09.07.2012

"Wir brauchen auch ein paar verrückte Leute"

Von Karin Katzenberger-Ruf

Schriesheim. "Ich hab' viel Altbekanntes gehört. Einen echten Dialog hat es nicht gegeben": Das ist die eher bittere Bilanz, die Dr. Thomas Petersen vom Katholikentag in Mannheim zieht. Dieser war jetzt Thema des vierten Forums "Christlicher Glaube in Kirche und Welt", zu dem der Pfarrgemeinderat in die Volkshochschule (VHS) einlud, weil das katholische Gemeindehaus gerade umgebaut wurde.

Petersen berichtete von einer Veranstaltung, bei dem eine Theologin beim Publikum punktete und Bischof Gerhard Ludwig Müller aus Regensburg einige Antworten zu Fragen zum Zölibat oder dem Priesteramt für Frauen schuldig blieb. Der Philosoph Petersen hatte während des Katholikentages nur Zeit, eine Veranstaltung im Stadthaus zu besuchen, und die stand unter dem Motto: "Welche Theologie will die Kirche?". Seiner Schilderung nach zeigte das Publikum dort vor allem Sympathie für besagte Theologin. Direkte Fragen an das Podium waren nicht möglich, sie mussten aufgeschrieben werden. Da könnte auch einiges gekürzt oder erst gar nicht vorgetragen worden sein, mutmaßt Petersen. Etwa die Bitte: "Kommt endlich zum Thema!" Beim Forum in der VHS beschränkte sich der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Detlev Aurand, auf die vorläufige Statistik zum Katholikentag.

Demnach gab es dort 1200 Veranstaltungen aller Art mit etwa 1900 Referentinnen und Referenten. Zu den registrierten Gästen zählten jeweils etwa 28 Prozent, die über 40 oder 50 Jahre alt waren. Über 65-Jährige und unter 18-Jährige waren etwa zu zehn Prozent vertreten, Jugendliche (in dem Fall tauchen 19- bis 29-Jährige in der Statistik auf) zu 14 Prozent. Laut Detlev Aurand machte das studierte "Bildungsbürgertum" fast 40 Prozent der Gäste aus, welche mit Abitur oder Mittlerer Reife machten jeweils um die 16 Prozent aus und jene mit Hauptschulabschluss nur vier Prozent. Von rund 80 000 Teilnehmerinnen sollen wiederum an die 40 Prozent "Ersttäter" gewesen sein. Der Katholikentag kostete insgesamt über 9 Millionen Euro, die Erzdiözese Freiburg steuerte etwa ein Neuntel dazu bei.

Mannheim sei beim Katholikentag ein außerordentlich guter Gastgeber gewesen, ist aus dem Bericht von Detlev Aurand noch zu erfahren und auch, dass die Quadratestadt was "Internationales" habe. Als Moderator des Forums berichtete auch Prof. Dr. Joachim Maier von seinen Erfahrungen beim Katholikentag unter dem Motto "Einen neuen Aufbruch wagen". Er war selbst an vier Tagen vor Ort und nahm unter anderem an einer Veranstaltung teil, bei der es um die Sintflut ging und die Frage: Wollte Gott der Menschheit damit ihre Grenzen aufzeigen oder war sie die quasi letzte Chance für die Kirche? Als "einen großen Kongress" hat Pfarrgemeinderatsmitglied Irmgard Flöser den Katholikentag erlebt. Aber sie war auch 1978 in Freiburg dabei, als das Motto lautete: "Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben."

Beim damaligen Katholikentag ging es ihrer Schilderung nach noch etwas familiärer zu. In Mannheim gefiel ihr vor allem ein Beitrag von einer Referentin aus Hildesheim, die "Kirche für Einsteiger" vorstellte. In deren Umfeld gibt es sogar den "Starter-Workshop" für Leute, die bisher gar nichts oder eben nicht viel mit Kirche und Glauben zu tun hatten. "Wir brauchen auch ein paar verrückte Leute. Wir sehen ja, was die Normalen aus uns gemacht haben", so ihr Credo.

Im Anschluss an die Erfahrungsberichte war im Forum Gelegenheit, über den Aufbruch in der Katholischen Kirche zu diskutieren.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung