07.05.2012

Wird die Kerwe irgendwann nicht mehr ausgegraben?

Schriesheim-Altenbach. (Si) Der erste Kerwelauf der Grundschulkinder - auch Sponsorenlauf genannt - war eine echte Bereicherung des ansonsten eher ruhigen Kerwesonntags, der traditionsgemäß überwiegend den Altenbachern in ihren Straußwirtschaften gehört. Doch bevor der Startschuss fiel, versammelten die Altenbacher Kirchengemeinden ihre Schäfchen zum ökumenischen Kerwegottesdienst, der wegen des unsteten Wetters in der Kirche und nicht wie vorgesehen auf dem Kerweplatz stattfand.

Musikalisch gestalteten der Katholische Kirchenchor und die Altbläser die Messe, und der neue Projektchor stellte sich mit afrikanischen Liedern vor. Gemeindiakon Nagel (Evangelische Kirche) und Pastoralassistentin Veronika Gwosch (Katholische Kirche) freuten sich über eine volle Kirche.

Alle Altenbacher Gruppierungen taten am Kerwewochenende ihr Bestes, um die Gäste zu unterhalten und zu bewirten und sparten auch nicht mit Musik. Petrus zum Trotz war der Samstagabend gut besucht - vor allem in der "Kerwestubb'" der Fußballer (TSG) und in der Floriansklause der Feuerwehr herrschte beste Stimmung. Gleich drei Live-Bands heizten bis Mitternacht ein, samstags die "Flamingos" und erstmals am Sonntag "Coco Jones und Crack the Sky" im Schulhof.

Die Zirkuskinder des TV sagten samstags allerdings ihre Aufführung überraschend ab. Am Sonntag waren das Kerwe-Café und das Unterhaltungsprogramm auf dem Schulhof gern angenommene Treffpunkte. So scheint es, dass man sich um die Zukunft des traditionsreichen Festes keine Sorgen machen muss, wenngleich bei den Vereinsvertretern da die Meinungen durchaus auseinandergehen. Und ihre Befürchtungen, dass am Ende alles auf ihren bereits schon schwer belasteten Schultern abgeladen werde, scheinen noch nicht ausgeräumt zu sein. "Schließlich hat man schon im eigenen Verein genug zu tun." Die Kerweorganisation liegt weiterhin in den Händen der Verwaltung. Doch diese wiederum vermisst nach wie vor die Bereitschaft einiger Gruppen mitzuziehen. "Was ist zum Beispiel, wenn die Fußballer nicht mehr die 'Kerwestubb' machen?" Die Last ruhe auf einigen wenigen Aktiven, "auch schon letztes Jahr war es schwer, Leute zu finden", so die Befürchtungen von Ortsvorsteher Alfred Burkhardt, "wenn die auch noch wegfallen, können wir die Kerwe sinngemäß begraben, zumal auch die letzte Gaststätte (Flößer) Ende Mai schließt."

Doch so weit ist es noch nicht. Kerwelauf, flotte Bands, Kirchencafé und viele weitere Aktivitäten der Gruppen lassen hoffen, dass die Altenbacher Kerwe nicht so schnell begraben wird beziehungsweise dass die Kerwe jedes Jahr wieder ausgegraben wird und alle mithelfen, sie am Leben zu erhalten.

Am Montag geht die Kerwe in den Endspurt mit Frühschoppen in allen Gast- und Straußwirtschaften. Das traditionelle Knöchelessen mit Musik im "Flößer" wird es danach nicht mehr geben. Um 19 Uhr findet das Treiben dann sein trauriges Ende. Zum Begraben der Kerwe zieht das Kerwevolk zum Buswendeplatz, um dort in feierlicher Zeremonie Kerweschlumpel Danuta unter Tränen zu verbrennen. Dann wird zum Kehraus in die Gast- und Straußwirtschaften geladen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung