23.01.2012

Eine Grüne kommt zum Tunnelanstich

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Am 17. November 2008 gab es den symbolischen ersten Spatenstich für den Bau der Zuführungsstraße zum Branichtunnel. Damit war der Startschuss gefallen für das 85 Millionen Euro teure Projekt. Damals schon kündigte der hiesige CDU-Landtagsabgeordnete, Georg Wacker, an, dass "Günther Oettinger selbst" den "'großen Spatenstich' für den eigentlichen Tunnel" vornehmen werde. Denn er war es, der die Zusage für die Finanzierung der Röhre gab. Oettinger ist inzwischen EU-Energiekommissar und nicht mehr Ministerpräsident. Wacker zählt zur größten Oppositionsfraktion im Landtag. Und zum Anstich des Tunnels am 1. Februar, um 13 Uhr, kommt eine grüne Staatssekretärin aus Stuttgart: Dr. Gisela Splett aus dem Verkehrsministerium. Ausgerechnet eine Grüne. Wer hätte das damals gedacht? Wo doch gerade die Grünen und der Tunnel nicht den Stoff zur "Liebesgeschichte" hergeben, wie unlängst deren hiesiger Abgeordneter, Uli Sckerl, zugab.

Dieser nahm die Bürgerproteste auf, meldete sich gestern zu Wort und teilte mit, dass er Regierungspräsident Dr. Rudolf Kühner darum gebeten habe, für eine "größtmögliche Transparenz und Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger" zu sorgen. So sollten die Termine der Sprengungen für den Branichtunnel und dessen Fluchtstollen "vorab bekannt sein". Das Regierungspräsidium solle allen Beschwerden zügig nachgehen. Die Sprengungen seien zwar unverzichtbar. Dennoch verlangte Sckerl eine "Rücksichtnahme auf die Bürgerinnen und Bürger". Auch Bürgermeister Hansjörg Höfer hatte moniert, über den genauen Beginn der Sprengungen im Fluchtstollen nicht informiert worden zu sein. Drei bis vier Detonationen pro Tag sind laut Projektleiter Ralph Eckerle angepeilt: "Das muss sich jetzt einspielen", sagte er jüngst am "Runden Tisch" (wir haben berichtet). Hier erklärte Eckerle auch, warum der Branichtunnel in den Berg gesprengt und nicht gebohrt wird: "Für eine Bohrmaschine ist der Tunnel zu klein."

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Der Projektleiter erläuterte auch den Aufbau des Westportals mit den Betriebsgebäuden, die später fast unsichtbar "unter der Erde" verschwinden sollen und nicht immer von Personal besetzt sein müssten. Von hier aus werde die komplette Belüftungs-, Beleuchtungs-, Tunnel- und Kommunikationstechnik gesteuert. Über Monitore würden Polizei, Feuerwehr und Rettungsleitstelle mit dem Geschehen im Tunnel verbunden.Ein Teil des Sicherheitskonzepts.

Dazu gehört auch der Fluchtstollen. Mit diesem wird der Branichtunnel alle 300 Meter durch einen sogenannten Querschlag verbunden. Entsprechende Schilder im Tunnel sollen dann den kürzesten Weg zum Fluchtstollen weisen. Doch dafür muss der Tunnel erst mal durch den Berg gesprengt und danach verschalt sein.

Für die Verschalung vom Ostportal her wird der Beton durch die Talstraße angeliefert. Dazu sind bis zu 25 Fahrten nötig, die wöchentlich an einem Tag gebündelt werden sollen. Es würde nur an solchen Tagen also zu zwei bis drei Fahrten pro Stunde kommen. Das Ganze werde ein Jahr lang dauern, so der Leiter des Baureferats Nord beim Regierungspräsidium, Peter Siepe. Damit sich Lkw und Linienbusse in der Talstraße nicht in die Quere kommen, werden die Baustellenfahrer die Busfahrpläne bekommen und zudem per Funk mit den Busfahrern verbunden sein. Wilhelm Weidner von der Bürgerinitiative Talstraße mahnte zudem an, dass die Lastwagenfahrer die vorgegebene Geschwindigkeit einhalten sollen. Apropos Höchstgeschwindigkeit: Im Tunnel wird sie wohl auf 70 Stundenkilometer begrenzt werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung