01.02.2012

Aus dem Branichtunnel wird der Birgittunnel

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Am Mittwoch um 13 Uhr ist es soweit. Mit dem feierlichen Tunnelanschlag beginnt die heiße Phase im Bau des Branichtunnels, nämlich der Sprengvortrieb durch den Berg. Zum offiziellen Akt an der Baustelle wird Regierungspräsident Dr. Rudolf Kühner erwartet. Verkehrsstaatssekretärin Dr. Gisela Splett (Grüne) hält eine Rede, Bürgermeister Hansjörg Höfer und Edgar Schömig, Vorstand der ausführenden Firma Züblin, sprechen Grußworte und die Gemeindepfarrer ihre Segen für die Bauzeit. Zudem wird, wie gemeldet, Birgit Ibach-Höfer, die Gattin von Bürgermeister Hansjörg Höfer, als Tunnelpatin den Tunnelanschlag vornehmen. Danach gilt sie für die Bauzeit des Tunnels als "irdische Vertreterin" der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute. Zudem trägt der Tunnel in der Zeit seiner Fertigstellung den Namen seiner Patin. Aus dem Branichtunnel wird am Mittwoch also der Birgittunnel. Ein Vorgang, der in der Stadt nicht nur auf Verständnis stößt.

Gab es in Schriesheim jüngst schon Diskussionen darüber, warum nicht wenigstens der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann zum Tunnel-Startschuss kommt, sondern seine Staatssekretärin, ist die Verblüffung bei manchen jetzt komplett. Etwa bei CDU-Fraktionssprecher Paul Stang: "Wie kann es überhaupt sein, dass Frau Ibach-Höfer Tunnelpatin wird? Es ist doch Ironie, dass dieses Amt ausgerechnet die Frau des Bürgermeisters übernimmt, der noch als grüner Stadtrat mit seiner Fraktion gegen den Tunnel gekämpft hat. Ich hätte da mehr Fingerspitzengefühl erwartet. Es ist zumindest eine unglückliche Entscheidung", so Stang, der sich fragt, wer den Vorschlag überhaupt gemacht hat.

Aus dem Verkehrsministerium in Stuttgart hieß es dazu, man habe das Regierungspräsidium in Karlsruhe um einen Vorschlag gebeten. So sei die Wahl auf Birgit Ibach-Höfer gefallen. Die Frau eines Bürgermeisters zur Patin von Tunnelprojekten zu machen, sei aber nicht zwingend, so Ministeriumssprecherin Julia Pieper.

"Ich nehme an, dass die Herren vom Regierungspräsidium Frau Ibach-Höfer gebeten haben, dieses Ehrenamt zu übernehmen, denn wir wissen, dass die Frau des Bürgermeisters nicht dazu neigt, sich in den Vordergrund zu drängen. Wir sind uns sicher, dass sie die Aufgaben einer Patin für die Tunnelarbeiter ernsthaft und gewissenhaft erfüllen wird", war Grünen-Fraktionssprecher Christian Wolf am Montag überzeugt. Heinz Kimmel, Sprecher der Freien Wähler, wollte das Thema nicht so hoch hängen: "Ich war vor allem überrascht, dass es so etwas wie die Tunnelpatenschaft überhaupt gibt." Wer diese übernehme, beschäftige ihn nicht, so Kimmel.

Auch SPD-Fraktionssprecher Rainer Dellbrügge war vor allem daran interessiert, wer die Tunnelpatin ausgesucht hat. Bei einer so wichtigen Personalie, so Dellbrügge, "hätte man uns auch mal fragen können. Das ist eigentlich eine Sache für den Gemeinderat."

Werner Merkel ist einer der Hauptakteure der BI Talstraße, die für den Branichtunnel kämpfte. Er sagte: "Diese Entscheidung ist nicht gut und nicht nachvollziehbar. Ich habe nichts gegen Frau Ibach-Höfer. Aber ich bin nicht glücklich darüber, dass jetzt alte Gräben wieder aufgerissen werden. Die Grünen waren doch immer gegen den Tunnel. Aber im Grunde ist es Nebensache, wer Patin wird. Die Hauptsache ist doch, dass der Tunnel gebaut wird."

Dann machte Merkel noch einen Vorschlag: "Für mich wäre es schöner, wenn Frau Ibach-Höfer und Evelyn Riehl, die Frau des Alt-Bürgermeisters, gemeinsam Tunnelpatinnen würden." Schließlich sei es vor allem auch Peter Riehl gewesen, der sich immer für den Branichtunnel eingesetzt habe.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung