29.01.2012

Müssen Sprengungen morgens um 7 Uhr sein?

Schriesheim. Ralph Eckerle war überwältigt: "Ich dachte, wir sitzen hier so zu zehnt um einen Tisch." Ein Trugschluss. Die IG Branich um Vorsitzende Isolde Nelles hatte eingeladen zum Info-Abend über den Branichtunnel, und gut 100 Bürger kamen, um sich vom verantwortlichen Projektleiter ihre Fragen beantworten zu lassen. Eckerle ging sachlich, ruhig und fundiert auf die Bürger zu. Und zuweilen sogar mit Witz.
"Sie wissen besser als ich, was da passiert", scherzte er etwa gleich zu Beginn, als er die Grundzüge des Tunnelbaus skizzierte. Oder später, als er sagte: "Das ist mein erster Tunnel, und es wird auch mein letzter sein." Nicht, weil er das Projekt nicht möge, sondern weil so ein Tunnel eben doch selten gebaut werde. Die Bewohner des Branich leben ja quasi über der Baustelle. Die Sprengungen, der Schutz ihrer Häuser, Tunnelabgase: Alles Themen, die die Bürger vom Berg beschäftigen. Vieles, was Eckerle zu sagen hatte, war für gut Informierte nicht neu.
Etwa, dass die Notausgänge am Bergwerk und an der Branichstraße wegfallen. So würden erhebliche Verkehrsbehinderungen in der Talstraße und auch weitere Sprengungen vermieden, so Eckerle. Dafür wird der Fluchtstollen im Berg auf 1200 Meter verlängert. Auch vom Abtransport von Granit bleibe die Talá †straße verschont, weil der Tunnel konsequent von West nach Ost gebaut und das Material über das Westportal weggeschafft werde. Der Sprengvortrieb des Tunnels, so Eckerle, dauere ein Jahr. Ende 2014 sei der Rohbau wohl fertig. Noch einmal ein Jahr brauche man dann für den kompletten Ausbau samt Tunneltechnik.
Doch man merkte an diesem Abend schnell, dass die Bürger lieber über ihre eigentlichen Probleme sprechen wollten. Immer noch zeigten sie sich darüber verärgert, nicht frühzeitig über den Beginn der Sprengungen zum Bau des Fluchtstollens informiert worden zu sein.
Sekundenlang würden die Scheiben wackeln bei jeder Detonation, und das drei bis vier Mal am Tag. Und ob es denn wirklich sein müsse, samstagmorgens um sieben zu sprengen. Da meldete sich Frieder Schoenel zu Wort: "Ich hör' davon nix." Seine Erklärung war simpel: Manche Häuser auf dem Branich seien auf erdigem Untergrund gebaut, andere direkt auf den Stein: "Und da spürt man natürlich alles." Bei nur vier der bisher 20 Sprengungen habe es Erschütterungen gegeben, die knapp über zehn Prozent des zulässigen Grenzwertes lagen, relativierte Eckerle. Das hätten die Messgeräte auf dem Branich angezeigt.
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Zu den Sprengzeiten sagte der Mann aus dem Regierungspräsidium, dass die Baufirma Züblin laut Rechtslage von 6 bis 22 Uhr sprengen dürfe. Man habe aber 7 bis 20 Uhr an Werktagen vereinbart, samstags nur bis 14 Uhr. Auf genaue Zeitpunkte für die täglichen Sprengungen könne man sich nicht festlegen.
Eckerle erläuterte, dass man im Fluchtstollen mit jeder Sprengung 1,50 Meter weiterkomme. Dieser habe einen Querschnitt von 13 Metern, der für jede Sprengung perforiert werde. Dann werde von innen nach außen gezündet, damit das Gestein nach innen zusammenfällt. Die Tunnelröhre habe einen Querschnitt von 90 Metern. Hier sei zwar eine größere Sprengkraft nötig, doch passiere dabei nicht mehr als jetzt beim Fluchtstollen. Weil sich der Druck auf einer größeren Fläche verteilen könne.
Kritik wurde laut am Verfahren der Beweissicherung, das den Zustand von Häusern auf dem Branich in einem 60 Meter breiten Korridor über dem Tunnelverlauf dokumentiert. Das hätte vor den ersten Sprengungen erledigt sein müssen, sei bisher "ein Totalausfall" und räumlich zu eng gefasst. Die Zone der Begutachtung, erwiderte Eckerle, könne jederzeit erweitert oder auch enger gezogen werden. Je nach den Erfahrungen, die man jetzt mit dem Sprengvortrieb mache. Sollte es je Schäden an Häusern geben, könnten sich die Bürger selbstverständlich melden.
In Sachen Entlüftung des Tunnels konnte Eckerle die Branich-Bewohner beruhigen. Abgase würden nicht über Schächte auf dem Berg abgeleitet. Man setze auf die natürlich Belüftung des Tunnels, der von West nach Ost eine beständige Steigung von zwei Prozent haben wird. In die Röhre würden zudem Turbinen zum Luftaustausch eingebaut.
Letztes Thema war die Öffentlichkeitsarbeit des Regierungspräsidiums. Die Bürger monierten, dass die Informationen auf der Homepage der Karlsruher Behörde so wenig aktuell seien. Man könne doch den Baufortschritt samt Angabe der Erschütterungswerte einzelner Sprengungen auf einer eigenen Webseite veröffentlichen. Zudem wurde angeregt, die Tunnelpläne im Rathaus auszuhängen. Diese könne man im gelben Container der Bauleitung an der Baustelle jederzeit einsehen, so Eckerle. Das bedürfe allerdings vorheriger Anmeldung.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung