11.07.2012

Zehntkeller-Entrée bekommt neues Aussehen

Zehntkeller-Entrée bekommt neues Aussehen

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Das Thema wird für Gesprächsstoff sorgen in der Stadt: Im Zuge der fälligen Flachdachsanierung des Zehntkellers wird auch die komplette Eingangsfassade zu den historischen Gewölben am Unteren Schulhof abgerissen. und danach neu gestaltet. Die Bürger sollen mitreden dürfen, wie das Ganze künftig aussehen soll. Ein moderner Entwurf, der Grundlage für die Diskussionen sein soll, wurde im Auftrag der Stadtverwaltung von Architekt Manfred M. Fischer gezeichnet. Das Rathaus hatte auch bei Fischers Kollegen Norbert Morast angefragt. Er kam aber nicht zum Zug.

Die Entscheidung für Fischer ist nicht ohne Brisanz. Denn er war es, dessen Ideen für ein Ärztehaus am Festplatz Ende Mai für mächtig Wirbel und Gegenwind in der Stadt sorgten. Den Planer mit Büro in Heidelberg und Wohnsitz in Schriesheim lässt das kalt: "Ich wurde von der Stadt gebeten, über das Entrée zum Zehntkeller nachzudenken. Das habe ich getan." Und hinter der geplanten Bürgerbeteiligung stehe er voll und ganz. Auf die hätte er übrigens auch beim Ärztehaus gesetzt. Aber das Projekt ist Vergangenheit. Jetzt also der Zehntkeller.

Dessen Flachdach ist zugleich die Terrasse vor der Strahlenberger Grundschule, die diese als Schulhof nutzt. Die undichte Bausubstanz der Terrasse ist statisch so marode, dass sie komplett abgebrochen werden muss. Wassereinbrüche haben der Architektur zugesetzt, selbst einige Stahldeckenträger sind schon rostig. An der Sanierung führt kein Weg vorbei. Sie sei die Pflicht, die man jetzt mit der Kür verbinde, sagt Bürgermeister Hansjörg Höfer gestern in Bezug auf die neue Gestaltung der architektonischen Visitenkarte des Gebäudes, das als zentraler Ort für die Geschichte des Weinbaus und das gesellschaftliche Leben in der Stadt gilt. Daher soll der Gemeinderat über die künftige Optik nicht ganz alleine entscheiden, hat aber das letzte Wort. Die Winzergenossenschaft (WG) wurde als Mieter bereits in die Überlegungen einbezogen.

Sie habe Bedarf für einen Sozialraum angemeldet. Dafür soll ein Teil der Treppe zur Terrasse wegfallen. Zudem soll der Eingang zum Weinlager durch einen Vorbau um zwei Meter nach vorne versetzt werden, damit die Auslieferfahrzeuge mehr Platz haben. Die Stadt möchte zudem die Gelegenheit nutzen und die Toiletten am Foyer zu den Kellern sanieren. Was die Fassadengestaltung angehe, so Höfer, begrüße die WG Fischers Pläne. Höfer selbst sieht die Entwürfe zwar kritischer, zumal sie noch nicht auf Realisierbarkeit geprüft seien. Er empfindet die Aussagen der Genossenschaft aber auch als Bekenntnis zum Standort in der Altstadt.

Nach bisheriger Kalkulation soll alles 400 000 Euro kosten, 300 000 Euro stehen davon bereits im aktuellen Haushalt. Wie man die Kosten über die Miete an die WG weitergebe, müsse man sehen, so der Bürgermeister. Dass man die Sanierungsphase nicht dafür nutzt, etwa auch die steile Treppe zu den Kellern oder die Gewölbe selbst baulich zu überarbeiten, begründet er mit begrenzten finanziellen Mitteln.

Laut Höfer und Stadtbaumeisterin Astrid Fath sieht der Zeitplan für die Sanierung und Umgestaltung so aus: Am kommenden Montag berät der Bauausschuss über das Thema. Bis Anfang September haben dann die Bürger Gelegenheit, ihre Gestaltungsanregungen zur Fassade im Bauamt einzureichen. Bis Oktober wird Fischer die Ideen, die öffentlich vorgestellt werden sollen, in die Entwürfe einarbeiten. Nach dem Beschluss des Gemeinderats und der Ausschreibung sollen im Dezember die Abrissarbeiten beginnen. Ab dann seien Veranstaltungen in den Kellern nicht möglich, so Höfer. Was auch die Aufführungen der "Bergsträßer Heimatbühne" der Eintracht tangiert, die traditionell im Januar über die Bühne gehen. Beim Mathaisemarkt 2013 sollen der große und der kleine Zehntkeller wieder nutzbar sein, was nicht heiße, dass alle Arbeiten bis dahin abgeschlossen seien, so Höfer. > Hintergrund

Info: Die Ideen für die Fassadengestaltung des Zehntkellers sind ab kommender Woche unter www.schriesheim.de einsehbar. Die Bürger können ihre Anregungen zur Optik des Entrées bis 9. September beim Bauamt per E-Mail an die Adresse planordner@bauamtschriesheim.de einreichen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung