16.03.2012

Daniela Hayder konnte mitreden

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim/Heidelberg. "Wie wollen wir lernen?" war das Thema, über das Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch,14. März, mit 100 Bürgern in der Heidelberger Stadthalle diskutierte. Im Rahmen ihrer Aktion "Bürgerdialog" war Heidelberg die zweite Station, bei der es um alle möglichen Aspekte des Themas Bildung ging, nachdem die Auftaktveranstaltung sich um das Thema "Zusammenleben in Deutschland" drehte und die Anschluss-Diskussion in Bielefeld die Frage "Wovon wollen wir leben" behandeln wird. 50 Teilnehmer in Heidelberg kamen aus den Reihen von Vereinen und Institutionen, die anderen 50 waren Bürger, die im Vorfeld Bewerbungen einreichten. Eine von ihnen war die Neu-Schriesheimerin Daniela Hayder.

Die promovierte Pflegewissenschaftlerin hat sich für die Diskussion einen Bereich heraus gepickt, der die Themen Pflege und chronische Erkrankungen mit dem Bildungsaspekt verbindet.

Dabei geschieht das "lernen wollen" nicht unbedingt freiwillig. Notgedrungen werden viele Patienten im Laufe der Zeit zu Experten, was ihr Leiden angeht. "Sie haben ja ständig damit zu tun", sagt Hayder. Und mittlerweile werde von ihnen auch einiges an Wissen und Eigenverantwortung vorausgesetzt. Sie und ihre Ärzte sind ständig mit einem riesigen Angebot an Studien oder Forschungsergebnissen konfrontiert, das jedes Jahr über das Internet oder Fachpublikationen veröffentlicht wird: Ständig neues Wissen, verbunden mit der Pflicht zur ständigen Fortbildung. "Gerade in der Medizin veralten Forschungsergebnisse rasend schnell", weiß Hayder. Trotzdem soll immer das Beste und Aktuelle für die Therapie zur Verfügung stehen. "Aber es ist gar nicht zu schaffen, sich das alles anzueignen und umzusetzen", erklärt sie. In einer Übersichtsarbeit widmet sich die gebürtige Brandenburgerin deshalb aktuellen Studien zum Thema Beckenbodentraining, eine Maßnahme, die vom Bildungsministerium gefördert wird: "Es gibt derzeit Tausende von Studien zu medizinischen Versorgungsmöglichkeiten." Das Ziel ihrer Arbeit ist nicht zuletzt Transparenz: "Dadurch kommen die professionellen Akteure im Gesundheitswesen schnell an Informationen."

Die 36-Jährige setzt dieses Ziel konkret um: Ihr Zentrum, in dem das Wissen zu bestimmten Themen gesammelt wird, befindet sie sich momentan in der Startphase. "Zentrum für Wissenstransfer im Gesundheitswesen" soll es heißen, eine Internetseite ist im Aufbau. Auch Hayders Promotionsthema, die Inkontinenz-Forschung, soll dabei einen breiten Raum einnehmen.

Viele Patienten, die daran leiden, seien im Laufe der Zeit zu Experten geworden. Aber nicht immer seien ihre Strategien, mit dem Leiden ihren Alltag zu bewältigen, zu empfehlen. "Manche Patienten sagen, sie trinken einfach weniger", erzählt Hayder. Hier müsse der Hausarzt Aufklärungsarbeit leisten: "Denn weniger trinken ist keine Lösung. Damit können sich die Patienten nämlich einen Harnwegsinfekt einhandeln." Praxisnah sollen die Ratschläge deshalb sein, die ihr Zentrum an Ärzte, Schwestern und Patienten weiter gibt. Praxisnähe hat Hayder selbst ebenfalls, begann sie ihre berufliche Laufbahn doch als Krankenschwester. Sie hat sich selbst oft die Frage gestellt, die sie in die Diskussion mit Merkel einbringen wollte: "Wo fängt Bildung an, und wie wird sie weiter gegeben?"

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung