21.03.2012

Im KGS wurde ein Trakt im zweiten Stock für die Abi-Prüfung abgeteilt. Fotos: Dorn Mit Humor in der "Prüfung

Schriesheim. (sk) "Flieht, ihr Narren!" warnt Zauberer Gandalf, kurz bevor er sich im zweiten Teil der Trilogie "Herr der Ringe" in den Kampf mit dem Urzeit-Dämon stürzt. Wer weiß, ob nicht auch manchem Abiturienten der Gedanke an Flucht kam, als es am Montag losging mit dem schriftlichen Abitur. Im Kurpfalz-Gymnasium (KGS) wurden die Prüflinge durch das Zauberer-Konterfei gewarnt, das ein Tolkien-Fan aus der Schülerschaft an die Glastür geheftet hatte. Statt mit einem Dämon bekam man es mit einer Deutsch-Klausur zu tun, und die wurde auch nicht in der Mine von Moria geschrieben, sondern im Fall des KGS in der "Prüfungszone", einem abgeriegelten Gang im zweiten Stock.

"Es wäre unser Wunsch gewesen, in der Mehrzweckhalle zu schreiben", erklärte Schulleiter Matthias Nortmeyer. Die Schule konnte dort wegen der energetischen Sanierung allerdings keinen "Probedurchlauf" machen. Und ohne Generalprobe wollte sich der Direktor nicht auf das Wagnis einlassen, den diesmal riesigen Jahrgang durch das Abi zu schleusen. Wegen des "Doppel-Abiturs" waren es nämlich 140 Prüflinge, also der letzte Jahrgang, der noch nach neun Jahren die Reifeprüfung ablegt und der erste, der bereits nach acht Jahren Abitur macht. Die Lösung im eigenen Gebäude wurde möglich, weil sich viele Klassen während der Prüfungswoche zu Ausflügen entschlossen, während für die Zehntklässler gerade das Berufspraktikum anstand. "Die Schüler nahmen die Prüfungszone mit Humor", beschrieb Nortmeyer einen Schüler, der in einem T-Shirt mit der Aufschrift "Insasse der Prüfungszone" gekommen war, auf dem noch seine "Häftlingsnummer" prangte.

Gelassen ging man auch im privaten Heinrich-Sigmund-Gymnasium (HSG) mit dem "Doppel-Abitur" um: Alle 54 Kandidaten schrieben ihre Klausuren an Einzeltischen in der Turnhalle. "Es war nicht laut", fand Abiturientin Marcela, als sie am Mittag ihre Prüfungsunterlagen abgab. "Ich bin sehr zufrieden", sagte Schulleiter Dr. Wolfgang Metzger - einmal im Hinblick auf den Verlauf des ersten Prüfungstags, einmal mit Blick auf die Prüfungsunterlagen. ________________________________________________

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Eine von fünf Aufgaben musste bearbeitet werden, darunter waren zwei, die sich mit der Schullektüre beschäftigten. Zwei Klassiker, Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" und Kafkas "Der Proceß", sollten in der ersten Aufgabe gegenüber gestellt werden. Thema der zweiten Aufgabe war Kleists "Michael Kohlhaas", ansonsten ging es um die Interpretation eines Zitats, die Auseinandersetzung mit einem Zeitungstext und den Vergleich eines Kästner-Gedichts mit einem Werk von Erich Fried. "Ich glaube, die meisten haben sich für den Dürrenmatt-Text entschieden", vermutete HSG-Schülerin Alessia. Denn das war der Text, der in den letzten Wochen besonders intensiv vorbereitet wurde. Ihre Schulkameraden Franziska und Yannik entschieden sich für "Kohlhaas", Gedicht-Interpretationen waren weniger gefragt. Geflohen war an diesem Morgen jedenfalls niemand. Am Dienstag wird das Abi mit der Mathe-Klausur fortgesetzt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung