18.02.2012

Gemeinderat findet Kostenverteilung für Linie 5 ungerecht

Schriesheim. (sk) Mit dem Inkrafttreten des Sommerfahrplans kommen die OEG-Benutzer erstmals in den Genuss positiver Auswirkungen des zweigleisigen Ausbaus in Richtung Weinheim. In den Morgenstunden zwischen 6.30 und 8.30 Uhr sowie am Nachmittag von 15 bis 19 Uhr fährt die Straßenbahn 5 auf der Strecke dann im Zehn-Minuten-Takt. Mit der Einführung dieser "Fahrplanverdichtung" wählte der Gemeinderat jetzt aus drei von der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH erarbeiteten Vorschlägen die "Mindestvariante", die entsprechend ihrem Namen auch nur den Mindestservice bietet. Allerdings wäre ohne den Einsatz zusätzlicher Bahnen auch ein Kreis-Zuschuss zur Baumaßnahme nicht möglich gewesen. "Der zweigleisige Ausbau hätte ohne eine Taktverdichtung gar keinen Sinn gehabt", bemerkte FDP-Stadtrat Wolfgang Renkenberger.

Heiß diskutiert wurde im Gremium noch eine andere Alternative, deren Charme sich nicht nur den grünen Stadträten Gisela Reinhard, Heinz Waegner und Wolfgang Fremgen erschloss, sondern auch der SPD-Fraktion, die diese Variante als Antrag einbrachte. Sie hätte einen 30-Minuten-Takt im Spätverkehr Richtung Weinheim und eine zeitweise Verlängerung der Linie 24 von Rohrbach über den Heidelberger Hauptbahnhof bis nach Schriesheim bedeutet und wäre zudem auf einen Fünf- bis Zehnminutentakt zwischen Dossenheim und Schriesheim hinausgelaufen. "Der Qualitätsgewinn rechtfertigt Mehrausgaben", betonte SPD-Stadtrat Sebastian Cuny und argumentierte mit einer besseren Erreichbarkeit der Schriesheimer und Weinheimer Schulen. Ein Vorteil sei zudem die direkte Anbindung an das Neuenheimer Feld: "Damit wird die Attraktivität Schriesheims als Wohn- und Bildungsstadt gefördert." Knackpunkt waren die Mehrkosten, die für das Halbjahr 2012 bei 20 000 Euro und für 2013 beim doppelten Betrag lagen.

Hier hakte Anselm Löweneck (CDU) ein: Die beengte finanzielle Situation zwinge zum Kompromiss zwischen dem Wünschenswerten und dem Machbaren. Ausgehend von aktuellen Gesamtkosten um die 800 000 Euro komme die Stadt schon jetzt "auf Tageskosten von 2200 Euro, nur dafür, dass die OEG durch Schriesheim fährt." Er spielte auf den Verteilungsschlüssel an, der Schriesheim aufgrund seiner Gemarkungsgröße erheblich mehr mit Kosten für den ÖPNV belastet als die Nachbargemeinden. Mit der Kritik daran war er sich - seltener Fall - einig mit Grünen-Fraktionssprecher Christian Wolf, der monierte, dass bei der Kostenberechnung nicht auch die Zahl der Einwohner und Haltestellen eine Rolle spielen: "Wir zahlen nur für die OEG soviel wie Dossenheim und Hirschberg zusammen und deutlich mehr als die Hälfte von Weinheim, obwohl die Stadt dreimal so viele Einwohner hat", kritisierte Wolf eine "große Ungerechtigkeit". Seine Fraktion hätte eine weitere Fahrplanverdichtung gern gesehen, aber nicht zu den gegenwärtigen Preisen, sprach sich Wolf wie auch Löweneck für eine Neuverhandlung der Verträge im Jahr 2016 aus. In der Fortführung der Linie 24 nach Schriesheim sah der Grüne einen Hinderungsgrund: Schon jetzt gebe es an der Ampel ins Gewerbegebiet Probleme, und die Stadt könne nicht wollen, dass der Individualverkehr am Gewerbegebiet vorbei nach Dossenheim fährt.

Aus diesem Grund sah auch Dr. Herbert Kraus (FW) die bisherige Regelung, dass Fahrgäste Richtung Hauptbahnhof Heidelberg oder Neuenheimer Feld in Handschuhsheim umsteigen müssen, als zumutbar an. Gisela Reinhard (GL) argumentierte indes für die teurere Variante unter Verweis auf den Spätverkehr. Eine Bahn alle 30 Minuten sei wichtig und finanziell auch realisierbar. Eine andere Position bezog Dr. Wolfgang Metzger (FW), der daran erinnerte, dass ein Teil seiner Fraktion schon im Jahr 2008 gegen den zweigleisigen Ausbau gestimmt hatte. Er, Heinz Kimmel und Dieter Knopf enthielten sich, während der Rest des Gremiums für die Mindest-Variante votierte.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung