28.02.2012

Entspannt unter Tage

Schriesheim. (sk) Auf der Skizze wirkt der Berg ein wenig wie eine geometrische Zeichnung: In einer sanft abfallenden Linie zeichnet Curt Full den geplanten Verlauf des Branichtunnels. Von schräg unten bewegt sich ein weiterer Strich auf den Scheitelpunkt zu, bricht aber ab, bevor die Linien sich kreuzen. Die untere Linie steht für den Verlauf des Bergwerksstollens. Was der Beirat des Bergwerksvereins da aufs Papier bringt, ist kein Querschnitt, sondern eine Draufsicht. "Denn der Tunnel verläuft etwa 30 Meter unterhalb des Bergwerks", sagt Bürgermeister Hansjörg Höfer.

Der Tunnelverlauf und seine Nähe zum Bergwerk sind Teil der Sicherheitsabnahme des Bergwerks, über deren Verlauf der Verein dem Stadtoberhaupt, Stadtbaumeisterin Astrid Fath, Presse- und Gemeinderatsvertretern berichtet. Grund für die öffentliche Aufarbeitung einer an sich unspektakulär verlaufenden, jährlichen Inspektion durch das Bergamt ist diesmal der Beginn der Tunnel-Sprengungen.

Die Tunnelröhre soll von Westen nach Osten verlaufen, der Stollen hat in etwa Nord-West-Ausrichtung. Ihre größte Annäherung bekommen die beiden unterirdischen Bauwerke am Stollen-Ende, das etwa 100 bis 200 Meter vom Tunnel entfernt liegt.

Beruhigend war für die "Bergwerks-Grawwler" eine Auskunft des Bergamts, wie zweiter Vorsitzender Götz Schmitt erklärt: "Uns wurde gesagt, dass in einem produzierenden Bergwerk Sprengungen in 30 Metern Abstand zur Hauptstrecke gang und gäbe seien, ohne dass das Bergwerk deswegen geschlossen werden müsste."

Zumal der Besucher-Bereich noch einmal mindestens 100 Meter von den Sprengungen entfernt sei, wie Vereins-Kassier Herbert Machatschek anmerkt. Die Bereiche, die dem Tunnel am nächsten kämen, seien die "Weitungen", also die großen Abbaukammern abseits der für die Öffentlichkeit bestimmten Bereiche. Beirat Curt Full, der mit der Baufirma Züblin in regelmäßigem Kontakt steht, ergänzt: "Derzeit wird überlegt, ein Gutachten zu erstellen, ob der Bergwerksverein überhaupt von den Sprengungen betroffen ist." Letzten Endes, so bilanziert Schmitt, sehe man sowohl bei der Baufirma als auch beim Verein die Angelegenheit recht entspannt. Dass diesmal die Ergebnisse der Begehung öffentlich gemacht werden, hat für die "Grawwler" noch einen anderen Grund. Nämlich die Beschwerden, die Ex-Bergwerksführer Peter Weinkötz öffentlich über die Sicherheit des Bergwerks in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats vorbrachte (wir haben berichtet).

Die Begehung des Bergamts sei gut verlaufen, tritt Schmitt den Vorwürfen entgegen. Moniert wurden lediglich das Rauschen in einem Notruftelefon und eine Alu-Leiter in der Tiefsohle. Alles andere fand die uneingeschränkte Zustimmung der Behörde: die Stollen, Sicherheitseinrichtungen und auch der Zustand des umgebenden Gesteins.

"Seit 25 Jahren sind wir ohne Beanstandungen", bemerkt Machatschek. Genehmigt wurde auch der Plan, der mit dem Amt abgestimmt wurde und Besucherbereiche und gesperrte Bereiche ausweist. "Auch da sind wir also relativ entspannt", ergänzt Schmitt.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung