19.05.2012

Die Friteuse brannte lichterloh

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Es begann recht harmlos: Ein kurzer Stromausfall, nur wenige Sekunden, dann liefen alle Geräte wieder. Wenig später, kurz vor sieben Uhr Abends, der zweite Stromausfall, schon etwas länger. "Da hat sich noch keiner etwas gedacht", sagt Ernst Schmitt. Der Wirt des Gästehauses "Weinstuben Hauser" wirkt am Freitag noch etwas mitgenommen von dem, was sich am Vorabend aus dem zunächst unspektakulären Stromausfall entwickelte.

In der Küche heizte die Friteuse plötzlich ohne Zutun stark auf. In kürzester Zeit wurde das Fett darin siedend heiß. "Ich habe schnell die Sicherung ausgemacht und die Lüftung abgeschaltet", erzählt Schmitt. Trotzdem entzündete sich das Fett: meterhoch schoss eine Stichflamme nach oben. Mit einer Löschdecke rückte Schmitt dem Feuer zu Leibe. Das klappte zunächst auch recht gut, die Flammen schienen unter Kontrolle zu sein. "An einer Ecke hat es aber wieder angefangen zu brennen, also habe ich Lösch-Schaum darauf gespritzt", so Schmitt. Auch der speziell für heißes Öl einsetzbare Schaum bewirkte nicht viel.

Was Schmitt nicht wusste: "Löschdecken sind zum Abdecken einer Friteuse völlig ungeeignet, da sie sich mit dem brennenden Fett voll saugen und das Fett dann an der Decke weiter brennt", so Feuerwehrkommandant Oliver Scherer.

Was im Einsatzbericht der Freiwilligen Feuerwehr nüchtern klingt, brachte den Wirt und sein Team schier zur Verzweiflung. "Ich habe gedacht, dass ich das Feuer noch selbst unter Kontrolle bringe", berichtet er. Immer mehr Handtücher habe er auf das Feuer geworfen, um die Flammen zu ersticken. Dass die Küche und die angrenzenden Räume mittlerweile völlig verraucht waren, bekam er nur am Rande mit. Seine Frau Ingrid reagierte und rief schließlich die Feuerwehr. Die kam kurz darauf mit 18 Mann und fünf Einsatzfahrzeugen. Mit zwei Fettbrandlöschern und einem Hochdruckschaumlöscher hatten die Kameraden unter Atemschutz den Brand schnell im Griff, während die Gasversorgung abgestellt wurde. Mit zwei Überdrucklüftern wurde der Rauch aus dem Gebäude geblasen. Die Gäste, die sich an dem lauschigen Frühlingsabend im Freien niedergelassen hatten, bekamen von dem Brand zunächst gar nichts mit, bemerkten erst später den Einsatz der Feuerwehr.

Die Sanitäter vom Roten Kreuz, die mittlerweile eingetroffen waren, brachten die Wirtsleute mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus, während die Polizei der Brandursache auf den Grund ging. "Unterdessen musste es im Hotel und im Restaurant weitergehen", sagt der Hotelier und dankt seinen Freunden, der Familie Schäfer, die dafür sorgte, dass alles reibungslos funktionierte. Auch die frühere Wirtin, Käthe Hauser, griff dem Ehepaar tatkräftig unter die Arme. Bald wurden Schmitts wieder aus dem Weinheimer Krankenhaus entlassen und durften nach Hause. "An dem Abend haben wir erst mal gar nichts mehr gemacht", sagt der Wirt, der dankbar ist, mit "einem blauen Auge davon gekommen" zu sein.

Dieses "blaue Auge" ist ein Schaden von etwa 30.000 Euro, wie die Versicherung am Freitag schätzte. Grill und Friteuse sind unbrauchbar, den ganzen Vormittag waren die Wirtsleute und ihre Helfer mit Putzen beschäftigt. Ersatzgeräte wurden beschafft, und wenige Stunden nach dem Brand war schon wieder die Normalität im Restaurantbetrieb eingekehrt. Wer will, kann im Gasthaus "Hauser" heute sogar schon wieder Pommes essen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung