19.05.2012

Ein Ort, Vertrauen neu zu finden

Ein Ort, Vertrauen neu zu finden

Schriesheim. (sk) Innen wie außen ist die neue Kapelle auf dem Talhof geradlinig und schlicht. Der Boden besteht aus Beton, zwei Milchglasscheiben und eine verglaste Türfront bringen Helligkeit in den kleinen Raum. Der ist karg eingerichtet mit einigen Holzbänken und einem Altar aus einem Baumstamm. Nur der wollig-weiße Putz und das einzige Bild des Innenraums verweisen auf den Namen des Bauwerks, das jetzt mit einem Gottesdienst eingeweiht wurde: In der "Kapelle zum Guten Hirten" hängt das Porträt eines Schäfers mit Heiligenschein.

Außen führt ein geschwungener Pflasterweg zur Kapelle, anlässlich der Einweihung extra von frisch ausgewalztem, sattgrünem Rollrasen umgeben. Er führt an dem großen Nussbaum vorbei, den vor vielen Jahren noch der erste Talhof-Leiter Werner Klann pflanzte.

Auch die Kapelle verdankt ihre Existenz privater Initiative: Zu seiner Pensionierung wünschte sich Pfarrer Ernst Kratzert keine Geschenke, sondern ausschließlich Spenden, die zum Bau der Kapelle beitragen sollten. Auf diese Weise kamen etwa 10 000 Euro zusammen, ein Betrag, der ziemlich genau die Kosten der Errichtung deckte. So konnte sich der frühere Geschäftsführer der Evangelischen Stadtmission Heidelberg einen Wunsch erfüllen: Eine Kapelle zu bauen wie die auf der Tromm, in die er auf seinen Wanderungen einkehrte. Eben eine "Kapelle zum Guten Hirten". Dr.Wolfgang Wagner vom Stadtmissions-Vorstand erinnerte in seinem Grußwort zur Einweihung an diese Beweggründe. Ansonsten war die Feier wie die Kapelle: schlicht und schnörkellos.

Trotzdem waren gleich drei evangelische Geistliche anwesend: Schriesheims Pfarrerin Suse Best, Dekan Rainer Heimburger und Kratzert. Von katholischer Seite war Pfarrer Ronny Baier vertreten. Alle Geistlichen bezogen sich in Ansprachen und Lesungen auf den 23. Psalm der Bibel, in dem vom Guten Hirten die Rede ist.

Kratzert berichtete von der Leidensgeschichte einer Freundin, die an Krebs starb und für die der Psalm eine große Bedeutung hatte. "Wir sind nicht alleingelassen", erklärte der Pfarrer. Ob nun im finsteren Tal oder anderswo. Deshalb solle die Kapelle ein Ort werden, an dem viele Menschen ihr Vertrauen in den Guten Hirten neu finden sollen.

In seinem Grußwort ging Bürgermeister-Stellvertreter Anselm Löweneck auf christliche Werte ein, als die er Gottes- und Nächstenliebe, soziales Handeln und Toleranz ansah: "Diese Werte finden heute ihre Manifestation in dieser Kapelle und machen diesen Platz zu einem besonderen Ort", so Löweneck.

Musikalisch vielfältig umrahmt, gab es ein Repertoire vom Ragtime über Spirituals bis zu Kirchenliedern, bevor Wagner an Kratzert einen Vorabdruck der Stifterplakette überreichte, die den Innenraum zieren soll (s. weiteren Bericht).

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung