23.01.2012

Anstich des Branichtunnels am 1. Februar

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Der 1. Februar 2012 hat das Zeug zum historischen Tag für Schriesheim: Am Mittwoch in zwei Wochen, um 13 Uhr, wird der Anstich zum 1796 Meter langen Branichtunnel gefeiert. Dann beginnen die Arbeiten am Herzstück der auf 85 Millionen Euro kalkulierten Ortsumgehung. Das gab Bürgermeister Hansjörg Höfer am Donnerstag ganz am Ende der Sitzung des "Runden Tisches" zum Tunnelbau bekannt.

Erstmals trafen sich im Rathaus die Projektleitung, die Verwaltungsspitze, die Interessengruppen sowie Stadträte aller Fraktionen, um über den Stand der Dinge auf der Baustelle zu sprechen und offene Fragen zu klären. Die Runde soll es jetzt in lockerer Regelmäßigkeit geben, solange der Tunnel gebaut wird.

Projektleiter Ralph Eckerle saß am Tisch, ebenso Bauleiter Volker Staudacker sowie der Leiter des Baureferats Nord im Regierungspräsidium, Peter Siepe. Von der Branich-IG waren Isolde Nelles und Karl Balmert dabei, von der BI Talstraße Wilhelm Weidner und Werner Merkel, dazu alle Fraktionschefs des Gemeinderats: Paul Stang (CDU), Christian Wolf (Grüne), Heinz Kimmel (FW) und Rainer Dellbrügge (SPD). Ferner Axel Kling von Kling-Malz als Anlieger des künftigen Ostportals des Tunnels und neben Höfer auch Stadtbaumeisterin Astrid Fath von Seiten der Verwaltung.
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Bis zu den ersten Sprengungen für den Tunnel werde es noch bis zu acht Wochen dauern, wie Eckerle sagte. Denn wie auch im Fluchtstollen steht auf den ersten 50 Metern des Tunnels zunächst ein Löß-Lehm-Gemisch vor dem Granit, das abgegraben werden muss.

Ein Thema waren die ersten Sprengungen für den Fluchtstollen. Am Dienstag, Punkt 18.20 Uhr, wurde die erste Ladung gezündet - zum Missfallen mancher Branich-Bewohner. Sie sprachen von "klirrenden Fenstern" und Detonationskrach. "Lauter wird's nicht, und auch die Intensität der Sprengungen wird nicht zunehmen - nicht mal beim Bau des Tunnels", versprach Siepe. Mit jeder Sprengung im Fluchtstollen dringen die Arbeiter 1,50 Meter weiter in den Berg vor. Entsprechend nehme der Geräuschpegel ab. Die feinen, auf zehn Prozent der zulässigen Erschütterung eingestellten Messgeräte hätten überhaupt nicht reagiert. "Ich selbst habe auch nichts gespürt", sagte Eckerle, der bei der zweiten Sprengung am Mittwochmorgen auf dem Branich stand. Auch ein Bürger in "Nord" habe die Druckwelle aber registriert, meinte Wolf. Merkel winkte ab: "Bei mir klappern die Scheiben jeden Tag in der Talstraße, auch nachts, wenn Lastwagen vorbeifahren." Bis zu vier Sprengungen pro Tag im Zeitraum von 7 bis 20 Uhr werden jedenfalls im Fluchtstollen angepeilt: "Das muss sich aber erst einspielen", so Eckerle. Zünden dürften die Tunnelbauer eigentlich bis 22 Uhr.

Eckerle ging auch auf die Beweissicherung auf dem Branich ein, die in einem 60 Meter breiten Korridor über dem Tunnelverlauf vorgesehen ist: "Das ist aber korrigierbar." So sollen auch Häuser berücksichtigt werden, die durch ihre topografische Lage näher am Tunnel stehen als andere. Siepe stellte die Bürger darauf ein, dass es für kurze Zeit eine größere Geräuschbelastung geben werde, nämlich für die Belüftung der Baustelle im Tunnel. Das Gebläse laufe Tag und Nacht, werde aber nicht lange zu hören sein, da es mit dem Baufortschritt "mitwandert". Der Referatsleiter informierte auch über die Arbeitszeiten auf der Baustelle. Während im Tunnel rund um die Uhr geschafft werde, so Siepe, würde außerhalb von montags bis freitags von 7 bis 20 Uhr und samstags von 7 bis 14 Uhr geschafft, an Sonn- und Feiertagen gar nicht.

Der Branichtunnel wird konsequent von West nach Ost durch den Berg getrieben. Siepe war guter Dinge, das der herausgebrochene Granit nicht an Ort und Stelle vor dem westlichen Tunneleingang zerkleinert werden muss - was auch laut gewesen wäre. Auch beim Konzept des Fluchtstollens gibt es Änderungen. So wird auf die Notausgänge am Bergwerk und an der Branichstraße verzichtet, dafür wird der Fluchtstollen selbst verlängert.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung