18.04.2012

"Es gibt hier schon Problem-Jugendliche"

"Es gibt hier schon Problem-Jugendliche"Joachim Lautenschläger will bald 'in die Pötte kommen' und ab Anfang Mai im Jugendhaus vor Ort sein. Seine Angebote sollen sich an die Gruppe zwischen 12 bis 25 Jahren richten. Foto: Dorn

Schriesheim. (sk) Zwei Ereignisse rückten das Thema Jugendsozialarbeit kürzlich wieder in den Blickpunkt: Einmal die Ablehnung einer Schulsozialarbeiter-Stelle durch den Gemeinderat mit einer hauchdünnen Mehrheit von nur einer Stimme, und einmal die Jugendhaus-Begehung durch die Grünen im Vorfeld der Sitzung. Über das Jugendhaus, den Schulsozialarbeiter und die Jugendarbeit sprach die RNZ jetzt mit Jugendsozialarbeiter Joachim Lautenschläger.

Herr Lautenschläger, Sie sind seit Februar der neue städtische Jugendsozialarbeiter. Warum haben Sie sich für den Schulsozialarbeiter ausgesprochen?

Nicht nur ich, sondern alle Betroffenen wie Jugendgemeinderat, SMV, Schulleitungen waren dafür. Der Grund: Schriesheim hat ein Schulzentrum mit allen Schularten, das von 1500 Schülern besucht wird. Das ist von vorneherein ein Nährboden für alle möglichen Konflikte.

Ein Argument im Gemeinderat gegen den Schulsozialarbeiter war, dass es keine Notwendigkeit für eine solche Stelle gibt.

Es gibt hier schon Problem-Jugendliche, das habe ich bereits bei Einzelfallgesprächen erlebt. Auch wenn Schriesheim kein sozialer Brennpunkt ist, gibt es auch hier Alkohol- und Drogenmissbrauch, Mobbing und Cyber-Mobbing. Damit so etwas nicht eskaliert, braucht man Prävention. Die hätte ein Schulsozialarbeiter leisten können. Prävention ist immer die bessere und billigere Alternative.

Was bedeutet die Ablehnung der Stelle im Alltag für Sie?

Schon meine Vorgängerin Nicola Klamer hat kritisiert, dass man hier allein "rumschwirrt". Auch wenn ich auf ein gutes Fundament aufbauen kann und gute Netzwerke habe, fehlt mir der kollegiale Austausch. Und schon jetzt habe ich ein breites Einsatzgebiet von der klassischen Einzelfallhilfe über Schule, die Arbeit mit Jugendgemeinderat und Push, Jugendarbeit in Altenbach und meinen Einsatz im Jugendkulturhaus. Ich mache im Prinzip alles, das kann so auf Dauer nicht funktionieren. Ein Betrieb im Jugendhaus mit vier Öffnungstagen ist schon jetzt nicht realisierbar.

Wie geht die Stadt mit der Situation um?

Es gab ein langes Gespräch mit Bürgermeister Hansjörg Höfer, Hauptamtsleiter Edwin Schmitt und Vertretern vom Push-Verein und mir. Es wurde vereinbart, dass es eine ständige Kommunikation zwischen Push, Jugendsozialarbeit und Stadt geben soll. Außerdem könnte es 2013 klappen, dass ein FSJler zur Unterstützung kommt.

Stichwort Push-Verein und Jugendkulturhaus. Grünen-Stadträtin Gisela Reinhard sprach von einem "Desaster" im Zusammenhang mit den Zuständen auf dem Push-Areal, Hauptamtsleiter Schmitt beklagte eine "Cliquenwirtschaft für wenige" und ein "verwahrlostes Außengelände". In der Tat machen Haus und Garten nicht gerade einen einladenden Eindruck.

Es gab vor einiger Zeit einen Baustopp. Irgendwann haben Unbekannte angefangen, hinterm Haus Sperrmüll abzuladen. Helfer vom Push-Verein, Jugendgemeinderat und ich haben schon das meiste aufgesammelt und in einen Container geladen. Der ist mittlerweile abtransportiert, aber es liegt immer noch Müll hinterm Haus, der noch weg muss. Drinnen ist auch noch einiges zu tun: Der Probenraum muss aufgeräumt, Steckdosen gesichert und die Behindertentoilette fertig gebaut werden. Trotzdem wollen der Jugendgemeinderat und ich hier am 26. Mai den Abschluss der "Woche der Jugend" feiern. Für diesen Tag habe ich drei Jugendbands eingeladen, dazu wollen wir grillen. Zur Fußball-EM will ich "public viewing" anbieten.

Für wen ist das Jugendkulturhaus eigentlich gedacht?

Mein Angebot richtet sich an alle zwischen 12 und 25, für die ich je nach Altersgruppe Angebote schaffen will: Bandworkshops, eine "offene Bühne" und Konzerte, auch mal einen Nachmittag, an dem wir an der Gestaltung des Hauses arbeiten, etwa mit Graffiti. Eventuell gibt es nach den Sommerferien schon eine Kooperation mit der Musikschule. Schön wäre es, wenn der Push-Verein als Hausherr nach wie vor seine Veranstaltungen wie die Beachvolleyballparty, "Rock im Busch" oder das Bolzturnier anbieten würde.

Abgesehen von Musik, Sport und Kunst: Warum sollen die Jugendlichen kommen?

Zum einen, weil es in Schriesheim für sie nichts anderes gibt. Dann ist das Haus ja schon eine tolle Ressource, die ich nutzen will. Mein Ziel ist, dass sich die Jugendlichen hier zu Hause fühlen, dass sie das Haus als eine Art "zweites Wohnzimmer" ansehen und sich damit identifizieren können. Deshalb will ich auch bald "in die Pötte kommen" und ab Anfang Mai öffnen. Das kommt mir auch persönlich entgegen, da ich nicht nur am Schreibtisch arbeiten, sondern den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen will.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung