11.06.2012

Feuerwehrleute bauten einen Damm

Schriesheim. (sk) Wenn es brennt im Schriesheimer Wald, dann kann sich die Feuerwehr nicht auf Navigationsgeräte verlassen, sondern muss auf die Waldkarte zurückgreifen. Blau sind die Wasserläufe verzeichnet, grün die Gemarkungsgrenzen und rot die Wege, die man mit Großfahrzeugen befahren kann. Schwierig wird es, die Entfernungen abzuschätzen, die man auf den verschlungenen Pfaden zurücklegt.

"Etwa acht Kilometer bis zur oberen Einsatzstelle", schätzt Feuerwehrkommandant Oliver Scherer zu Beginn der Waldübung. Im Naturschutzgebiet Wendekopf, unweit des Rückhaltebeckens, wird ein Brand angenommen. Er soll mit der "Riegelstellung" unter Kontrolle gebracht werden: Dem Feuer wird sowohl von der Tal- als auch von der Bergseite zu Leibe gerückt. Das heißt, dass die Wehr zwei Wasserversorgungen braucht.

Am unteren "Brandherd", einem Teilstück am Waldsaum, trifft zuerst das Einsatzleitfahrzeug ein, dicht gefolgt vom Tanklastzug. Blitzschnell sind die Schläuche verlegt, während sich die ersten Kameraden bereits einen Weg durch abgebrochene Äste und ein Dickicht aus Sachalin-Knöterich bahnen. Zunächst wird mit Wasser aus dem Tank gelöscht, doch gleichzeitig verlegt ein Trupp bereits Schläuche zum nahe gelegenen Katzenbach, wo weiteres Löschwasser abgepumpt wird. Damit es mit der Wasserentnahme klappt, muss das Wasser gestaut werden, also bauen die Kameraden einen provisorischen Damm aus Steinen und Schlamm. Derweil quält sich das 2500 Liter fassende Tanklöschfahrzeug den Berg hoch, dicht gefolgt vom Unimog, der es auf dem Waldweg deutlich leichter hat. Sie fahren zum oberen Ende der "Brandstelle", 85 Meter oberhalb des Wendekopfs. Im Distrikt Leichtersberg stehen Birken und Eichen, dazwischen Tannen und Douglasien: Das harzreiche Holz brenne im Zweifelsfall wie Zunder, bestätigt Förster Walter Pfefferle.

"Bei unserer Topografie sind Waldbrände eigentlich reine Bodenfeuer", sagt Scherer. Mit den Fernsehbildern spektakulärer Waldbrände, bei denen auch die Kronen in Flammen stehen, hat das wenig zu tun.

"Hier kommt es zunächst darauf an, den Flammenüberschlag über den Weg zu verhindern", erklärt Scherer. 200 Meter Schlauch werden vom Haltepunkt der Fahrzeuge bis zur Einsatzstelle verlegt. Mit einem Gurgeln strömt das Wasser hin-ein: Zwei Spritzen im Anschlag sichern die Kameraden den Weg und bekämpfen den "Feuersaum". Ist der erst einmal gelöscht, können die Glutnester weiter unten in Angriff genommen werden.

"Großartig, diesmal ist keiner der Schläuche geplatzt", freut sich Bürgermeister Hansjörg Höfer eingedenk der letzten Übung, als ein undichter Schlauch einen Feuerwehrmann von oben bis unten durchnässte. "Das war früher nicht selbstverständlich", weiß Ehrenkommandant Georg Weber und erinnert an Zeiten, als unter der Regie des damaligen Kommandanten Fritz Brunn noch mit alten Hanfschläuchen aus dem Zweiten Weltkrieg gelöscht wurde: "Die waren so alt wie wir."

Ersatz für das Tankwasser wird am Leichtersberg mit einem Pendelverkehr von einer Entnahmestelle oberhalb des Waldschwimmbads herbeigeschafft. Für Scherer ist dabei wichtig, wie lange die Fahrzeuge jeweils für die Strecke brauchen. Schließlich wird gemeldet, dass der Brand unter Kontrolle ist, und die Kameraden treten den Rückweg an, zufrieden, weil die Übung planmäßig verlaufen ist. Bis auf ein Detail, bei dem sich der Kommandant verschätzt hat: Statt acht sind es nur vier Kilometer durch den Wald. Ein Irrtum, der nicht weiter diskutiert wird, zumal die Jugendfeuerwehr im "Besprechungsteil" für einen weiteren "Brand" gesorgt hat - für einen Traubenschnaps, der zusammen mit den knusprigen Bratwürsten den traditionellen Abschluss der Übung bildet. Dazu gibt es ein Lob von Bürgermeister Höfer: "Das war eine gute, anspruchsvolle Übung."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung