19.05.2012

Hinauf zum Tempel

Hinauf zum Tempel

Schriesheim-Altenbach. (keke) "Baustein um Baustein" soll die Altenbacher Ortsmitte in den nächsten Jahren ein neues Gesicht erhalten. Nach der gelungenen Schulhof-Umgestaltung ist in einem zweiten Bauabschnitt jetzt der Bereich um die evangelische Kirche dran. Landschaftsarchitekt Friedhelm Natzschka (Walldorf) stellte am Mittwochabend erstmals Vorentwurfsplanungen vor.

Natzschkas Ansatzpunkt: Das "dörfliche Erscheinungsbild" Altenbachs stärker hervorzuheben sowie "die Kirche als prägnantes Objekt ins Dorf zurückzuholen und auf den Platz ausstrahlen zu lassen". Gelingen könne dies durch ein "Freiräumen" ihrer Umgebung: "Der vorhandene Grünkeil muss weg".

Der Höhenunterschied zwischen Kirche und Platz, so der Planer, stelle kein Hindernis dar. Dieser könne mithilfe eines aufgelockerten Treppenbauwerks aufgefangen werden. Allerdings: "Eine Rampe für Rollstuhlfahrer ist wegen der Höhe nicht möglich". Dazu müsste eine zu lange Auffahrt gebaut werden, um die Rampe zu fassen. Den Platz und seine Aufenthaltsqualität weiter erhöhen ("Wir wollen die Qualität des Wassers sichtbar machen") soll zudem eine Teil-Freilegung des verdolten Bachlaufs als "Wasser führende Rinne" mit einem regulierten Wasserstand von maximal fünf Zentimeter Höhe. Geplant sind zudem acht zusätzliche Stellplätze. Das Besondere: Sie würden senkrecht zur Hauptstraße ausgerichtet angelegt. Für Natzschka stellt das Ein- und Ausparken angesichts der Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Stundenkilometer kein Problem dar. Als Abgrenzung der Parkflächen sind Grünelemente vorgesehen, die bei Bedarf ohne großen Aufwand entfernt werden können.

"Verschoben" und als "erzieherische Maßnahme" zu einer Pförtnerampel umfunktioniert wird die Lichtsignalanlage. "Kommt ein Auto schneller als mit 30 Stundenkilometern herangebraust, so schaltet die Ampel mit Hilfe von Sensoren auf Rot." In Verbindung mit der vorgesehenen Verengung der Einfahrten in die Rathaus- und die Kippstraße trage sie damit zusätzlich zur Verkehrsberuhigung bei, erläuterte der Planer. Als weitere Maßnahme schwebt Natzschka eine Verbreiterung des Gehwegs auf der Südseite der Hauptstraße auf 1,30 Meter vor.

"Noch aber ist nichts fest zementiert", verwies Ortsvorsteher Alfred Burkhardt in der Diskussion darauf, dass zunächst mit den privaten Anliegern Kontakt aufgenommen werde. Und auch die Verkehrsbehörde habe hier noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden, machte Stadtbaumeisterin Astrid Fath deutlich.

Auch deshalb erwartet Burkhardt noch eine ebenso breite wie fruchtbare Diskussion und "viele Fragen und Anregungen" sowohl innerhalb des Ortschaftsrates als auch vonseiten der Bürger. Das Angebot zur Diskussion nutzte dann gleich Dr. Herbert Kraus (FW) dazu, den auch künftig im hinteren Bereich angesiedelten Standort des Buswartehäuschens zu kritisieren. Bei Regen dort Unterschlupf suchende Fahrgäste würden vom Busfahrer oft zu spät oder gar nicht wahrgenommen: "Schon jetzt halten deshalb viele Fahrer nicht an und fahren einfach durch".

"Nicht ideal" fand Volker Neveling die vorgesehene Wegeführung, nach der Grundschüler ihren Schulweg künftig zwischen parkenden Autos und dem Bachlauf nehmen müssten. "Zu gefährlich", fand der Vorsitzende des Fördervereins. Bei allen Plänen die evangelische Kirchengemeinde "nicht außen vor zu lassen", mahnte Karl Reidinger (CDU) an. Für die Protestanten beinhalteten die Pläne den größten Einschnitt: "Ohne deren Zustimmung steht und fällt alles". Karin Malmberg-Weber als Vertreterin der evangelischen Kirchengemeinde und Burkhardt wiegelten ab. Man beschneide die Kirche in keiner Weise in ihrer Fläche. Die Umgestaltung vollziehe sich vollkommen auf städtischem Grund, so der Ortsvorsteher. "Unser Architekt hat seinerseits und unabhängig von den städtischen Plänen ebenfalls eine Treppe ,hinauf zum Tempel' vorgesehen", so Malmberg-Weber: "Dieses Erhabene kommt gut an".

"Die entsprechenden Haushaltsmittel sind eingestellt", sagte Burkhardt. Nämlich die Mittel für die Planung und den Folgeantrag für Gelder aus dem "Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum" (ELR), von dem die Stadt auch bei der Ortsmittengestaltung weiter profitieren will. "Jetzt liegt es an uns, wie wir vorankommen", so der Ortsvorsteher.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung