14.03.2012

Schule macht sich schmackhaft

Schriesheim. (sk) Dass man aus einer Batterie, einem Magneten und einem Stück Kupferdraht einen richtigen kleinen Elektromotor bauen kann, ist schon faszinierend. Wer im Physikunterricht kaum je über eine Vier hinaus kam, versteht den theoretischen Überbau nicht unbedingt in allen Details, kann aber feststellen, dass die Batterie recht schnell warm wird.

Also macht Physiklehrer Michael Sause seinen "Motor" wieder aus. Zusammen mit seinen Kollegen präsentiert er beim Tag der offenen Tür am Heinrich-Sigmund-Gymnasium naturwissenschaftliche Experimente. Etwa die "Knallgas-Reaktion", die einem Vierjährigen einen Heidenschreck einjagt. Das Experiment mit dem Knalleffekt ist zwar schon ein Klassiker im Chemie-Unterricht, zieht bei dem Kleinen, der hastig hinter seiner Mutter in Deckung geht, aber noch immer. Spannend ist auch das Tüfteln mit den magischen Quadraten, an denen sich einige Kinder versuchen. Im Nachbargebäude wird noch das Fach Biologie mit verschiedenen Experimenten präsentiert.

Leichter tut sich der Nicht-Naturwissenschaftler mit dem kulinarischen Angebot. Da gibt es am Eingang zur Turnhalle frische Waffeln, an der Hallen-Stirnseite lädt ein englischer "Tea-Room" zu Earl Grey-Tee und selbst gebackenen Plätzchen ein. Mit römischen Spezialitäten macht Lateinlehrerin Karen Christiansen den Besuchern ihr Fach schmackhaft. Das saftige Brot, in das Pecorino-Käse eingearbeitet ist, wurde als Opferbrot verwendet, lernt man da. Ausschließlich zum Genuss bestimmt war dagegen der leckere Brotaufstrich mit Zwiebeln und Schafskäse oder auch das Gewürzbrot mit ganzen Lorbeerblättern. In der Mensa gibt es Kaffee und Kuchen vom Buffet und zur Mittagszeit frische, von den Abiturienten gebackene Pizza und eine cremige Gemüsesuppe mit Kokosmilch und Koriander, die die Koch-AG gezaubert hat. Ebenso wie die Dips mit Bärlauch, Lachs oder Paprika, die zum Vollkornbrot schmecken. Ein Shake aus frischen Früchten, den die Sechstklässler auftischen, rundet das kulinarische Sortiment ab.

Seinen Spieltrieb kann der Besucher dann nicht nur bei der Tombola, dem Kinderschminken oder dem Schul-Quiz ausleben, sondern auch beim Dartspielen oder an Boxen, deren verschiedene Inhalte man ertasten muss. Einfach nur genießen lassen sich dagegen die Bilder aus dem Kunstunterricht mit Herbstbäumen, Blumen oder springenden Delfinen. Wer selbst kreativ werden will, kann Papierschmetterlinge bauen, ein Angebot, das besonders die kleineren Geschwister der Schüler annehmen. Zum Tag der offenen Tür kommen nämlich nicht nur Interessenten oder Eltern künftiger Fünftklässler, sondern auch Schüler-Familien, die die Gelegenheit nutzen, ein paar Worte mit den Klassenlehrern ihrer Sprösslinge zu wechseln. Für alle gedacht sind die Aufführungen der Unterstufen-Theater-AG, die dreimal an diesem Vormittag stattfinden.

In der kleinen, abgedunkelten Turnhalle zeigen die AG-Mitglieder einen zehnminütigen Ausschnitt aus ihrem neuen, selbst erarbeiteten Stück "Gute Nacht". "Das ist Bewegungstheater", erklärt AG-Leiterin Katerina Gein. Langwierig seien dabei das Finden von Themen und das Erarbeiten von Handlungen. Gesprochen wird wenig, der Plot erschließt sich auch so: Ein Junge legt sich zum Schlafen nieder.

Was er im Traum erlebt, wird von den Schauspielern dargestellt: Wüste Alpträume von Zombies, die mit gierigen Händen nach ihm greifen, wechseln sich ab mit lockerem Geplauder im Szene-Café oder kämpfenden Zentauren. Gerade tanzt er noch entspannt in der Disco, da macht auch schon lautes Wecker-Klingeln seinem Traum ein Ende. Und das ist wieder Schüler-Alltag, wie ihn die Gymnasiasten vom Branich nur allzu gut kennen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung