04.06.2012

Im Herbst soll die Orgel abgebaut werden

Schriesheim. (kaz) Die inzwischen 35 Jahre alte Orgel in der Evangelischen Stadtkirche muss dringend renoviert werden. Der 2007 gegründete Orgel-Förderverein hat durch zahlreiche Aktionen bereits zwei Drittel der 90.000 Euro erwirtschaftet, die die Gemeinde zur Renovierung beisteuern muss. Fragt sich nur: Reicht das oder wird das Projekt durch eine EU-Richtlinie teurer?

Diese schränkt die Verwendung von Blei als Arbeitsmaterial künftig stark ein. Inwiefern der Orgelbau betroffen sein wird, ist noch nicht ganz klar. Der Orgelbau-Betrieb Jäger & Brommer in Waldkirch soll die Orgel in der Stadtkirche in Schuss bringen. Laut Geschäftsführer Heinz Jäger müssen rund 300 Pfeifen erneuert werden.

"Orgelpfeifen ohne Blei zu gießen geht eigentlich gar nicht", sagt der Fachmann. Demnach sorgt die Mischung aus Blei und Zinn für den besonderen Klang. Den Anteil von Zinn zu erhöhen, wäre seinen Worten nach denkbar. Dieser Rohstoff unterliege auf dem Weltmarkt aber starken Preisschwankungen, so Jäger. Momentan werde die Tonne für etwa 17.000 Euro gehandelt. Bisher geht der Unternehmer noch davon aus, dass es bezüglich der Verwendung von Blei für Orgelbauer eine Ausnahmeregelung von der EU-Richtlinie geben wird. Die Renovierung der Orgel in der Stadtkirche geht Hand in Hand mit jener des Gotteshauses. Da gab es einige Verzögerungen. Nun ist geplant, das Instrument im Herbst abzubauen und in die Werkstatt nach Waldkirch zu verfrachten. Die Orgel soll dort unter anderem ein größeres Schwellwerk bekommen. Auch die Blasebälge aus Ziegenleder müssen teilweise erneuert und sämtliche Bestandteile des Instruments vom Spieltisch bis zu den Tonventilen generalgereinigt werden.

Organist Martin Fitzer hatte von der EU-Richtlinie bisher noch gar nichts mitbekommen, wie er auf RNZ-Anfrage sagte. Allerdings ist er sich sicher: Bleifreie Orgelpfeifen kann es auch in Zukunft nicht geben, weil das technisch nicht machbar ist. Als Aktiver des Orgel-Fördervereins kennt sich auch Volkmar Arnold mit dem Innenleben des Instruments gut aus: Die Klangqualität wäre durch das Auslagern der größten Pfeifen, die dann an der Wand platziert würden, zu erhöhen. Über die Vorgehensweise ist er mit Jäger & Brommer in Kontakt. Er weiß auch, was es mit der "Schwebung" auf sich hat. Dabei handelt es sich um die Überlagerung von Schwingungen, die sich beim Orgelspiel wie ein "Wimmern" im positiven Sinne anhören und ebenfalls ein Qualitätsmerkmal sind.

Derweil arbeitet der Förderverein unermüdlich daran, für die Renovierung der Orgel weitere Spenden zu sammeln. So wird es in Zusammenarbeit mit der Musik- und Singschule an drei Samstagen eine Art "Konzert zum Wochenmarkt" geben. Die Konzerte sind für den 23. und 30. Juni und für den 7. Juli geplant. Außerdem wird es demnächst nochmals ein Gespräch mit dem Leiter des bei der Evangelischen Landeskirche angesiedelten Orgel- und Glockenprüfungsamtes, Dr. Martin Kares. geben. Dort geht es dann auch um die Zuschüsse für die Orgel-Renovierung.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung