18.04.2012

Seit dem Baustopp ist nicht mehr viel passiert

Schriesheim. (sk) Das Jugendkulturhaus leuchtet schon von Weitem in adrettem Weiß. Doch wenn man erst einmal drin ist, sieht man, dass es an vielem fehlt. Sitzgelegenheiten in der Ecke und ein Tischfußballgerät sind zwar vorhanden, eine Kaffeemaschine und Küchengeräte fehlen. Beim Anblick der schmuddeligen Küchenzeile denkt man weniger an Kaffeetrinken, sondern eher ans Putzen und Aufräumen: Die Arbeitsplatte klebt, im Waschbecken hängt ein schmutzstarrender Lappen, unter der Spüle ist Mäusekot, und in der Schublade liegt eine Flasche mit undefinierbarem Inhalt. Fast ist man froh, dass der heruntergelassene Laden vor dem eingeschlagenen Fenster nicht das ganze Chaos offenbart. Auf den traurigen Zustand des Hauses angesprochen, nickt Jugendsozialarbeiter Joachim Lautenschläger: "Hier ist seit dem Baustopp nicht mehr viel passiert."

Alles fing einmal vielversprechend an: Vor zehn Jahren kaufte die Stadt die alte Fabrikhalle des Bauunternehmers Wilhelm Busch, um hier ein Jugendhaus einzurichten. Nach ihm hieß das Areal auch "Busch-Gelände", und von ihm hat auch die Reihe der Benefizkonzerte "Rock im Busch" ihren Namen.

Im Juli 2003 fand das erste Konzert statt, Top-Act war damals die Formation "Groove Gorilla". Leider war dem Abend wegen strömenden Regens nicht allzu viel Resonanz beschieden. Im Oktober 2003 formierten sich die Jugendhaus-Aktiven zum Verein. In Abweichung vom ursprünglichen Namen nannten sie ihn "Push", weil sie wortwörtlich etwas "anschieben" wollten. "Das Ziel des Vereins ist die Einrichtung eines Jugend- und Kulturzentrums auf dem ehemaligen Busch-Gelände", hieß es. Im Internet erklären die Push-Mitglieder, deren eigene Seite derzeit nicht aufgerufen werden kann: "Zudem wollen wir die Ansprechstation für die Jugendlichen rund um den entstehenden Jugendpark sein und bei Fertigstellung des Gebäudes den Betrieb in enger Zusammenarbeit mit der Jugendsozialarbeit aufnehmen." Eine Absichtserklärung, die Lautenschläger noch einmal bekräftigte (siehe Interview).

2004 gab es eine Neuauflage des Konzerts mit 400 Besuchern. Weiter ging es in den folgenden Jahren und 2010. Fast immer war die Ladenburger Band "Four Sided Cube" dabei. Bilder von damals, etwa 2006, zeigen einen Bühnenaufbau mit professioneller Lichttechnik und jede Menge begeistertes Publikum. Der Umbau der Halle war Knochenarbeit: Das alte Dach musste ersetzt werden. Die Dachziegel, die vorgesehen waren, erwiesen sich als untauglich. Trotz Rückschlägen bekamen die Schaffer immer wieder Unterstützung: Mal wurden Baumaterialien oder ein Gerüst kostenlos zur Verfügung gestellt, mal eine Planung gemacht, und mal brachten sich Schriesheimer Handwerker ein. Wände wurden gezogen, Fenster eingesetzt, Strom, Wasser und Heizungsanlage installiert, es wurde gefliest, verputzt, isoliert, gestrichen, Böden wurden verlegt und das Außengelände gestaltet. Es könnte gemütlich sein, aber die Spuren von Vandalismus sind unübersehbar. So wurden, kaum dass die Isolierung auf den Mauern klebte, mit Zigaretten Brandlöcher in das Material geschmort. Überall auf dem Grundstück wurden Zigaretten ins Erdreich getreten, die hölzerne Theke ist schon jetzt verschrammt und mit Rotweinflecken übersät: Nicht immer gehen Partygäste, die das Haus für ihre privaten Feste mieten können, sorgsam mit dem Gelände und dem Inventar um.

Zuletzt der Baustopp: Verursacht wurde er durch einen Container-Brand, der die Mitglieder zwang, alles, was dort gelagert war, im großen Raum abzustellen. Weshalb es dort bis jetzt aussieht wie eine Mischung aus Möbellager und Baumarkt. Nur eben nicht wie in einem Partyraum.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung