23.01.2012

Das Geheimnis des Madonnenbergvereins

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Sie kam fast unbemerkt, die neue Ehrenpatin des Madonnenbergvereins. Eine Stunde lang warteten die 60 Gäste beim Madonnenbergkonvent im Zehntkeller auf Gabriele Warminski-Leitheußer. Aber die Kultusministerin hatte angekündigt, dass es später werden könnte. Halb so schlimm also.

Bürgermeister und Vereinsvorsitzender Hansjörg Höfer nutzte die Zeit für einen Rückblick, um auch an zwei "bewundernswerte Persönlichkeiten" zu erinnern, die verstorben sind: Heinz Mildenberger und Emil Meixner. Beide, so Höfer, hätten stets "ihr Engagement für den Madonnenbergverein gelebt". Mildenberger als Schaffer im Weinberg, Meixner als Vorsitzender in den ersten Jahren des Madonnenbergvereins von 1989 bis 1996. Meixner, der Gründungsdirektor des Kurpfalz-Gymnasiums, verstarb am vergangenen Montag. Man erhob sich zum Gedenken.

Danach zog Höfer Bilanz der Madonnenberglese 2011. Genau 2508 Kilo Riesling wurden geerntet, mit einem Mostgewicht von 81 Grad Öchsle. "Ein guter Wert", befand Höfer. Er freue sich auf "einen guten, interessanten Jahrgang", sagte der Bürgermeister, der den Helfern im Wingert, Werner Neureither, Peter Hölzel, Winfried Krämer und Werner Volk, dankte. Auch Fritz und Ludwig Mildenberger seien aus dem Verein nicht wegzudenken. Margit und Thomas Höhr wurden von ihrem Chef schließlich für das "Ambiente" gelobt, dass sie im Zehntkeller geschaffen hatten. Dann kam die Suppe, und man hatte Zeit darüber nachzudenken, warum der Madonnenbergverein dieses Jahr wohl solch ein Geheimnis um den neuen Ehrenpaten gemacht hatte. Alle hielten dicht, fast bis zuletzt. Man fragte sich, warum der Konvent auf einen Donnerstag gelegt wurde und warum Ehrenvorsitzender Peter Riehl nicht da war - wohl auch, weil er als Vorsitzender des Vereins Heidelberger Europagespräche terminlich gebunden war. Überhaupt hatten sich die Reihen gelichtet im Vergleich zu den Vorjahren. Es blieben Lücken an den runden Tischen, an denen man zunächst kaum Notiz nahm vom Ehrengast. Das wäre wahrscheinlich so geblieben, hätten nicht die Jagdhornbläser ihre klangvolle Begrüßung angestimmt. Dafür gab es Applaus.

Als Warminski-Leitheußer danach aber von Höfer an ihren Platz begleitet wurde, rührte sich keine Hand mehr im Gewölbe. Der Kuratoriumsvorsitzende des Vereins, Landrat Stefan Dallinger, sah die Kultusministerin zwar, als sie den Zehntkeller betrat. Er ging ihr jedoch nicht entgegen, um sie zu begrüßen, sondern wartete, bis sie an den Tisch trat. Es gab in den Vorjahren sicher schon herzlichere Empfänge für die Ehrenpaten. Immerhin erlaubte sich Regierungspräsident Dr. Rudolf Kühner als Laudator und Vorgänger der neuen Ehrenpatin einen Scherz, allerdings auf deren Kosten. So hätten die Römer zu Ehren einer Frau pro Buchstaben ihres Namens ein Glas Wein getrunken. Bei Gabriele Warminski-Leitheußer habe man nach reiflicher Überlegung beschlossen, das nicht zu tun.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung