07.02.2012

Vom "Göckele" zum Hahn?

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Kaum hat Festzeltwirt Karl Maier seinen Rückzug vom Mathaisemarkt angekündigt, wird schon der erste Nachfolgekandidat gehandelt. Es ist der Festzeltbetrieb Hahn aus dem mittelfränkischen Bad Windsheim, der unter anderem die Muswiese in Rot am See beschickt. Die Firma wird in dritter Generation von Michael Hahn geführt: "Er steht in den Startlöchern", sagte am Donnerstag Schriesheims Vorsitzender des Bundes der Selbstständigen (BDS), Rolf W. Edelmann.

Eigentlich ging es in der RNZ-Anfrage an den BDS-Chef darum, wie er die Lag nach Maiers Abschied einschätzt. Edelmann gab sich völlig gelassen: "Wir werden da sicher Kontinuität reinbringen." Dass Hahn Interesse am Mathaisemarkt habe, wisse er schon seit zwei, drei Jahren, sagte Edelmann. Seitdem gebe es "einen Kontakt". Der hiesige BDS-Vorsitzende dazu: "Wir haben uns auch schon Hahns Unterlagen geben lassen. Er arbeitet sehr sorgfältig, kooperiert mit guten Bands und hat ein vielfältiges Angebot." Hahn steht unter anderem auf dem Würzburger Frühlingsfest, der Mai- und Herbstdult in Regensburg, dem Schweinfurter Volksfest und dem Fränkischen Volksfest.

Bürgermeister Hansjörg Höfer wollte am Mittwoch im Pressegespräch auf Anfrage nicht bestätigen, dass es das Interesse des Festzeltwirts von Rot am See gibt. Er sagte, die Stadt werde das Festzelt-Engagement ausschreiben. Der Marktausschuss müsse darüber beraten. Edelmann sagte nun, Höfer wisse um Hahns Interesse. Bei der Neujahrsmatinee des Partnerschaftsvereins habe er mit dem Bürgermeister darüber gesprochen. Höfer räumte das auf Nachfrage ein, unterstrich aber, dass sich der Festzeltbetreiber selbst noch nicht bei ihm gemeldet habe: "Und über Dritte kann so eine wichtige Sache sowieso nicht gehen", verwies Höfer auch am Donnerstag auf die geplante Ausschreibung. Das Unternehmen Hahn wollte sich auf Anfrage nicht zur Sache äußern.

Edelmann trauert Maier derweil nicht nach. Er sagte: "Nach 20 Jahren Hähnchen kann da mal ein anderer Geschmack rein. Man braucht Vielfalt, keine Einseitigkeit. Das gilt auch für die Getränke." Er stehe zu seinem Vorschlag, im Festzelt nicht nur Wein, sondern auch Bier auszuschenken.

"Dann können wir auch gleich eine Bierkönigin krönen", konterte der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft (WG), Harald Weiss. Dass jetzt "wie wild" neue Vorschläge gemacht würden, schmecke ihm nicht. Es gehe darum, den Charakter des Mathaisemarkts als Weinfest zu bewahren. Weiss bedauerte, dass der "Göckelesmaier" dem Mathaisemarkt den Rücken kehrt. Im Festzelt wird traditionell WG-Wein ausgeschenkt: "Wir waren jahrzehntelang eingespielt", so Weiss über die Zusammenarbeit mit Maier. Der WG-Geschäftsführer sprach sich für einen Neubeginn mit einem neuen Festzeltbetreiber aus: "So ein Zelt braucht man wieder. Aber es muss ein Qualitätsbetrieb auf hohem Niveau sein." Weiss wollte davon ausgehen, dass auch in Zukunft WG-Weine im Festzelt des Mathaisemarkts ausgeschenkt werden.

Verkehrsvereinschef Karl-Heinz Schulz sagte, jetzt eröffne sich eine Chance für neue Konzepte. Nach dem Mathaisemarkt müsse man im Marktausschuss darüber beraten: "Es kann ein Neuanfang werden." Es kursiert zum Beispiel die Idee, Schriesheims Winzer in einem Zelt zusammenzubringen, ähnlich des Weindorfs beim Straßenfest.

So eine Lösung passe nicht im März, lautete die Einschätzung von Ehrenbürger Peter Riehl. Als Bürgermeister holte er die Firma "Göckelesmaier" genau vor 30 Jahren nach Schriesheim und bedauerte sehr, dass diese nun zum letzten Mal kommt: "Aber ich verstehe die Beweggründe", so Riehl. Es gehe darum, die Tradition des Mathaisemarkts als Markt aufrecht zu erhalten. Es gehe hier nicht nur um ein Weinfest. Entsprechend schwer sei die Gestaltung. Das Festzelt müsse Mittelpunkt des Geschehens bleiben. Es sei als Veranstaltungs- und Begegnungsort unabdingbar für den Erhalt des Mathaisemarktes.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung