16.03.2012

Die Schneiders zieht es nach Südafrika

Schriesheim. Die Gastronomie der Weinstadt verliert ihren Sternekoch: Jürgen Schneider hört zum Jahresende im "Strahlenberger Hof" auf. Das bestätigte er am Mittwoch,14. März, im Gespräch mit der RNZ. Schneider und seine Frau Susanne werden sich ihren Traum von Südafrika erfüllen - mit einem Restaurant, versteht sich. Aber auch "mit 14 bis 20 Übernachtungsmöglichkeiten und Freizeitangeboten", wie Schneider sagte.

Im Jahr 1998 kamen die Schneiders aus Mecklenburg-Vorpommern nach Schriesheim und übernahmen den "Strahlenberger Hof". Der Rest ist bekannt. Inzwischen hält Jürgen Schneider den Michelin-Stern im 13. Jahr. Von April 2005 bis Mai 2010 führte das "Sterne-Paar" darüber hinaus noch den "Goldenen Hirsch" in der Heidelberger Straße als "Weinwirtschaft". Das kam nicht von ungefähr, schließlich ist Susanne Schneider nicht nur die Service-Chefin im "Strahlenberger Hof", sondern auch Weinakademikerin. Das Sterne-Restaurant in der Kirchstraße blieb aber auch in dieser Zeit immer die erste Adresse, und das sollte auch so sein. Doch ob es auch so bleibt, wenn die Schneiders gehen?

Jürgen Schneider ist zuversichtlich und hätte schon einen Nachfolger im Auge - einen Freund, der zurzeit noch im schweizerischen Unterengadin als Küchenchef wirbelt: "Der ist ein Naturbursche genau wie ich. Er ist auch so ein Sammler von Pilzen und Waldkräutern. Unser Grundkonzept ist gleich, und er hat einen ähnlichen Kochstil."

Schneider würde sich wünschen, dass sein Nachfolger schon Ende des Jahres im "Strahlenberger Hof" einsteigt: "Das wäre ein fließender Übergang." Doch das müsse er noch mit dem Eigentümer des "Strahlenberger Hof", Peter Bausback, bereden, so Schneider. Daher mochte er den Namen des "Neuen", der viel herum gekommen ist und in der Schweiz auch schon in Wengen und St. Moritz-Celerina an den Herden bedeutender Häuser stand, noch nicht in der Zeitung sehen.

Bekannt ist dagegen schon lange, dass es die Schneiders irgendwann nach Südafrika ziehen würde: "Ja, das war ja schon einige Zeit geplant", sagte Schriesheims scheidender Sterne-Koch.

Im Jahr 1997 fing alles an, mit einer Anzeige im Fachmagazin "Wine Spectator". "Farm for sale" stand dort. Doch zu dem landwirtschaftlichen Anwesen in Stanfort in der Region Overberg an der Atlantikküste, das da zum Verkauf stand, gehörten 500 Hektar Land. Zur Orientierung: Schriesheims Winzergenossenschaft hat insgesamt 130 Hektar Rebfläche. Jedenfalls griffen zehn Gesellschafter damals zu, darunter Geografen, Psychologen, Manager - und die Schneiders. Der Bekanntenkreis nahm das Projekt Weingut Springfontein in Angriff. Hierhin zieht es die Schneiders nun.

"Wir wollen jetzt noch einmal gemeinsam etwas aufbauen." Jetzt, nicht irgendwann. "Später ist vielleicht nicht mehr genug Zeit dazu", sagte Jürgen Schneider. Er ist 56 Jahre alt, sie wird dieses Jahr 50. Im Oktober 2013 wollen sie in Springfontein neu eröffnen. Bis dahin ist jede Menge zu tun: "Neun Monate Planungs- und Bauphase", so Jürgen Schneider. Später, in für ihn noch ganz weiter Zukunft, möchte er sich dann ganz langsam aus dem Geschäft zurückziehen. Obwohl: "Ganz aufzuhören kann ich mir eigentlich gar nicht vorstellen."

Und wie ist die Vorstellung, von Schriesheim Abschied zu nehmen? "Die Stadt ist uns schon ans Herz gewachsen. Daher haben wir uns hier eine Wohnung gekauft", sagte der Spitzenkoch. Zehn Monate werde er dann mit seiner Frau in Südafrika leben und zwei Monate in Schriesheim. Die Schneiders gehen also, aber doch nicht so ganz.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung