaskasten", der ursprünglich als Kassenhäuschen gedacht war, verschwand. Neue Lampen und eine weiße Decke vor der Halle sowie neue Fenster im angrenzenden Raum sorgen zusätzlich für Helligkeit. Sämtliche Sanitäranlagen wurden komplett erneuert. An den Wänden wurden weiße Fliesen verlegt, auf die Fußböden kamen Kacheln in Hellgrau.

Waschbecken-Blöcke in Grau oder Blau ersetzen die alten Keramikbecken. "Und einmal pro Nacht schalten sich die Duschen automatisch an. Das ist wegen der Legionellengefahr", erklärte Höfer. Die Halle selbst wurde äußerlich wenig verändert: Teuerste Maßnahme war hier der Einbau einer neuen, energiesparenden Lüftungsanlage. Gegenüber der Eingangstür befindet jetzt sich ein Notausgang. Er gehört zum neuen Sicherheitskonzept des Hauses und ist dort zu finden, wo früher Sportgeräte gelagert wurden. Herzstück der Technik-Anlage ist das Blockheizkraftwerk im Anbau. Hier stehen der alte und ein neuer Gasbrenner, die Anlage selbst sorgt für Strom und warmes Wasser. Überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist und mit derzeit 5,2 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Unterm Strich ergebe sich eine CO2-Einsparung von 20 Prozent, so Höfer. Wie viel Energie die neue Heizung spart, könne man aber jetzt noch nicht sagen: "In einem Jahr wollen wir Bilanz ziehen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung