04.06.2012

"Die Queen ist wie die Mutter der Nation"

Schriesheim. (sk) Wenn das Krönungsjubiläum der Queen in den kommenden Tagen in ganz Großbritannien mit Festakten und Konzerten gefeiert wird, fiebern auch einige Schriesheimer mit. Eine davon ist die im britischen Luton geborene Lynn Schoene, Kuratorin des Museums Théo Kerg, freischaffende Künstlerin und Dozentin an Bildungseinrichtungen der Region. Die RNZ sprach mit ihr über ihre Einstellung zum Königshaus und zu den anstehenden Feierlichkeiten.

Frau Schoene, werden Sie zum Krönungsjubiläum nach England fahren?

Nein, ich war aber letzte Woche dort. In London herrscht eine sehr fröhliche Stimmung, die Leute freuen sich auf die Feste und die Feiertage. Es werden in den Straßen Nachbarschaftsfeste geplant, wo draußen zusammen gefeiert wird. Es gibt eine Boots-Prozession auf der Themse und ein großes Konzert; schon jetzt sind Tausende Besucher in London, und es ist voll auf den Straßen.

Die Queen feiert das 60. Jubiläum ihrer Krönung, sie regiert seit zwei Generationen. Was bedeutet das für Sie persönlich?

Als ich ein Kind war, war die Queen für mich das Nonplusultra. Einmal sollte sie in unsere Stadt kommen und eine Bibliothek eröffnen. Zusammen mit meiner Mutter stand ich am Straßenrand, um sie zu sehen. Ich habe jemand mit einer großen goldenen Krone auf dem Kopf erwartet und immer danach Ausschau gehalten. Ich habe meine Mutter gefragt, wann sie denn nun kommt. Als sie mir die kleine Frau mit dem blauen Mantel gezeigt hat, hat das meine kindliche Märchenwelt ein wenig erschüttert.

Seit 1973 leben Sie in Deutschland. Wie sieht man als "Exil-Britin" die Monarchie in Großbritannien im Vergleich mit dem deutschen Regierungssystem?

Ganz positiv. Im Gegensatz zum Bundespräsidenten in Deutschland kann man die Royals nicht wählen, man muss sie nehmen, wie sie sind. Dafür steht die Monarchie für Kontinuität, während ein Bundespräsident sich kaum etabliert hat und schwuppdiwupp schon wieder weg sein kann. Die Monarchie ist eine Institution, in England ist man sehr stolz auf sie, auch wenn man sie nicht unkritisch sieht. Ein wenig mehr Nationalstolz würde den Menschen in Deutschland auch gut tun. Etwa in der Art, wie die Schriesheimer auf ihr Schriesheim stolz sind.

Sind Sie im Ausland "britischer" als in England?

Das kann schon sein, denn es ist ja so, dass Schriesheim mittlerweile mein Zuhause ist. England ist dagegen meine Heimat. Ich brauche den regelmäßigen Heimatkontakt und fahre alle paar Wochen nach London. Ich liebe London, bin 40 Kilometer entfernt aufgewachsen und habe ein Jahr lang dort gelebt. Die alten Klischees, die man hier von England hat, nerven mich oft: Das schlechte Wetter und das schlechte Essen, das ist alles gar nicht richtig. Es ist so wie das Klischee vom Deutschen in der Lederhose.

Wird das Krönungs-Jubiläum auch hierzulande von vielen Briten gefeiert?

Es gibt einige Briten hier, in Mannheim gibt es Stammtische von englischen Muttersprachlern, und ich habe auch zwei sehr gute englische Freundinnen hier. Wir feiern das Jubiläum aber nicht mit einer Party. Ich habe mir allerdings eine Girlande gekauft, die ich nach draußen hängen will, und ich gucke mir bestimmt auch die Übertragung in der BBC an. Auch die Hochzeit von Kate und William habe ich damals mitverfolgt.

Haben sie einen "Lieblings-Royal"?

Ich mag Prinz Harry sehr gerne. Er hat Witz und Humor, ist spontan und geht auf die Leute zu. Manchmal sind seine Auftritte etwas unglücklich, aber das macht ihn auch menschlich. Ich mag auch Kate und William und auch Charles. Die Queen ist zwar nicht die Mütterlichste, aber trotzdem so etwas wie die Mutter der Nation. Bei ihr wünsche ich mir nur, sie hätte eine andere Frisur. Es sieht immer so aus, als ob sie die Lockenwickler noch drin hätte.

Abgesehen von der Dauerwelle: Haben Sie noch andere Wünsche für die Monarchie?

Es wäre schön, wenn die Royals etwas zugänglicher wären und sich natürlicher verhalten dürften, so wie Harry. Dass sich die steife Etikette etwas lockert. Nicht zu sehr, denn sonst wären sie ja wie alle anderen Menschen, aber sie dürften ruhig mal zeigen, dass sie menschlich sind.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung