18.01.2012

Förderungen aus Brüssel passen nicht zu badischem Weinbau

Von Stefan Zeeh

Schriesheim/Rhein-Neckar. "Die Weinbaupolitik wird in Brüssel entschieden", sagte der Präsident des Badischen Weinbauverbandes, Kilian Schneider, in Anwesenheit der badischen Weinprinzessin Målin Well bei der Bereichsversammlung seines Verbandes in Schriesheim. So sei beispielsweise seitens der Europäischen Union (EU) geplant, den Weinbau mit der allgemeinen Landwirtschaft zu vereinen.

In der Folge könnten für Rebflächen Zahlungsansprüche bei der EU geltend gemacht werden. Dabei bekämen die Winzer Prämien von etwa 270 Euro pro Hektar. Verbunden sei dies jedoch mit einem komplizierten Antrag und der Einhaltung der sogenannten CC-Vorgaben und den damit zusammenhängenden fachrechtlichen Vorschriften aus den Bereichen Umwelt, Tierschutz sowie Gesundheit von Tier, Mensch und Pflanze.

Zudem müssten sieben Prozent der Fläche ökologisiert werden. Die Anträge würden penibel geprüft. "Unsere Weinbauberater werden zu Landvermessern und Kontrolleuren", prophezeite Schneider vor rund 100 Winzern von der Bergstraße und aus dem Kraichgau.

"Mit 270 Euro erhalte ich keine Steillage, saniere ich keine Trockenmauer und schaffe keine zukunftsfähige Struktur", unterstrich Schneider, dass dieses Förderinstrument nicht zum badischen Weinbau passe. "Hier zehn Ar, dann eine Böschung mit Biotop, dann eine Wendefläche, wieder fünf Ar Reben und am Zeilenende noch eine Rebhütte für den Wiedehopf", illustrierte er die Kleinräumigkeit des hiesigen Anbaus.

Erfreut zeigte sich Kilian Schneider über die geplante Einführung von Branchenverbänden durch den EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos: "Verbände, die in anderen Ländern schon seit Langem eingerichtet sind und gut funktionieren, siehe Champagne".

Das Dauerthema Weinmarktreform sprach Peter Wohlfarth, der Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, an. So wurde etwa das deutsche Bezeichnungsrecht für Weine in das europäische Recht integriert. Dadurch gibt es nun die drei Weinkategorien Qualitäts- und Prädikatsweine mit geschützter Ursprungsbezeichnung, Weine mit geschützter geografischer Angabe, die auch als Landweine bezeichnet werden, und Weine ohne Herkunftsinformation, besser als Tafelweine bekannt. Kritisch sah Peter Wohlfarth dagegen die vorgesehene Änderung der bestehenden Pflanzungsrechte-Regelung, wodurch der Weinbau in einfach zu bewirtschaftende, aber qualitativ weniger geeignete Flachlagen verlagert werden könnte. "Uns geht es dabei nicht ausschließlich um einen Flächen-, sondern auch um einen Werteerhalt", sprach sich Wohlfarth für eine Verlängerung der Pflanzrechte-Regelung für den Weinbau aus.

Er begrüßte die Entscheidung des Bundesrates, die bestehende Regelung bis zum Jahr 2025 zu verlängern. Entschieden wird die Sache aber in Brüssel, und dort werde das Thema noch sehr zögerlich behandelt. "Wir wollen aber eine Entscheidung vor Ende 2012", betonte Wohlfarth. Darüber hinaus informierte Werner Weinzierl vom Regierungspräsidium Freiburg die Winzer über ein neues Internetangebot: Dort ist der Weinbauatlas mit verschiedensten Informationen zu Boden, Geologie, Hangneigung oder Sonneneinstrahlung der Weinanbaugebiete Badens zusammengefasst.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung