29.01.2012

Züblin kann nicht nur Tunnel bauen

Von Carsten Blaue
Schriesheim. Das Unternehmen, um das es geht, hat den Lötschbergtunnel in der Schweiz und den Leonberger Engelbergtunnel gebaut. Zudem die vierte Röhre des Hamburger Elbtunnels sowie den Münchner Richard-Strauss-Tunnel. Die Liste der weltweiten Röhrenprojekte der Ed. Züblin AG Stuttgart ist noch viel länger. In Schriesheim kommt nun eine Referenz hinzu: der Branichtunnel. Mit seinen 1796 Metern Länge ist er eher eines der kürzeren unter Züblins Straßenprojekten im Berg. Und der Tunnelbau an sich nur ein Geschäftssegment der, nach eigenen Angaben, "Nummer eins im deutschen Hoch- und Ingenieurbau".
Die Unternehmensgeschichte beginnt im Jahr 1898 in Straßburg. Hier gründet der Schweizer Eduard Züblin sein "Ingenieur-Bureau für Cement-Eisenconstructionen". Schon in den ersten Jahren entwickelt sich das Unternehmen erfolgreich. 1899 wird der erste Auslandsauftrag ausgeführt: eine Tuchmanufaktur in der Nähe von Riga. Weitere Projekte sind die Gründung des Hamburger Hauptbahnhofs auf 800 Eisenbetonpfählen (1902) sowie die bis heute verkehrstüchtige Brücke Langwies der Bahnstrecke Chur-Arosa in der Schweiz, mit rund 100 Metern Bogenstützweite seinerzeit die weltweit höchste und am weitesten gespannte Brücke aus Eisenbeton (1912). In Deutschland führt die Ed. Züblin AG von Stuttgart aus seit 1919 die Aktivitäten des Stammhauses weiter.
Über die Jahrzehnte baut Züblin seine Bauaktivitäten aus und wird zum "Global Player". Immer größere Brücken, Fabriken, Verkehrstrassen, Hafenanlagen, Umwelttechnik und Lärmschutzbauten kommen hinzu. Darüber hinaus entstehen riesige Tragwerke aus Stahl, schlüsselfertige Gebäude wie jüngst die Wartungshalle für den Airbus A 380 auf dem Frankfurter Flughafen sowie vollautomatische Warenlager und Offshore-Bauten. Tunnels werden zur Züblin-Domäne durch neue Techniken - und das nicht nur für den Straßen- und Schienenverkehr. In Lesotho treibt Züblin in den 90er Jahren einen 60 Kilometer langen Tunnel für ein Wasserversorgungssystem vor und errichtet einen Staudamm sowie ein unterirdisches Kavernenkrafthaus. Die Mehrzweckstauanlage Xiaolangdi am Gelben Fluss in China umfasst 16 Stollen mit einer Gesamtlänge von fast zehn Kilometern, zur Stauanlage Ghazi Barotha in Pakistan gelangt das Wasser über einen 52 Kilometer langen Kanal. In Taipeh sowie in Köln, Hamburg, Amsterdam und Rotterdam baut Züblin U-Bahnen, in Kuala Lumpur einen zweistöckigen Zufahrtstunnel zu den Petronas Towers.
Im Jahr 2005 erwirbt die Strabag SE die Aktienmehrheit an der Ed. Züblin AG, ein Jahr später erwirbt Züblin den Hoch- und Ingenieurbau der deutschen Strabag AG, einschließlich der Dywidag Bau GmbH. Ende des Jahres 2010 hatte Züblin weltweit 13 302 Mitarbeiter, davon 6382 in Deutschland. Das Unternehmen schloss das Jahr 2010 mit einem Jahresüberschuss von 60 Millionen Euro ab, bei einer Bilanzsumme von 1,26 Milliarden Euro.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung